Simone Schulz liest im Ehinger Franziskanerkloster

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Simone Schulz hat aus ihrem Roman „Der blühende Richtpfahl zu Marchtal“ vorgelesen.
Simone Schulz hat aus ihrem Roman „Der blühende Richtpfahl zu Marchtal“ vorgelesen. (Foto: SZ- bracevac)
Claudia Bracevac

„Simone Schulz kam vor Jahren von Stuttgart nach Untermarchtal, wo sie sich mit ihrer Umgebung auseinandergesetzt hat“, sagt Volkshochschulleiter Peter Dunkl, der vergangenen Freitagabend die Lesung eröffnet. „Heraus kam ein 345-seitiger historischer Roman, der viel Recherchearbeit vorausgesetzt hat.“

Dann übernimmt die Autorin selbst das Wort und berichtet den rund 20 Besuchern, die es sich im Ernst-und-Anna-Rumler Saal des Franziskanerklosters gemütlich gemacht haben, zuerst aus verschiedenen Quellen über den historischen Hintergrund zum Thema Hexenverfolgung. Denn Dreh- und Angelpunkt ihrer Erzählung sind die letzten Hexenprozesse, die in den Jahren 1745 bis 1757 in der Marchtaler Umgebung stattgefunden haben. Dabei stellt Simone Schulz, die nicht nur schreibt, sondern auch als Künstlerin arbeitet, einige Bücher vor, die sie während der Recherchearbeit studiert hat. Darunter beispielsweise das Werk „Die Sterne dort unten“ des Afrikaners Ken Saro-Wiwa, der 1996 für den Friedensnobelpreis nominiert wurde. Anschließend liest sie einige Szenen aus ihrem Roman vor, dessen Umschlag ein von ihr gemaltes Kunstwerk ziert.

Getragen wird die Geschichte von den unterschiedlichsten Charakteren. Das Waisenkind Sophia Sellnerin wächst bei der heilkundigen Hebamme Käthe Schusterin auf und verliebt sich schon bald in den reichen Bauernsohn Ludwig Brugger. Dieser gerät wenig später in einen Zwiespalt, als Sophia von den Dorfbewohnern der Hexerei bezichtigt wird und ihn vor die Frage stellt, ob er seinem Weib oder seinem Dorf treu bleiben soll.

Tatsächlich wurden in Obermarchtal in der damaligen Zeit sieben Frauen im Rahmen der Hexenverfolgung verurteilt. „Man wird nicht als Hexe geboren“, sagt Simone Schulz. „Man wird zur Hexe gemacht. Denn oft“, so berichtet sie weiter, „ging das Verfolgungsbegehren dabei vom Volk aus“. Erst als die Gerichtsbarkeit zentralisiert wurde, sei es zunehmend schwieriger geworden, die beschuldigten Frauen zu verurteilen, weshalb später rund zwei Drittel der Angeklagten freigesprochen wurden. Wie es der Protagonistin Sophia schließlich erging, erfährt man natürlich am Ende der Geschichte, an der Simone Schulz rund zehn Jahre lang gearbeitet hat. „Manches ist fiktiv“, sagt die Autorin über ihr Buch. „Es ging mir um die Annäherung an das damalige Lebensverhalten“. Auch wenn Simone Schulz beim Schreiben ihres Romans in eine Geschichte aus längst vergangener Zeit eingetaucht ist, so ist das Thema, dem sie sich gewidmet hat, auch heute noch aktuell. Tatsächlich wird die Hexenjagd noch immer in einigen afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Teilen der Welt gemacht.

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