Schlecker-Reste unterm Hammer

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Regine Reibling

„Ein Akkubohrer von Bosch: Erstgebot 10 Euro“, schallt es aus dem Lautsprecher in einer der Hallen im Schlecker-Zentrallager in Ehingen (Alb-Donau-Kreis). Nach dem Motto „alles muss raus“ lässt die Hamburger Firma HT Hanseatische Industrie-Consult im Auftrag des Schlecker-Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz Teile des Inventars der Pleite gegangenen Drogeriemarktkette versteigern.

Darunter befinden sich benutzte Bohrmaschinen, Alu-Leitern, Schweißgeräte und Hochregallager. Mehrere Hundert Menschen – im wesentlichen Geschäftsmänner, Handwerker, aber auch Schaulustige – sind nach Ehingen gekommen, auch aus Ravensburg und Sigmaringen, um für ihre Betriebe gebrauchte Werkzeuge und Geräte zu ersteigern.

Bieterkarten schnellen in die Luft. 20, 40 Euro. „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“: Der Akkubohrer ist versteigert.

„Wir haben gezielt den Katalog durchforstet, sagt ein Geschäftsmann aus Sigmaringen, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Für uns sind vor allem die Palettenregale interessant. Ich denke aber, die guten Sachen sind schon weg, es ist eine Art Resteverwertung.“

Kein hoher Erlös erwartet

Die Einnahmen aus der Versteigerung fließen in die Insolvenzmasse. Die Hanseatische Industrie-Consult will sich zur genauen Höhe des Erlöses zwar nicht äußern, viel werde es aber nicht sein. „Wichtig ist, dass die Hallen leer werden und verkauft werden können. Das ist das Ziel“, erklärt Schlecker-Sprecher Patrick Hacker von der Agentur Komm-Passion.

Im Januar hatte die Drogeriemarktkette Schlecker Insolvenz angemeldet. Als Folge verloren bundesweit rund 25.000 Mitarbeiter ihren Job. Im Sommer schlossen die letzten Filialen. Die Immobilien, darunter die Schlecker-Zentrale in Ehingen, sollen verkauft werden. Einen Käufer gibt es Patrick Hacker zufolge aber noch nicht.

1000 Gegenstände verkauft

Bei der Insolvenzversteigerung kamen 1000 Posten unter den Hammer. Diese konnten bereits am Dienstag und Mittwochfrüh vor der Versteigerung begutachtet werden: Bohrmaschinen, kistenweise Büromaterial, Pinsel oder auch alte Einkaufswagen lagern in den alten Hallen wie auf riesigen Wühltischen. Es handele sich ausschließlich um Bestände aus dem Zentrallager in Berg, aus der Metallwerkstatt, der Holzverarbeitung, der Kfz-Werkstatt und aus dem Lager, erläutert Holger Haun von der Versteigerungsfirma. Das Inventar der Zentrale sei noch unangetastet. Daher geht Haun davon aus, dass es weitere Versteigerungen geben wird. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.

 

Blitzlichtgewitter im Schlecker-Zentrallager: Nicht nur das Interesse der Bietenden, auch das an dieser ersten Schlecker-Versteigerung war gewaltig. Das hat auch Schlecker-Sprecher Patrick Hacker überrascht. Neben vielen Nachrichtenagenturen und Fotografen waren auch Kollegen vom Tagesspiegel aus Berlin und der Financial Times Deutschland (FTD) aus Hamburg angereist. „Es ist einer meiner letzten Termine“, sagt der Wirtschaftsjournalist der FTD, die, wie berichtet, eingestellt werden soll.

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