Steeples-Abstieg aus der ProA: Mangel an Konstanz und fehlende Kadertiefe

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Die Saison 2017/18 in der Zweiten Basketball-Bundesliga ProA ist für das Team Ehingen Urspring Geschichte. Sie endete mit dem Abstieg in die ProB. Die Enttäuschung darüber war zu spüren, aber sie hatte auch Grenzen. Die Verantwortlichen des Vereins hatten stets betont, dass es in dieser Spielzeit nur um den Verbleib in der ProA gehen würde. Man war sich aber von vornherein bewusst, dass es nicht reichen und man das Ziel verfehlen könnte. Nun stellt sich der Verein auf die ProB ein, in der die Steeples mit einer neuen, noch stärker in Urspring verankerten Mannschaft eine gute Rolle spielen wollen.

So bitter und klar die Niederlage zum Abschluss gegen Hanau (67:102) war: Unterm Strich fehlte wenig, um in der ProA zu bleiben. Ein Sieg oder der bessere direkte Vergleich gegenüber Baunach, gerade einmal einen Korb waren die Franken in der Addition der beiden Spiele gegeneinander voraus. Ein verwandelter Dreier mehr beim Sieg gegen Baunach und die Steeples hätten die Nase vorn gehabt. So aber waren es die Young Pikes.

Doch ein oder zwei Körbe mehr hätten auch in einigen der verlorenen Spiele ausgereicht. „Wir haben zu inkonstant gespielt“, sagte Teammanager Nico Drmota. Der kleine Kader tat sein Übrigens, Ausfälle waren kaum zu verkraften. Und verletzte Spieler gab es immer wieder. Jonathan Malu kam nie richtig in Tritt, genauso wie Yasin Kolo, mit großen Erwartungen aus Tübingen gekommen, von dem sich der Verein im Herbst aber wieder trennte (zusammen mit dem US-Amerikaner Cole Preston, der sich nicht als die erhoffte Verstärkung erwiesen hatte), um die Rückkehr von Devon Moore zu ermöglichen. Mit Moore kam dringend benötigte Routine ins Team, doch der Spielmacher brach sich im Januar die Hand. Für ihn kam der noch viel erfahrenere Achmadschah Zazai, mit dem gleich drei Siege in Folge gelangen. „Er hat uns wieder Hoffnung gegeben in der schwärzesten Zeit, als wir im Keller waren“, sagte Trainer Domenik Reinboth. „Ohne ihn hätten wir die Wende nicht geschafft.“ An den letzten sieben Spieltagen, als die Steeples ausnahmslos auf Play-off-Anwärter trafen und nur eine dieser Partien gewannen, wendete sich das Blatt erneut. Die vermeintlich distanzierten Young Pikes aus Baunach punkteten und schoben sich an Ehingen Urspring vorbei.

Dem Kader fehlte es an Tiefe und Erfahrung. Spieler wie Sebastian Schmitt (aus Bremerhaven) und Malu (Alba Berlin) kamen zwar von Erstligisten, dort aber kaum zum Zug. Schmitt etwa habe für das Regionalliga-Team in Bremerhaven gespielt, sagt Drmota. „Es war sein erstes Jahr in der ProA.“ Schmitt gehörte zu den Spieler, die sich gut entwickelt haben bei den Steeples. Den größten Sprung aber machte Kevin Yebo, verpflichtet von einem Regionalligisten. Im Schnitt erzielte der 22-Jährige knapp elf Punkte pro Spiel und war einer der besten Rebounder der Liga. „Als ich hergekommen bin, sagte ich zu meiner Freundin, dass ich zufrieden wäre, wenn ich fünf Punkte pro Spiel machen würde“, sagte Yebo. Seine Zielmarke für die Rebounds: vier. Beide Marken übertraf er deutlich.

Die Steeples hatten bei der Kaderplanung die Hoffnung, dass Spieler aus der zweiten Reihe von Erstliga-Klubs oder Talente aus unteren Ligen einschlagen. Und dass die US-Amerikaner sich von Anfang an als Leistungsträger erweisen. Davonte Lacy, mit 18,5 Punkten pro Spiel Topscorer der Liga, und Seger Bonifant, mit knapp 13 Punkten auch unter den Top 30, erfüllten die Hoffnungen von Beginn an. Beide hatten zuvor schon in Europa gespielt, während es für den talentierten Center Bradley Hayes die erste Auslandsstation war. Er brauchte eine längere Anlaufzeit und blühte erst im Zusammenspiel mit Spielmacher Zazai auf. „Mit Cha Cha im Rücken hat man gesehen, was er leisten kann“, so Drmota. „Er hat ein unglaubliches Potenzial.“

An die Verpflichtung weiterer Ausländer oder routinierter deutscher Spieler war aber nicht zu denken. „Mehr gab unser Budget nicht her“, sagte Drmota. „Da sind uns wirtschaftlich die Hände gebunden.“ Deshalb bestand das Aufgebot zu einem Teil aus NBBL-Talenten aus Urspring, für die die ProA aber noch eine Nummer zu groß war.

In der ProB sollen sie mehr Verantwortung übernehmen. Die NBBL-Spieler sind womöglich die einzigen, die dem Team Ehingen Urspring auch in der nächsten Saison angehören. Die US-Amerikaner werden wechseln, zumal in der ProB ab der Spielzeit 2018/19 nur ein Nicht-EU-Ausländer auf dem Spielfeld stehen darf. Es gibt weniger Planstellen für US-Profis. Der aus dem Großraum Seattle stammende Lacy sagte, dass die ProB nicht die von ihm gesuchte neue Herausforderung sei. Er wolle auf ein „höheres Level“ und zu einem Erstliga-Team, allein weil die finanzielle Seite für ihn nicht unwichtig ist. „Ich muss meine Familie unterstützen und deshalb auch auf den Vertrag schauen.“ Ein „seriöses Angebot“ eines anderen Verein gebe es, so der 25-Jährige.

Kevin Yebo schließt ein weiteres Jahr bei den Steeples nicht aus – auch wenn ihm ebenfalls Angebote vorlägen, unter anderem von einem Top-Team der ProA. Für die ProA hätte Yebo noch ein Jahr Vertrag bei Ehingen Urspring gehabt, der aber für die ProB nicht gilt. „Ich kann mir vorstellen, noch ein Jahr hier zu spielen“, so Yebo.

An den Verantwortlichen liegt es nun, eine schlagkräftige Mannschaft für die ProB aufzubauen. Das Team soll, weil auch mehr deutsche Spieler gefordert sind, wieder „mehr Urspring-Flair“ haben, sagt Teammanager Drmota. Und es soll konkurrenzfähig sein, denn die ProA soll perspektivisch nicht aus dem Blick verloren werden. „Wir sind immer ambitioniert und wollen vorne mitspielen.“

Vordringlich bei der Kaderplanung für 2018/19 ist aber die Personalie Trainer. Der Vertrag von Domenik Reinboth läuft aus, der Verein will mit ihm weitermachen. „An uns liegt es nicht, unser Signal ist klar“, sagt Drmota. „Domenik ist eine Institution in Urspring und kann Spieler entwickeln.“ Die Gespräche über eine Vertragsverlängerung liefen seit Dezember, so der Teammanager. Noch aber ist ein neuer Vertrag nicht unterschrieben. Reinboth verwies öffentlich stets darauf, dass seine Konzentration ganz dem Endspurt in der Liga gelte und alles andere anschließend geklärt werde.

Man mag es als Hinweis verstehen, was der 35-jährige Coach unmittelbar nach Ende des Spiels gegen Hanau vor Publikum in der JVG-Halle sagte – „nach der bittersten Niederlage, die ich in sechs Jahren hier erlebt habe“. Reinboth verwies auf den Abstieg 2015, als er danach Cheftrainer wurde und der sofortige Wiederaufstieg gelang. „Es gab schon mal einen Abstieg aus der ProA und im Jahr darauf sind wir zurückgekehrt. Genauso wollen wir auch die Zukunft gestalten.“

Wobei die Verantwortlichen für 2018/19 nicht den Wiederaufstieg als Ziel ausgeben werden. Das Wort „werden wir nicht in den Mund nehmen“, sagt Teammanager Nico Drmota wenige Tage nach dem Hanau-Spiel. Ausgeschlossen wird eine Rückkehr nicht. „Wir wollen in Tuchfühlung mit der ProA bleiben“, so Drmota. „Für unser Projekt in Urspring und unsere jungen Talente wollen wir weiter auf dem höchstmöglichen Niveau spielen.“

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