Roter Teppich ergießt sich von der Galerie zur Schmiech

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An Mahnmal der Verschwendung ist die Kunst von Elke Joos.
An Mahnmal der Verschwendung ist die Kunst von Elke Joos. (Foto: SZ- kö)

Ein immer breiter werdender Teppich aus roten Textilien schien am Sonntag vom Fenster in der Galerie bis hinunter fast zur Schmiech zu fließen. Mit einer Sammlung von roten Kleidern hatte Elke Joos in der Ausstellung „Rot“ im Frühjahr einen ganzen Raum in der Galerie gestaltet. Mit der eigentlich für den Kirbe Sonntag geplanten und wegen des Regens da ausgefallenen Aktion wollte Elke Joos die gebrauchten ausrangierten Kleidungsstücke nochmal zu Ehren kommen lassen.

In allen Rottönen von Dunkelviolett über Orange bis zu schrillem Pink quollen die T-Shirts, Polohemden, Hosen, Kleider, Tücher, Servietten und Bettlaken aus dem Fenster des Speth’schen Hofes auf die Wiese darunter. Elke Joos, Volker Sonntag, Anne Linder und ihre Helfer waren bemüht, keinen grünen Grashalm durchschimmern zu lassen. Der Strom, der unter dem Fenster noch aneinander gebundenen Stücke wurde nach unten immer breiter und fransig wollte Sonntag ihn auslaufen lassen. „Das Projekt soll die Leute anregen, über ihr Kauf- und Konsumverhalten nachzudenken. Rot dient hier als Signalfarbe, die direkt ins Auge sticht und Stopp sagt zu unserem verschwenderischen Umgang mit Kleidern“, sagte Elke Joos. Die aus der Galerie herausquellende Kleidung soll ein Symbol sein für die übervollen Kleiderschränke mit Kleidern, die kaum getragen und nicht gebraucht werden. Was nach der Aktion bei der Galerie mit den vielen roten Textilien geschieht, war nicht ganz entschieden. Einige der Helfer plädierten dafür, dass Betrachter sich etwas mitnehmen sollten, einige Stücke wollte Elke Joos für weitere Kunstwerke behalten, andere sollten in die Kleidersammlung.

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