Seit 50 Jahren stehen Frauen am Altar und auf der Kanzel

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Eine Frau als Pfarrerin (hier Susanne Richter aus Ehingen) ist in der evangelischen Kirche längst keine Ausnahme mehr.
Eine Frau als Pfarrerin (hier Susanne Richter aus Ehingen) ist in der evangelischen Kirche längst keine Ausnahme mehr. (Foto: Fsz- kö)

„Grüß Gott, Frau Pfarrerin“ ist heutzutage in vielen evangelischen Gemeinden zu hören und selbstverständlich. Im Kirchenbezirk Blaubeuren sind neun Pfarrstellen von 22 mit Pfarrerinnen besetzt. Doch das war nicht immer so, erst seit 50 Jahren ist es evangelischen Theologinnen erlaubt, eine eigene Gemeinde zu leiten. Das wollen die Pfarrerinnen aus der Region, Susanne Richter und Margot Lenz aus Ehingen, Anneliese Suur aus Blaustein, Eva Knobloch aus Ulm, Silvia Schmelzer aus Blaubeuren, Rahel Kießecker aus Asch, Suppingen und Sonderbuch sowie Susanne Vetter, Altenheimseelsorgerin für Ulm und Schelklingen, in einem Festgottesdienst mit Abendmahl für Frauen und Männer sowie Kinder am 22. Juli, 17 Uhr, in der evangelischen Stadtkirche feiern, erklärte Susanne Richter. Nach dem Festgottesdienst trifft man sich im Jugendheim zum gegenseitigen Austausch.

Dieser Festgottesdienst steht unter dem abgewandelten Pauluswort aus dem Korintherbrief „das Weib steige in der Gemeinde“, bei Paulus hieß das noch „schweige in der Gemeinde“.

Es war ein langer Weg, bis 1968 eine Neufassung der Theologenverordnung verabschiedet werden konnte. Darin steht, dass der Dienst von Theologen und Theologinnen als gleichwertig anzusehen ist. Das Gleichstellungsgesetz der Bundesrepublik von 1958 stellte auf bürgerlichem Boden die Weichen für die Entwicklung im kirchlichen Bereich.

Schon 1932 hatte man Frauen zur zweiten Kirchlichen Dienstprüfung zugelassen, sie aber nicht ordiniert, das hieß, sie durften keine eigene Gemeinde leiten. Ab 1938 wurde in der Pfarrgehilfinnenverordnung das Beschäftigungsverhältnis der Pfarrerinnen im Pfarramt geregelt. Es gab 1939 15 Theologinnen in der Württembergischen Landeskirche, sie hatten ein minimales Gehalt, keine Sozialversicherung und mussten zölibatär leben – 400 Jahre nachdem Luther den Zölibat als gegen die Ordnung Gottes verstoßend abgeschafft hatte. Im zweiten Weltkrieg gab es einen gehörigen Pfarrermangel, die Kirchenleitung musste Pfarrerinnen predigen lassen, was vielerorts schon aus der Not heraus praktiziert wurde. Eine Pfarrerin der ersten Stunde, Leonore Volz, hat mal berichtet: „Es gab Zeiten, da habe ich bis zu 24 Gottesdienst im Monat gehalten“. Heute, schätzt Susanne Richter, sei das Verhältnis Männer zu Frauen 60:40 in der Landeskirche. Selbstverständlich dürfen Frauen wie Männer verheiratet sein und Kinder haben, manche Pfarrerehepaare teilen sich eine Pfarrstelle. Im Konvent Evangelischer Theologinnen in Württemberg sind die Pfarrerinnen vernetzt.

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