Stiftung führt „Elternschicht“ ein

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Sandra Seifert arbeitet in der „Elternschicht“ im Wohnpark St. Franziskus in Ehingen.
Sandra Seifert arbeitet in der „Elternschicht“ im Wohnpark St. Franziskus in Ehingen. (Foto: Andrea Reck/St. Elisabeth-Stiftung)
Schwäbische Zeitung

Familie und Arbeitszeiten in der Alten-, Behinderten-, Kinder- und Jugendhilfe zu vereinbaren, ist bisweilen schwierig. Mit der „Elternschicht“ testet die St. Elisabeth-Stiftung spezielle Arbeitszeiten, um die Bedürfnisse von Arbeitgeber und Mitarbeitenden mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen unter einen Hut zu bringen.

Sandra Seifert, Gesundheits- und Krankenpflegerin, arbeitete als stellvertretende Pflegedienstleiterin im Wohnpark St. Franziskus in Ehingen. Als 2014 Tochter Emma geboren wurde, beendete sie noch ihre Weiterbildung zur Leitung einer Pflege- und Funktionseinheit und arbeitete dann mit Unterstützung ihrer Eltern bei der Kinderbetreuung auf einer 50-Prozent-Stelle. Zwei Jahre später vergrößerte Felix die Familie, Sandra Seifert arbeitete daraufhin nur noch 30 Prozent, an jedem zweiten Wochenende.

Seit Mai besucht zwar auch der Sohn den Kindergarten, doch zu Beginn des Frühdienstes um sechs Uhr vor Ort sein? Unmöglich. Ihr Mann muss um sechs Uhr zur Arbeit und kann die Kinder nicht um acht, wenn der Kindergarten öffnet, dort abliefern. Gut, dass der Arbeitgeber, die St. Elisabeth-Stiftung, Flexibilität zeigt: Das „Pilotprojekt Elternschicht“ ging an den Start. Sandra Seifert arbeitet nun tageweise von 8.15 bis 11.45 Uhr, bei Bedarf auch am Wochenende im Wohnpark mit seinen 55 Plätzen.

Und wie kommen die Kolleginnen und Kollegen mit dieser Lösung klar? „Dienstpläne zu individualisieren, ist immer eine Herausforderung“, sagt Monika Vollmann-Schipper, die Leiterin des Wohnparks. „Aber alle kommen sehr gut damit klar. Im Endeffekt ist es ja eine Entlastung, wenn eine Kollegin nicht zuhause bleibt, sondern mit Unterstützung des Teams Familie und Job unter einen Hut bekommt.“ Und Sandra Seifert ergänzt: „Ich mache weiterhin alles: Grundpflege, Medikamente richten, Mittagessen eingeben, Dienstzimmer aufräumen. Die anderen haben nicht so kleine Kinder und freuen sich, dass Unterstützung zur Stelle ist. Wir sind ein richtig harmonisches Team“. Seifert engagiert sich zudem als Mentorin für Auszubildende und macht eine Fortbildung in Hygiene-Management.

Natürlich muss auch zu Hause alles gut organisiert sein. Die Kinder kommen spätestens um sieben ins Bett, damit morgens alles stressfrei klappt, Sandra Seifert kocht abends vor, damit mittags in Ruhe gegessen werden kann. „Nur Hausfrau – das bin ich nicht“, sagt die berufstätige Mutter, die sich immer einen Beruf in der Pflege wünschte. „Mit 15 habe ich schon sonntags Dienst in der Küche gemacht. In Untermarchtal, wo meine Mutter als Krankenschwester arbeitete“. Die Freude am Umgang mit Pflegebedürftigen scheint auch in der dritten Generation bereits angelegt: „Manchmal darf meine Tochter am Wochenende ein paar Stunden mitkommen. Sie spricht und spielt gerne mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.“

Sandra Seifert hat schon Besuche von Kindergartenkindern vermittelt und plant weitere Begegnungen mit Jungen und Mädchen aus dem Kindergarten Ulrika Nisch in Ehingen, den ihre Kinder besuchen. Da auch die Schule, in die Emma im nächsten Jahr wechseln wird, nicht weit entfernt ist, dürfte das Elternschicht-Modell weiterhin funktionieren. Dank der guten Organisation der berufstätigen Mutter und der Kooperationsbereitschaft von Arbeitgeber und Team zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Nicht zuletzt profitieren auch die Bewohnerinnen und Bewohner von engagierten und zufriedenen Pflegekräften, die Beruf und Familie reibungslos vereinbaren können.

„Wir unterstützen und ermutigen unsere Führungskräfte darin Regelungen zu finden, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für unsere Mitarbeitenden verbessern“, sagt Veronika Leichtle, Personalreferentin bei der St. Elisabeth-Stiftung. „Solche Regelungen können wir nicht zentral vorgeben, sie können nur ganz individuell vor Ort erarbeitet werden. Wir freuen uns, wenn sich noch weitere Mitarbeitende finden, denen so eine Elternschicht den Familienalltag erleichtert.“

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