„Schwätzet, wie eich d‘Gosch gwachsa isch!“

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Leiter Lokalredaktion Ehingen
Klaus Wieschemeyer
Redakteur

Die Sorge von Ehingens Dialektforscher Hermann Wax um den schwäbischen Dialekt (die SZ berichtete) zieht Kreise. Im Internet überschlagen sich die Kommentare zu diesem Thema. Auch Ehingens Bürger beteiligen sich rege an der Diskussion um die Zukunft ihres Dialekts.

Dabei werden die Nicht-Schwaben in Ehingen mehr: Allein seit Januar 2010 sind nach Angaben der Stadt 120 Menschen aus anderen Bundesländern nach Ehingen gezogen. „Die Zuzüge kommen hauptsächlich aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen“, sagt Stadtsprecherin Bettina Gihr. Die Mitarbeiter des Bürgerbüros seien angewiesen, „mit den Schwaben schwäbisch und mit den Hochdeutschen hochdeutsch zu sprechen“, so Gihr.

Auch in der Schule sollen Schwaben und Nichtschwaben gleichermaßen verstehen, sagt Schulamtsleiter Wolfgang Mäder. „Im Grundsatz gilt Deutsch als Unterrichtsprinzip“, so Mäder. Allerdings sei Dialekt im Unterricht nicht nur geduldet, sondern erwünscht – zumindest so lange er verstehbar bleibt. Auf den Lehrplan schafft es Schwäbisch trotzdem nicht – für AGs nach Schulschluss sei man aber offen.

Keine Benachteiligung im Job

Eine Benachteilung schwäbisch sprechender Bewerber im Beruf kann Petra Cravaack, Chefin der Agentur für Arbeit in Ulm, nicht ausmachen. Den Beratern sei kein Fall bekannt, in dem jemand wegen seines Dialekts eine Stelle nicht bekommen habe. Im Gegenteil: „Manchmal kann es von Nachteil sein, wenn jemand in der Region kein Schwäbisch spricht, beispielsweise bei Handwerksbetrieben mit viel Kundenkontakt“, sagt Cravaack. Natürlich könne es hierzulande für Nichtschwaben und anderswo für Schwaben sprachliche Anfangsprobleme geben. Zum Beispiel, wenn jemand auf der Baustelle „Heb fest!“ verlangt. Anders als beispielsweise Plattdeutsch wird Schwäbisch vom Amt nicht als Qualifikation gewertet.

Bei einer SZ-Umfrage sprechen sich die Bürger für ein Nebeneinander von Hochdeutsch und Schwäbisch aus:

Hans-Dieter Wetzel, 58, aus Hütten, plädiert für beides: „Man sollte sich in Schriftdeutsch ausdrücken. In geselliger Runde kann man den schwäbischen Dialekt natürlich weiterpflegen. Die schwäbische Mundart sollte beibehalten werden. Das Schwäbische ist nicht aus der Mode gekommen, seinen Dialekt sollte man nicht verleugnen“. Seine Kinder wurden sowohl Hochdeutsch als auch Schwäbisch erzogen.

Wolfgang Gentner, 60, und Roswitha Dicknöther, 57, aus Blaustein, glauben nicht ans Aussterben des Schwäbischen: „Dialekte sind nicht altmodisch. Das Schwäbische ist Teil unserer Identität und Ausdruckweise. Pluralismus ist sehr wichtig, in der Vielfalt liegen Entwicklungschancen.“ Auch sie machen sich keine Sorgen um den Erhalt des Schwäbischen. „Unser Dialekt wird lange erhalten bleiben.“

„Ich bin waschechter Schwabe“, sagt Christian Bauernfreund (32) aus Munderkingen. „Bei uns zu Hause wird grundsätzlich schwäbisch gesprochen. Der Dialekt gehört einfach dazu, auch wenn das Schwäbische unter Jugendlichen zunehmend als „uncool“ gilt“. Der frischgebackene Vater will seinen Sprössling natürlich schwäbisch erziehen.

„Dialekte sind toll“, sagt Claudia Braig (40) aus Allmendingen. „Ich erziehe meine Kinder auf Hochdeutsch und Schwäbisch. Der Dialekt erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Ich habe keine Angst um die Zukunft des Schwäbischen.“

Tobias Reich, 22, Schwabe aus Mittelbiberach, sagt: „Es ist wichtig, den Dialekt beizubehalten. Man darf seine Wurzeln nicht verleugnen.“ Auch er glaubt nicht ans Ausbluten des Dialekts: „Das Schwäbische ist nicht vom Aussterben bedroht.“

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