Tarifbeschäftigte Lehrer fordern „gleiches Geld für gleiche Arbeit“

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Christine Brohl, Susanne Sorgenfrei, Manuel Hagel, Heidi Drews und Franz Hofmeister haben sich zum Gespräch getroffen.
Christine Brohl, Susanne Sorgenfrei, Manuel Hagel, Heidi Drews und Franz Hofmeister haben sich zum Gespräch getroffen. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der verschiedenen Schularten haben sich in Ehingen mit dem Generalsekretär der CDU, Manuel Hagel, getroffen, um über Probleme und Benachteiligungen angestellter Lehrkräfte zu sprechen. Tarifbeschäftigte Lehrkräfte seien gegenüber beamteten Lehrern massiv benachteiligt.

Personalrätin Christine Brohl, Diplomsportlehrerin am Johann-Vanotti-Gymnasium in Ehingen, wies auf die großen Unterschiede bei der Bezahlung hin. Diese können im Nettoeinkommen bei angestellten Lehrkräften bis zu 700 Euro monatlich betragen. Deshalb die Forderung der GEW: Einführung einer Baden- Württemberg-Zulage für alle angestellten Lehrkräfte. Dazu Hagel: „Die Gerechtigkeitslücke wird vom Landtag gesehen.“

Eine weitere Benachteiligung der tarifbeschäftigten Lehrkräfte: Trotz tariflicher Regelung von 39,5 Stunden Wochenarbeitszeit für Angestellte im öffentlichen Dienst der Länder müssen angestellte Lehrkräfte 1,5 Stunden mehr in der Woche arbeiten, da die Arbeitszeit der angestellten Lehrkräfte an die 41 Stunden der Beamten angepasst ist.

Franz Hofmeister, angestellter Berufsschullehrer und Bezirkspersonalrat der beruflichen Schulen im Regierungsbezirk Tübingen, informierte anschließend über die Situation an den Berufsschulen. Hier war die Not, für bestimmte Fächern geeignete Lehrkräfte zu finden, so groß, dass „Direkteinsteigern“ in Mangelfächern Zulagen von bis zu 950 Euro im Monat gewährt werden. Trotzdem müssen jedes Jahr immer wieder eine große Anzahl von befristeten Verträgen abgeschlossen werden, um einem Unterrichtsausfall entgegenzuwirken. Dies betreffe im Übrigen alle Schularten. Mit ihrer gängigen unsozialen Befristungspraxis spare das Land sehr viel Geld ein, indem es rund 4000 Beschäftigte jedes Jahr in die Sommerferienarbeitslosigkeit entlässt und zu Schulbeginn wieder einstellt. Das betreffe 40 Prozent der angestellten Lehrkräfte in Baden-Württemberg. Hier fordern die GEW-Vertreter, die Sommerferien zu bezahlen, geeigneten Personen eine Nach- und Weiterqualifizierung zu ermöglichen oder ihnen durch eine Festeinstellung eine Perspektive zu geben.

Susanne Sorgenfrei, pädagogische Assistentin an der Längenfeldschule in Ehingen und Mitglied des örtlichen Personalrats am Schulamtsbezirk Biberach, und Heidi Drews, gingen anschließend auf die Besonderheiten ihres Berufsbildes und die Probleme an ihrer Schulart ein. „Auf der einen Seite haben wir einen eklatanten Mangel an Lehrkräften, auf der anderen Seite werden die Ressourcen bestehender Kräfte nicht genutzt“, informiert Heidi Drews von der GEW Biberach und Personalratsvorsitzende am Staatlichen Schulamt Biberach.

So gebe es jede Menge Kollegen im System Regelschule, die ein abgeschlossenes Studium haben. Oftmals einen besonderen Masterabschluss, der aber nicht dazu führt, dass sie als reguläre Lehrkräfte anerkannt werden und wie ihre Kollegen bezahlt werden, obwohl diese denselben Unterricht erteilen. Hier fordert die GEW seit langem: „Gleiche Arbeit, gleicher Lohn“. Zwar wurde für Fachlehrkräfte eine Aufstiegsmöglichkeit geschaffen, diese Chance erhalten aber gerade einmal jährlich drei Lehrkräfte im gesamten Regierungspräsidium Tübingen – ein Tropfen auf den heißen Stein, wie die Gewerkschaftler sagen. Ob Fachlehrkräfte oder Grundschullehrkräfte, es gebe für die ersten nur einen ewig dauernden Wartebereich, bis eine Höhergruppierung erreicht wird, für die letzteren gäbe es gar keine Perspektive. Bei den pädagogischen Assistenten sehe es noch schlechter aus, da für sie keine neuen Stellen geschaffen werden und es ihnen auch nicht ermöglicht werde, ihre wöchentliche Arbeitszeit zu erhöhen, so Susanne Sorgenfrei. Dieser Personenkreis wird aber dringend zur Unterstützung der Lehrkräfte gebraucht, da die Inklusion, Migration und Heterogenität an den Schulen stark zunimmt.

In Manuel Hagel hatten die GEW-Vertreter einen aufmerksamen Zuhörer, der die Anliegen der Personalräte und Lehrkräfte mit großem Interesse aufnahm und auch gezielt nachfragte. Er versprach den vier Pädagogen eine zeitnahe Rückmeldung.

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