Team Ehingen Urspring: Das Saisonziel bleibt unverändert

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 Führungskraft im Team der Steeples und Spieler des Monats November in der ProA: Der US-Amerikaner Rayshawn Simmons hat großen A
Führungskraft im Team der Steeples und Spieler des Monats November in der ProA: Der US-Amerikaner Rayshawn Simmons hat großen Anteil an der bisher guten Ausbeute des Teams Ehingen Urspring in der laufenden Zweitliga-Saison. (Foto: SZ- mas)

Das Team Ehingen Urspring erlebt ein Hoch, wie es seit der Rückkehr in die ProA 2016 nicht über den Verein gezogen war. Das 113:100 am zwölften Spieltag war der vierte Sieg nacheinander und schon der insgesamt siebte in dieser Saison. Damit haben die Steeples schon jetzt, nach etwas mehr als einem Drittel der Hauptrunde, fast so viele Siege wie am Ende der vergangenen beiden Spielzeiten. Als Tabellenvierter liegt Ehingen Urspring derzeit auch auf Play-off-Kurs, aber für die Verantwortlichen spielt das im Augenblick keine Rolle. Für sie zählt weiter nur eines: nicht abzusteigen.

Von zwölf Spielen sieben gewonnen zu haben, „das ist schon eine komfortable Situation für uns“, sagt Cheftrainer Domenik Reinboth. „Wir haben uns in eine sehr gute Ausgangslage gebracht.“ Reinboth bezieht das Wort Ausgangslage auf das Ziel, in der Liga zu bleiben. „Darauf konzentrieren wir uns. Unser Ziel ist, so früh wie möglich den Klassenerhalt zu sichern. Das andere interessiert uns nicht.“ Mit „das andere“ sind die Play-offs gemeint, dieses Wort hat Reinboth auch nach dem Sieg in Paderborn nicht in den Mund genommen.

Der Steeples-Trainer hat dafür Argumente. Die Liga ist ausgeglichener als in den Jahren zuvor, vor dem zwölften Spieltag trennten den Tabellenvierten und den Vierzehnten gerade einmal vier Punkte. Viel hat sich mit dem Spieltag nicht verändert, außer dass Ehingen Urspring nun Vierter ist und nicht mehr vier, sondern sechs Punkte Vorsprung auf Platz 14 hat. „Wir haben uns mit unserem Sieg und durch die anderen Ergebnisse ein kleines Polster verschafft“, sagt Reinboth. Mehr aber auch nicht. Reinboth hatte schon vor Wochen gewarnt, dass zum Verbleib in der Liga in dieser Saison die zehn Siege, die gemeinhin von den ProA-Vereinen als Sicherheitsleistung angesehen werden, womöglich nicht reichen. Auch daher rührt die Vorsicht der Verantwortlichen des Teams Ehingen Urspring.

Zehn-Punkte-Rückstand

Jedoch spricht derzeit nicht viel dafür, dass die Steeples in der laufenden Hauptrunde in den Abstiegskampf verwickelt werden, viel eher, dass sie ein Kandidat für die obere Tabellenhälfte sind. Das Spiel bei den Uni Baskets Paderborn, die eine Woche zuvor noch in Trier gewonnen hatte, bestätigte dies. Zwar führte Ehingen Urspring in der regulären Spielzeit nicht oft, lief meist einem Rückstand hinterher, der im zweiten Viertel einmal auf zehn Punkte wuchs (27:37), doch gelang es der Mannschaft immer wieder, die Lücke rasch zu schließen – mit dem Höhepunkt, mit einem 8:0-Lauf in den letzten eineinhalb Minuten des vierten Viertels ein 69:77 noch in ein 77:77 zu verwandeln und somit die Tür zur Verlängerung aufzustoßen.

