Rolf Waldvogel stellt schönste Sprachplaudereien vor

Lesedauer: 4 Min
Zwei Sprachforscher unter sich Rolf Waldvogel im Gespräch mit Hermann Wax.
Zwei Sprachforscher unter sich Rolf Waldvogel im Gespräch mit Hermann Wax. (Foto: Sz- kö)
Barbara Körner

Viele Leser der Schwäbischen Zeitung freuen sich jeden Freitag auf die Sprachplaudereien von Rolf Waldvogel. Der frühere Kulturchef der Zeitung hat nun zum zweiten Mal 80 seiner schönsten Sprachplaudereien, wie er sie nennt, zu einem Buch zusammen gefasst mit dem Titel „des Pudels Kern“.

Aus diesem Buch hat Waldvogel jetzt im Franziskaner gelesen und dabei viele Anekdoten erzählt. Er werde oft gefragt, ob ihm der Stoff nicht ausgehe. „In den Medien werden einem die Themen förmlich serviert. Man muss als Journalist immer neugierig sein, aber auch fit in der Sprache. Und Anregungen aus der Leserschaft zeigen, dass die Leute Interesse an der Sprache haben“, sagte Waldvogel dazu.

Zudem ergänzte er: „Ich sehe meine Sprache einem Zangengriff ausgesetzt. Durch Simsen und Twittern ändert sich die Schriftsprache. Die Halbwertzeit wird immer kürzer.“ Menschen, so Waldvogel, würden zum Schludern in der Sprache eingeladen. Anglizismen bringen den studierten Anglisten auf die Palme, da sei viel Wichtigtuerei und Dummheit dabei, grammatikalische Sicherheit und sprachliche Eleganz leiden. Menschen wissen oft nicht, was sie auf Englisch lesen. Nachdem sie auf einer Biker-Jacke mal „Bad Seven“ gesehen hatte, fragte eine Kollegin, „wo liegt eigentlich Bad Seven?“, berichtet der Journalist. Bei einer „Backbone Wahlparty“ habe ein Bäuerle ganz arglos gefragt, was Backbohnen seien, er kenne nur Backerbsen, so Waldvogel weiter. „Night2day“ war mal auf einem Prospekt für Schlafanzüge gedruckt, was sich dem Empfänger auch nicht gleich erschloss. Und bei „Pockettaschentücher ginge einem ja wohl das Messer im Sack auf, fand Waldvogel.

„Das Wort Gesocks hat Hochkonjunktur, es rührt her von auf die Socken machen, herumstreunen. Gesocks an allen Fronten, das Gesocks aus dem Orient, das braune Gesocks, Hauptsache man schreibt mit Schaum vor dem Mund. Das Verletzungspotential bei dem Wort Gesocks ist ungeheuer“, fand der Sprach-Kolumnist.

Skurril finde Waldvogel oft Todesanzeigen „vom Acker in die Ewigkeit“, „ich habe es geschafft“ bis „ich bin dann mal weg“ ist da zu lesen. Redensarten seien ebenfalls eine wunderbare Quelle für Waldvogels Sprachplaudereien. „Wie Ziethen aus dem Busch“ bezieht sich auf einen General Friedrich des Großen, der immer in größter Not plötzlich zur Stelle war. Die Schreibweise des Wortes „Breschtling“ könne unter Schwaben und Alemannen Blutfehden auslösen, Waldvogel hatte eine Liste mit 20 Variationen parat.

Der Titel des Buches rühre übrigens aus dem „Faust“ von Goethe, verbarg sich dort doch im Pudel des Faust der Teufel, soll heißen, dass in vielen Dingen ganz etwas anderes steckt, als man auf den ersten Blick sieht.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen