Stadt Ehingen lässt zwei Tempo-30-Varianten testen

Lesedauer: 6 Min
Leiter Lokalredaktion Ehingen

Schon mehrfach hat es im Berkacher Peter-und-Paul-Weg auf Höhe der Bushaltestelle eine Verkehrsschau gegeben. Am Dienstag hat sich die Verkehrskommission nun wieder mit den Berkachern getroffen und zwei Ergebnisse hervorgebracht.

Zum einen ist es nun klar, dass die Bushaltestelle kein Wartehäuschen bekommen wird, zum anderen wird nun in zwei Varianten Tempo 30 in Berkach getestet.

Ehingens Ordnungsamtsleiter Ludwig Griener machte gleich zu Beginn der Verkehrsschau deutlich: „Das ist die finale Verkehrsschau hier. Heute brauchen wir Ergebnisse.“ Und diese gab es auch – zumindest hat Griener zusammen mit der Verkehrskommission eine Testphase eingeläutet.

Doch der Reihe nach. Eckhard Werner, Geschäftsführer der Firma Bayer, erläuterte die Buslinie 303, die Berkach, Ehingens Stadtmitte und die Gemeinde Allmendingen bedient. „Weil wir für Berkach zu wenig Fahrgäste hatten, haben wir die Allmendinger Linie angedient, um eine bessere Verbindung zu schaffen. Die Schule in Allmendingen hat dafür extra ihre Schulzeiten verändert, damit diese quasi auf den Bus passen“, so Werner. Der Bus fahre im Stunden beziehungsweise im 45-Minuten-Takt.

Überdachung für wartende Schüler auf der anderen Straßenseite

Ehingens Ordnungsamtsleiter Ludwig Griener erklärte kurz das Berkacher Problem, über das die SZ bereits mehrfach berichtet hat. „Die Überdachung für die wartenden Schüler ist auf der anderen Straßenseite der Bushaltestelle. Das Problem ist die Querung der Straße, wenn die Schüler bei Regen unter dem Dach warten. Wir haben das alles geprüft, die Fahrtrichtung des Busses können wir nicht umdrehen“, betonte Griener.

Eckhard Werner schlug vor, die Bushaltestelle am Peter-und-Paul-Weg ganz aufzulösen und in die oberhalb verlaufende Rosenstraße zu verlagern. „Dann wäre der Bus aus der Ortsmitte draußen“, so Werner. Dieses Modell, das erklärte Ludwig Griener, sei aber bereits vor zwei Jahren auf große Gegenwehr der Berkacher gestoßen, weil die Rosenstraße für die Kinder „zu weit weg ist“. Auch hat die Stadt eine Weile lang ein mobiles Wartehäuschen aufgestellt, welches aber zu weit auf die Straße hinausragte.

„Es behindert die Sicht zur Straße. Wir können hier kein Wartehäuschen bauen. Wir werden aber eine Sitzbank aufstellen. Bei Regen müssen die Kinder dann eben einen Regenschirm verwenden“, erklärte Werner Bolach von der Ehinger Straßenverkehrsbehörde. Und Ludwig Griener ergänzte: „Die Grundstückssituation lässt es hier nicht zu, ein Wartehäuschen zu bauen.“

Um aber den Verkehr aus Berkach rauszubekommen, schlug Ludwig Griener vor, ganz Berkach in eine Zone 30 zu verwandeln. „Wenn wir die Geschwindigkeit von 50 auf 30 reduzieren, bringt das ein hohes Maß an Sicherheit mit sich. Natürlich müssen wir das dann auch kontrollieren“, sagte Griener. Deshalb habe die Stadtverwaltung diese Idee dem zuständigen Regierungspräsidium Tübingen vorgelegt und im Jahr 2018 grünes Licht für Tempo 30 in Berkach erhalten. „Die Genehmigung ist da, wenn wir wollen, können wir es umsetzen“, so Griener.

Nahverkehr dadurch in Gefahr?

Vehement dagegen protestierte Eckhard Werner, der den Nahverkehr und den Busfahrplan dadurch in Gefahr gebracht sieht. „Bei Tempo 30 in ganz Berkach können wir unsere Zeiten nicht mehr halten“, betonte Werner aus Sicht des Busunternehmens Bayer.

Die Berkacherin Daniela Oehrl ärgerte sich zudem darüber, dass es an dieser Stelle keinen Gehweg gebe, der für Sicherheit sorgen könne. Der Berkacher Hans-Peter Leicht machte deutlich, dass er eine 30er-Zone „für sinnvoll erachte“. „Das würde was bringen. Denn ein Hauptproblem hier ist auch der Verkehr aus dem Krokusweg und dem Industriegebiet Münsinger Straße Nord“, sagte Leicht. Ehingens Stadtbaumeister Andreas Erwerle gab in diesem Zusammenhang zu bedenken: „Wir können den Verkehr steuern, indem wir ihn unattraktiv machen. Das wäre mit Tempo 30 möglich.“

Als Ergebnis lässt die Stadtverwaltung nun zwei Varianten durch das Busunternehmen Bayer prüfen. Zum einen soll getestet werden, wie lange der Bus braucht, wenn lediglich der Peter-und-Paul-Weg bis zur Rosenstraße und inklusive der Allmendinger Straße Tempo 30 hat. Das wäre die kleine Lösung. Die große Lösung wäre Tempo 30 in ganz Berkach, inklusive der Rosenstraße. „Das wollen wir mit einem Ergebnis bis zu den Sommerferien testen“, machte Griener deutlich und betonte: „Wir können dann immer noch darüber nachdenken, den Nahverkehr ganz in die Rosenstraße zu verlegen“, so Griener.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen