So steht es um die Digitalisierung an Ehinger Schulen

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Auch für den Geometrieunterricht bietet ein digitales Whiteboard viele Möglichkeiten, wie Alexander Bochtler, Schulleiter der Re
Auch für den Geometrieunterricht bietet ein digitales Whiteboard viele Möglichkeiten, wie Alexander Bochtler, Schulleiter der Realschule Ehingen, demonstriert. (Foto: SZ- dtp)

Mit 1,5 Millionen Euro möchte die Stadt Ehingen in den kommenden drei Jahren die Digitalisierung an den Schulen vorantreiben. In den zurückliegenden Jahren hatte sie als Schulträger noch abgewartet, weil die Finanzierung durch Land und Bund unklar war. Auch derzeit diskutieren die Politiker in Berlin und in den Ländern über eine Finanzierung. „Das Land zumindest hat schon zugesagt, ab dem kommenden Jahr 50 Euro pro Schüler für die Digitalisierung bereitzustellen“, erklärt Bürgermeister Sebastian Wolf. Doch wie dringend ist der Handlungsbedarf vor Ort an den Schulen? Was kommt in der Zukunft auf sie zu?

„Wir haben auf Wunsch der Stadt einen Medienentwicklungsplan erstellt. Jetzt warten wir und hoffen, dass er bald umgesetzt werden kann“, sagt Dagmar Fuhr, Schulleiterin der Michel-Buck-Schule. Notwendig seien vor allem Geräte, mit denen die Schüler arbeiten können. Dazu zählen neue PCs wie auch Geräte zum Präsentieren, also Beamer und Dokumentenkameras. „Zwei, drei Medienwagen, die über solche Geräte verfügen, haben wir schon.“ Doch man brauche mehr davon, damit die Schüler auch mal spontan darauf zugreifen können. Auch die Grundschulklassen würden die Technik gerne nutzen.

Wir wären schon froh, wenn wir WLAN hätten, das haben wir derzeit noch nicht. Dagmar Fuhr, Schulleiterin der Michel-Buck-Schule

Und die Lehrer? Benötigen sie ebenfalls mehr technische Hilfsmittel? „Wir wären schon froh, wenn wir WLAN hätten, das haben wir derzeit noch nicht“, sagt Fuhr. Es gebe nur feste Anschlüsse, das Arbeiten beispielsweise mit Tablets sei deshalb noch gar nicht möglich. „Wir hoffen sehr auf die Umsetzung der Vorhaben, die die Stadt jetzt hat. Da freuen wir uns drauf.“

„Klar kann man sich wünschen, dass es schneller geht. Und klar hätte man früher anfangen können“, sagt Alexander Bochtler, Schulleiter der Ehinger Realschule. „Mir geht es aber nicht zu langsam, es läuft eigentlich ganz gut“, betont er. Derzeit würden WLAN-Hotspots in der Schule von einer Kollegin getestet. Und besonders in den Fachräumen sei man bisher gut ausgestattet gewesen – etwa mit digitalen Whiteboards und Dokumentenkameras. Auf die digitale Tafel kann der Lehrer mit einem Stift zeichnen, der eigentlich aussieht, wie ein etwas zu dick geratener Kuli. Die Tafelbilder lassen sich speichern oder auch ausdrucken. Über die Dokumentenkamera können Ergebnisse oder auch Entdeckungen vom Mikroskop direkt an die Wand geworfen werden.

Laptop nicht immer sinnvoll

„Im Unterricht ist nicht in jeder Situation ein Laptop oder PC notwendig“, betont Bochtler. Man müsse sich stets fragen, was man im Unterricht erreichen möchte und sich danach für eine Hardware-Lösung entscheiden. In der Vergangenheit habe man schnell mal einen Computer oder andere Hardware gekauft, doch dann seien diese nicht sonderlich genutzt worden, gibt er zu bedenken. Deshalb sei die Herausforderung, wenn man so viel Geld in die Hand nehme, dass auch etwas bei den Schülern ankomme.

Weil dabei viele Fragen zur Nutzung der Technik im Unterricht und zu Möglichkeiten für die Kollegen erst geklärt werden und Entscheidungen getroffen werden müssten, brauche so etwas auch seine Zeit. Reichen die Übertragungsraten aus, wenn alle Klassen gleichzeitig am interaktiven Whiteboard arbeiten und recherchieren? Wie wird es sein, wenn jeder Schüler ein Tablet nutzt, doch beim einen dieses Update noch geladen werden muss, beim anderen jenes? Auch müsste es zielführende Fortbildungen für die Lehrer geben, „sonst bringt es auch nichts“, sagt Bochtler.

Dass die einzelnen Lehrer selbst über keinen eigenen digital ausgestatteten Arbeitsplatz verfügen, sei ein Problem, das aber nicht die Stadt als Schulträger betreffe, sondern das Land.

Mehr Präsentationsmöglichkeiten

Max Weber, Rektor der Längenfeldschule, sieht seine Schule gut aufgestellt, sieht aber auch Bedarf für die Zukunft. „Wir sind seit 15 Jahren komplett vernetzt in allen Klassenzimmern“, erklärt er, es gebe WLAN im gesamten Haus, Computerräume und Laptops im Lernatelier. Doch was fehlt, sei die nötige Hardware für Präsentationen im Klasszimmer. „Die Sekundarstufe ist da weitestgehend gut aufgestellt und verfügt über Beamer. Da gibt es aber noch mehr Möglichkeiten“, erklärt Weber und betont: „Im Grundschulbereich muss da deutlich nachgeholt werden. Die letzten Jahre ging es nicht mehr richtig weiter.“ Auch einige PCs müssten ersetzt werden.

Um Erfahrungswerte zu sammeln, hat die Stadt in den vergangenen Jahren alle Klassen der Oberstufe im A-Bau des Johann-Vanotti-Gymnasiums mit Internet, PC, Beamer und Dokumentenkamera ausgestattet. „Wir sind da sehr gut aufgestellt“, sagt Schulleiter Tobias Sahm. Nun würden auch die anderen Räume ausgestattet.

Anfang kommenden Jahres, wenn die Medienentwicklungspläne der einzelnen Schulen eingegangen sind, werde man mit ihnen in einen Dialog treten, überlegen, was sinnvoll und was pädagogisch notwendig ist und erste Anschaffungen in Angriff nehmen, sagt Bürgermeister Sebastian Wolf. Sinnvoll sei eine einheitliche Lösung für die Schulen, aber natürlich werde man sehr individuell auf die einzelnen Schulen eingehen. „Ich gehe davon aus, dass wir auf jeden Fall einzelne Klassensätze Tablets anschaffen werden“, verrät er.

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