Stirbt Schwäbisch aus?

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Hermann Wax sorgt sich um die Zukunft des Schwäbischen.
Hermann Wax sorgt sich um die Zukunft des Schwäbischen. (Foto: tg)
Leiter Lokalredaktion Ehingen

Der Ehinger Dialektforscher Hermann Wax prophezeit dem Schwäbischen Dialekt eine düstere Zukunft. „Wem das Schwäbische am Herzen liegt, der muss sich durchaus Sorgen machen“, sagt Wax. Denn der Schwabe an sich steht, wie viele Dialektsprecher, unter dem Druck der Standardsprache.

Von unserem Redakteur Tobias Götz

Hollywood-Schauspieler Bruce Willis spricht in seinem Film „Stirb langsam 4.0“ Schwäbisch. Tagesschau-Sprecher Jan Hofer moderiert Deutschlands Nachrichtensendung Nummer eins auf Schwäbisch. US-Präsident Barack Obama brüllt auf Schwäbisch bei seinem Berlin-Besuch ins Mikrofon. Schwäbisch ist also in aller Munde? Nicht ganz. Die beschriebenen Beispiele finden sich auf der Internet-Plattform „youtube“. Begeisterte Schwaben haben sich die Mühe gemacht, all diese Menschen mit ihrem Schwäbischen Dialekt zu synchronisieren. Gibt man bei „youtube“ den Suchbegriff „schwäbisch“ ein, finden sich auf Anhieb 5070 Treffer. Schwäbisch boomt also im Internet. Doch um die Zukunft des Dialekts ist es dennoch nicht so rosig bestellt.

„Auch wir Schwaben werden immer mehr sprachlich eingeebnet. Das Schwäbisch der Zukunft ändert sich, weil sich alles ändert und die Sprache immer im Fluss ist“, sagt der Ehinger Hermann Wax, der bereits an seiner vierten Auflage des Buchs „Die Etymologie des Schwäbischen“ bastelt. Ein Grund für die Einebnung des Schwäbischen Dialekts sieht Wax bei den gesprochenen Medien wie Radio und Fernsehen. „Die dortige Sprache wird immer einfältiger. Nur noch in ganz wenigen Sendungen wird beispielsweise Schwäbisch gesprochen“, sagt Wax.

Ein anderer, durchaus noch prägenderer Grund für das Ausbluten des Schwäbischen Dialekts liegt in der Erziehung. „Immer mehr schwäbische Eltern erziehen ihre Kinder auf Hochdeutsch. Das ist ein Grund dafür, warum immer mehr schwäbische Wörter aus dem Wortschatz verschwinden“, sagt Wax.

Wörter wie „Gsälz“ (Marmelade), „Zeistig“ (Dienstag), „Gelte“ (alter Zuber) oder „Migge“ (aufdie Bremse steigen) werden in der schwäbischen Umganssprache immer seltener. Begriffe wie „tribelieren“ (jemanden auf die Nerven gehen) sind bereits so gut wie ausgestorben. „Viele schwäbische Wörter werden definitiv verschwinden. Manche Menschen haben eben das Gefühl, dass schwäbische Wörter veraltet sind. Diese Leute haben einen sogenannten subkultanen Minderwertigkeitskomplex, wenn sie Schwäbisch reden“, erklärt Wax.

Nur noch Privatsprache?

Deswegen ist es laut Wax auch gut möglich, dass sich der schwäbische Dialekt immer mehr aus der Geschäftswelt zurückziehen wird. „In der Zukunft wird der Dialekt zur Privatsprache werden. Auch deswegen, weil Schwäbisch eine sehr ehrliche Sprache ist. Und wenn jemand Dialekt spricht, kommt er meistens nur schwer um die Wahrheit drumherum“, betont Wax und nennt ein passendes Beispiel. „Wenn jemand sagt, dass es stark geregnet hat, ist das nicht so tragisch. Wenn ein Schwabe jedoch sagt, es ,soicht’, dann war der Regen heftig.“

Deswegen sagt Wax auch deutlich, dass es keinen Sinn macht, den Kindern den Schwäbischen Dialekt zu verbieten. „Dadurch wird die spontane Sprachentwicklung blockiert. Das ist auch für die allgemeine Sprachentwicklung des Kinds nicht gut“, betont Wax, der sich mit vielen Vorträgen im ganzen Schwabenland als Botschafter des Schwäbischen sieht. „Schwäbisch ist kein heruntergekommenes Hochdeutsch. Das sollten sich die Menschen zu Herzen nehmen.“ Vielleicht kann dann die Schwäbische Sprache gerettet werden...

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