Steeples-Sieg in Paderborn nach zweimaliger Verlängerung

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 Die Zweitliga-Basketballer der Steeples (Tanner Leissner, r., gegen Luca Kahl, l.) zwangen Paderborn in der zweiten Verlängerun
Die Zweitliga-Basketballer der Steeples (Tanner Leissner, r., gegen Luca Kahl, l.) zwangen Paderborn in der zweiten Verlängerung in die Knie und sicherten sich ihren vierten Sieg in der ProA in Folge. (Foto: Marc Köppelmann)

Das Team Ehingen Urspring hat in der Zweiten Basketball-Bundesliga ProA zum vierten Mal in Folge gewonnen. Die Steeples setzten sich bei den Uni Baskets Paderborn nach zweimaliger Verlängerung mit 113:100 durch. Dabei hatten die heimstarken Westfalen über weite Strecken der regulären Spielzeit geführt und kurz vor Ende des vierten Viertels wie der sichere Sieger ausgesehen. Mit einem denkwürdigen Schlussspurt rettete sich Ehingen Urspring in die Verlängerung und entschied das Spiel noch für sich.

Eine Minute und 32 Sekunden vor Ende des letzten Viertels nahm Steeples-Trainer Domenik Reinboth eine Auszeit und versammelte seine Spieler an der Bank um sich, um noch irgendwie den Umschwung herbeizuführen. Beim Spielstand von 77:69 für Paderborn und damit acht Punkten Rückstand hatte Reinboth jedoch leise Zweifel, wie er hinterher verriet. „Es gab eine Sekunde, an der ich nicht mehr an einen Sieg geglaubt hatte“, sagte der Trainer des Teams Ehingen Urspring. Zumal die Uni Baskets zuvor auf Kurs waren. Im vierten Abschnitt waren sie zwar zu Beginn in Rückstand geraten (Rayshawn Simmons hatte die ersten Punkte in diesem Viertel zum 58:57 für die Steeples erzielt), doch dann gaben die Paderborner die Richtung vor. Angetrieben von Connor Wood, der 14 seiner 22 Punkte im vierten Viertel erzielte, führte Paderborn 63:58, dann 69:64, 72:66 und schließlich 77:69. Für die letzten beiden Punkte hatte Center Martin Seiferth mit einem spektakulären Alley-oop-Dunk gesorgt.

Simmons-Dreier zum Ausgleich

Doch die Gäste ließen sich auch davon nicht beeindrucken und sie legten nach der Auszeit in den 92 Sekunden bis Viertelende einen Lauf hin, für den Trainer Reinboth nur ein Wort fand: „Unglaublich.“ Tanner Leissner vergab zunächst einen Dreier, doch weil sich Tim Hasbargen den Rebound holte, erhielt Leissner einen zweiten Versuch aus kürzerer Distanz – und traf zum 77:71. Kurz darauf, nach Ballgewinn von Hasbargen, verkürzte Kevin Yebo mit einem Alley-oop auf 77:73 und verwandelte, weil beim Wurf gefoult, auch den Freiwurf zum 77:74. Innerhalb von 33 Sekunden war der Rückstand mehr als halbiert. „Das war der Wendepunkt“, sagte Domenik Reinboth.

Paderborns Trainer Uli Naechster versuchte es mit einer Auszeit, um seine Mannschaft zu beruhigen und den Lauf des Gegners zu stoppen. Die Pause änderte nichts. Doch die Zeit verrann und so blieb den Steeples nur noch ein Angriff, um den Ausgleich zu erzielen. Der Ball schien aber nicht in den Korb zu wollen – trotz mehrerer Versuche, weil sich die Gäste immer wieder den Rebound geschnappt hatten. Der unbedingte Wille zahlte sich am Ende doch aus: Der letzte Versuch, fast mit der Schlusssirene, brachte das 77:77. Rayshawn Simmons bescherte den Steeples die Verlängerung – und die Paderborner wussten nicht so richtig, wie ihnen geschah. „38 Minuten waren wir die Mannschaft, die die Partie im Griff hatte, dann haben wir den Sieg weggeworfen“, sagte Uni-Baskets-Coach Uli Naechster.

Noch war aber nichts verloren für die Uni Baskets. Erneut lief Ehingen Urspring Rückständen hinterher, allerdings zweifelte Reinboth nun keine Sekunde mehr daran, dass sein willensstarkes Team das Sportzentrum am Maspernplatz als Sieger verlassen würde – auch nicht, als Paderborn 16 Sekunden vor Ende mit 93:90 führte. „Das Gefühl in der Verlängerung war: Wir packen das“, sagte Reinboth. „Auch wenn der Gegner getroffen hatte, hatten wir immer die richtige Antwort und trafen die richtige Entscheidung.“ Diesmal war es Seger Bonifant, der mit einem Dreier für den 93:93-Gleichstand und eine zweite fünfminütige Extraschicht sorgte.

Die zweite Verlängerung war eine Demonstration der Klasse und des derzeitigen Selbstbewusstseins des Teams Ehingen Urspring. Rayshawn Simmons (neun Punkte in der zweiten Verlängerung), der sich im Lauf des Spiels enorm gesteigert hatte, und Tanner Leissner (fünf Punkte), der seit Mitte des vierten Viertels mit vier Fouls belastet war und am Rande des vorzeitigen Ausschlusses balancierte, führten die Mannschaft zu einem am Ende deutlichen Sieg.

Ein Sieg, der in der regulären Spielzeit nicht zu erwarten war. Domenik Reinboth war mit der Leistung seines Teams vor allem in der ersten Halbzeit nurz zum Teil zufrieden. „Da ist unsere Taktik nicht so aufgegangen wie gewünscht. Aber Paderborn hat es auch gut gemacht.“ Die Westfalen zwangen die Gäste immer wieder zu Würfen von außerhalb und die Trefferquote bei den Steeples aus der Distanz ließ zunächst zu wünschen übrig. Was allerdings auch für die Uni Baskets galt, weshalb die Partie lange ausgeglichen war. „Erst zum Schluss haben wir unsere Dreier verwandelt“, so Reinboth. Ehingen Urspring traf dann, als es am wichtigsten war.

Rebound-Stärke

Außerdem zeigten die Steeples gerade in kritischen Phasen ihre Qualitäten im Rebound. Unterm Strich hatten sie nach insgesamt 50 Minuten Spielzeit 56 Rebounds in der Bilanz stehen (Yebo kam allein auf 19), Paderborn, obwohl mit Größenvorteilen, lediglich 34. Reinboth hatte auch dafür nur ein Wort, es war sein Wort des Abends: „Unglaublich.“

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