Der Mann, der mit einem Dreier eine Sekunde vor Ende der regulären Spielzeit traf, machte in Paderborn nicht zum ersten Mal auf sich aufmerksam: Rayshawn Simmons. Anfangs gab es offenbar auch Zweifel am US-Amerikaner, doch nicht bei Reinboth. Er verwies darauf, dass der 25-jährige Simmons erst spät in der Vorbereitung zur Mannschaft gestoßen war und noch Zeit benötigte. Inzwischen sind alle Zweifel verflogen. Der Point Guard der Steeples wurde gerade zum besten Spieler des Monats November in der ProA gewählt – mit 57 Prozent der Stimmen. Auf durchschnittlich 13,2 Punkte und 10,4 Korbvorlagen kam Simmons im vergangenen Monat.

Auch gegen Paderborn, im ersten Spiel im Dezember, erzielte der mit 25 Jahren Älteste im Team der Steeples eine starke Ausbeute: acht Assists und 23 Punkte – und das, obwohl er in den ersten drei Vierteln ohne Korberfolg geblieben war. Doch als es wichtig wurde und die Entscheidung anstand, war Simmons da. Gleiches gilt für Kevin Yebo, der sich nach seinem guten ersten Profi-Jahr weiter gesteigert hatte. Kein Spieler der ProA hat bisher so oft getroffen wie der 22-jährige Yebo, der nach zwölf Spielen 211 Punkte erzielte – gemessen am Schnitt pro Spiel belegt Yebo (17,6 Punkte pro Partie) Platz drei hinter den US-Amerikanern Andrew Barham (Hamburg/17,8) und Shyron Ely (Heidelberg/17,6), die beide ein Spiel weniger bestritten haben als der Power Forward der Steeples.

„Vielleicht etwas altmodisch“

Noch ein anderer Spieler des Teams Ehingen Urspring ist unter den besten zehn Korbschützen der Liga zu finden: Tanner Leissner (16,7), dessen Einsatzfreude und Willensstärke sinnbildlich für das Steeples-Team 2018/19 steht. Wie wichtig Leissner für die Mannschaft ist, zeigte sich auch in Paderborn: Obwohl Mitte des vierten Viertels mit vier Fouls belastet, ließ Reinboth den 23-jährigen US-Amerikaner im Spiel. Leissner blieb dann auch während der beiden, jeweils fünfminütigen Verlängerungen auf dem Feld, ohne sich ein weiteres Foul einzufangen und um das Spiel mitzuentscheiden. Domenik Reinboth verwies auf einen seiner früheren Trainer, der ihm einmal gesagt habe: „In der Overtime wechselt man nicht mehr. Die Spieler, die sich die Verlängerung erkämpft haben, sollen auch spielen“, so Reinboth, der den Satz seines ehemaligen Coaches beherzigte. „Vielleicht bin ich da etwas altmodisch.“

So kam Leissner auf eine Spielzeit von mehr als 40 Minuten, genauso wie Yebo, Simmons und Seger Bonifant, der das Spiel mit seinem Dreier kurz vor Ende der ersten Verlängerung um weitere fünf Minuten verlängerte. Der Fünfte im Bunde war Tim Hasbargen (Einsatzzeit: knapp 35 Minuten), der die beste Trefferquote der Steeples-Spieler aufwies (60 Prozent bei zehn Würfen aus dem Feld) und zudem sechs Assists und sechs Rebounds zum Auswärtssieg beisteuerte. Doch Trainer Reinboth machte den Erfolg auch an denen fest, die am Ende nicht mehr zum Einsatz kamen und stattdessen von der Bank Stimmung gemacht und die Mitspieler angefeuert hätten. „Es war ein Teamerfolg, ein Erfolg von allen.“

Erschöpft in der Kabine

Und nach der kräftezehrenden und nervenaufreibenden Partie saßen alle erschöpft in der Kabine, zu müde auch für Freudentänze. Die Spieler „waren einfach platt und haben alle Viere von sich gestreckt“, sagte Reinboth. Aber der Blick auf die Spieler verriet noch etwas anderes: „Alle hatten ein Lächeln im Gesicht.“

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