Schulleiter verabschiedet sich nach mehr als 30 Jahren

Lesedauer: 7 Min
Karl Wurst-Bühler hat die Schmiechtalschule maßgeblich geprägt. Nun geht er in Ruhestand.
Karl Wurst-Bühler hat die Schmiechtalschule maßgeblich geprägt. Nun geht er in Ruhestand. (Foto: SZ- dtp)

Nach 33 Jahren nimmt Schulleiter Karl Wurst-Bühler Abschied von der Schmiechtalschule. Nach dem Ende dieses Schuljahres geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Durch Zufall und Neugier hatte er nach seinem Abitur den Weg in die Arbeit mit Menschen mit Behinderung gefunden. Als er 1985 die Stelle an der Schmiechtalschule angetreten hat, habe er sich vorgenommen, die Inklusion voranzutreiben, erzählt er.

„Meine Zielsetzung war, die Schule salonfähig zu machen, als Schule präsent zu sein“, sagt Wurst-Bühler. „Dass die Schule Teil des Ganzen ist, dass man sich zeigt, bleibt auch weiterhin das Wichtigste.“ Früh seien Partnerschaften mit anderen Schulen in der Umgebung geknüpft worden, angefangen habe es mit der Michel-Buck-Schule. Nicht alle Formen der Zusammenarbeit hätten toll geklappt, sagt der Schulleiter. „Wir haben viele Kompromisse gemacht, auch faule.“ Diese Zeit sei jetzt vorbei: Inklusion ist als Vorhaben in der Gesellschaft angekommen. „Durch die ganze gesellschaftliche Veränderung können wir jetzt auch selbst formulieren, was wir uns vorstellen und Bedingungen setzen“, erklärt er.

Erfolg durch Kooperationen

Sehr viel sei an der Schmiechtalschule in den vergangenen Jahren durch kooperative Maßnahmen geschafft worden: „Derzeit wird es aber weniger“, sagt Wurst-Bühler. In diesem Jahr gebe es immerhin noch eine Außenklasse, im nächsten Schuljahr sogar gar keine mehr. Die Zusammenarbeit mit der Konvikt-Schule habe gut funktioniert, betont er. Fünf bis sieben Schmiechtalschüler haben Unterricht in der Grundschule im alten Konvikt, Kollegen der Schmiechtalschule kümmern sich um sie, was natürlich einen Mehraufwand bedeutet. Die Schüler, egal ob mit oder ohne Behinderung, haben einen gemeinsamen Schulalltag und werden so viel wie möglich gemeinsam unterrichtet. Ein aktuelles Problem: die Größe der Regelklassen. „Es sollten nicht mehr als 22 Schüler in einer Klasse sein, sonst geht es einfach nicht mehr“, sagt Wurst-Bühler. Neben den Außenklassen gibt es weitere Kooperationsformen: zum Beispiel den Schulchor und die Theater AG mit der Grundschule im alten Konvikt. „Wir sind zurzeit auch dabei, ein gemeinsames Konzept zur Waldpädagogik zu planen“, so der Schulleiter.

„Ich begrüße die ganze Entwicklung der Inklusion“, sagt er. „Ich bin ein großer Befürworter der Idee.“ Dass es derzeit allerdings in die falsche Richtung gehe, das habe viele Gründe. „So wie ist es jetzt ist, kriegen wir es jedenfalls nicht hin“, erklärt er, wobei er betont: „Das ist ein wahnsinnig schwieriges Kapitel, das man nicht nur mit Geld lösen kann.“ Frustriert sei er deshalb nicht: „Ich bin ein optimistischer Mensch“, erklärt er. Und auch ein Stück weit realistisch: „Wir sind keine inklusive Gesellschaft“, sagt Wurst-Bühler. „Aber Inklusion als Utopie im Kopf zu haben, ist doch klasse.“

Nach dem Abi habe er, wie so Viele, nicht gewusst, was tun, erzählt er. Dann habe er Zivildienst geleistet – an einer Schule in Reutlingen für Kinder mit geistiger Behinderung. Schließlich habe er auch Sonderpädagogik studiert, erzählt er. Dann kam das Angebot der Schmiechtalschule, die damals noch ihren Standort in Weilersteußlingen hatte. „Ich wusste gar nicht, wo das liegt“, sagt Wurst-Bühler, der ursprünglich aus Künzelsau im Hohenlohekreis kommt. Damals sei es als Sonderpädagoge – anders als heute – noch schwierig gewesen, eine Stelle zu kriegen. Weil die damalige Schulleiterin der Schmiechtalschule dann gleich in Mutterschutz gegangen sei, war Wurst-Bühler sofort in Leitungsfunktion. „Eigentlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, Schulleiter zu werden“, sagt er heute.

Isoliert im Grünen

„Die erste Aufgabe war die Erweiterung der Schule“, erinnert er sich. An der jetzigen Stelle sei nur der Kindergarten gewesen, jetzt sollte die Schule von Weilersteußlingen mit an den Standort gelegt werden. Damals sei die Schule – wie viele andere heilpädagogische Einrichtungen – isoliert, mitten im Grünen gestanden. „Hier ist damals kein Auto vorbeigefahren“, erinnert sich der Schulleiter. Heute wächst die Schule weiter, wird abermals erweitert, in Laichingen wurde vor drei Jahren zudem eine Außenstelle eingerichtet. 107 Schüler mit körperlicher und geistiger Behinderung besuchen die Schule in Ehingen, 48 Lehrer und sechs Bundesfreiwillige gibt es.

Er sei dankbar für eine tolle Zeit an der Schmiechtalschule, in der er viel lernen durfte, sagt der scheidende Schulleiter. Unbedarft sei er vor rund 30 Jahren hierhergekommen – ein Vorteil, denn so habe jeder Verständnis gehabt. Er sei den Kollegen dankbar, wie auch dem Förderverein, der die Schule unterstützt. Was er im Ruhestand vorhat, wisse er noch nicht, sagt Wurst-Bühler. „Ich habe keine Pläne. Es wird schon irgendwie weitergehen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen