Steffen Pfeiffer pilgert für das Lebensrecht auf Wasser

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Bei seiner Ankunft in Ehingen nahm Steffen Pfeiffer am Franziskanerkloster am Brunnen einen Schluck Wasser zur Erfrischung. sz-F
Bei seiner Ankunft in Ehingen nahm Steffen Pfeiffer am Franziskanerkloster am Brunnen einen Schluck Wasser zur Erfrischung. sz- (Foto: sz- kö)

An seinem 50. Geburtstag, am 29. September, will Steffen Pfeiffer auf dem Petersplatz in Rom Papst Franziskus eine Flasche mit Wasser überreichen, das er auf den Etappen seines Pilgerweges nach Rom aus Flüssen, Bächen, Seen und Brunnen gesammelt hat. An diesem Wochenende hat der Pilger Station in Ehingen gemacht. Den Kontakt zum Papst soll Kardinal Walter Kasper, den Pfeiffer gut kennt, schaffen. „Das hätte eine wunderbare Signalwirkung , um Menschen sensibel zu machen für das Lebensrecht auf Wasser“, sagt Pfeiffer.

Für dieses Lebensrecht auf Wasser ist Steffen Pfeiffer seit vier Jahren unterwegs. Auf seiner zweiten Pilgerreise in Spanien 2012 hat er festgestellt, dass die durch die Eurokrise in Schieflage geratenen Länder wie Spanien und Portugal für ein Butterbrot, wie er sagt, ihre Wasserrechte an große Lebensmittelkonzerne verkauft haben. Um das Wasser keimfrei zu machen, haben diese Firmen die Brunnen dermaßen chloriert, dass weder Mensch noch Tier aus ihnen trinken mögen, erzählte Pfeiffer. „Auf dem Weltkulturerbe Jakobsweg sind diese Brunnen für Pilger aber unverzichtbar. Ich musste irgendetwas tun und bin vom Nordkap bis nach Spanien gelaufen, habe Unterschriften gesammelt gegen die Privatisierung der Wasserquellen“, sagte Pfeiffer im Gespräch mit der SZ. Sechs Monate war er da unterwegs. Letztes Jahr hat er die Route vom Nordkap bis nach Kapstadt in Angriff genommen und ist bis Spanien bereits gekommen. „In all den Jahren habe ich mir nicht eine einzige Blase gelaufen. Abends esse ich immer gern und gut, sofern das möglich ist, ich bin nicht anspruchsvoll, freue mich aber über ein gutes Nachtquartier wie hier, ansonsten habe ich ein kleines Zelt dabei“, so Pfeiffer.

In Ehingen macht er seinen Übernachtungsstopp im Wohnpark St. Franziskus in Ehingen. Dort hatte ihm Heimleiterin Anke Landu den Ruheraum der Tagespflege für die Nacht angeboten und ihn auch zum Abendessen eingeladen. Als Gegenleistung dafür hat Steffen Pfeiffer den Bewohnern von seiner Reise und vergangenen Pilgerreisen erzählt.

Zum ersten Mal gepilgert ist Pfeiffer 2010 nach einem Burn-out. Er hatte sich im Fotovoltaik-Programm der damaligen Bundesregierung engagiert, ein Riesenprojekt im Osten war nach dem Regierungswechsel und dem Zurückfahren der Subventionen geplatzt. „Nach der ersten Pilgerreise habe ich mein Leben umgestellt und habe mich mit den Menschen und ihrer eignen Entscheidungsfreiheit auseinandergesetzt. Ich habe Notfallmappen angeboten mit Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten und Testamenten“.

Am 29. Juli dieses Jahres ist Steffen Pfeiffer von seiner Haustür in Freiberg am Neckar losgelaufen, hat unter anderem in Stuttgart, Calw, Herrenberg, Rottenburg und Hechingen Station gemacht. Nach Ehingen kam er von Zwiefalten und wollte am nächsten Tag nach Biberach weiterlaufen. „Dieses Jahr sind wegen des unsicheren Wetters ungewöhnlich wenige Pilger unterwegs“, sagt Pfeiffer. In Lausanne will er auf die Via Francegena wechseln, sie führt über Siena nach Rom. Ab Siena will Pfeiffer aber den Franziskusweg nehmen, „denn der Heilige Franziskus hatte viel mit Wasser zu tun“.

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