Ribe-Esbjerg HH: Spannendes Projekt im dänischen Handball

Lesedauer: 7 Min

Die SG zu verlassen, fällt mir natürlich alles andere als leicht“ – erst recht, wenn man als deutscher Meister geht. Doch Jacob
Die SG zu verlassen, fällt mir natürlich alles andere als leicht“ – erst recht, wenn man als deutscher Meister geht. Doch Jacob Heinl, der schon als Jugendlicher für Flensburg-Handewitt gespielt hatte, sucht beim aufstrebenden dänischen Erstligisten Ribe-Esbjerg eine neue Herausforderung. (Foto: Imago)

Alle Informationen zum Sparkassen-Cup am Wochenende 11./12. August in der Ehinger Längenfeldhalle gibt es im Internet auf www.sparkasse-ulm-cup.de

Unter den vier Mannschaften beim Sparkassen-Cup 2018 in Ehingen ist ein Premierengast: Ribe-Esbjerg HH aus Dänemark mischt in der seit 1987 andauernden Geschichte des internationalen Handballturniers in der Längenfeldhalle zum ersten Mal mit. Der Verein hat außerhalb seines Landes bisher nicht von sich reden gemacht, doch das könnte sich ändern. Andreas Wax, Sportlicher Leiter des Turnierveranstalters Ehinger Verein zur Förderung des Handballsport (EVH) und zuständig für das Teilnehmerfeld, spricht von einem spannenden Projekt beim aufstrebenden Erstligisten aus Jütland.

Als es um die Mannschaften für den Sparkassen-Cup 2018 ging, hatte Wax Ribe-Esbjerg HH ursprünglich nicht auf dem Zettel – obwohl Vereine aus dem großen Handballland Dänemark in der Vergangenheit schon in Ehingen spielten: Kopenhagen (2007, 2008, 2009, 2011), Kolding IF (2003), IK Sävehof (2005). Ribe-Esbjerg tauchte in der Liste bislang nicht auf. Und dabei wäre es wohl auch geblieben, hätte der Verein nicht Lars Walther als Trainer und Nachfolger des früheren Melsungers Ryan Zinglersen verpflichtet. Walther, 52 Jahre alt und Däne, war in der Vergangenheit schon mit mehreren Vereinen in der Längenfeldhalle und ist dem Turnier sehr verbunden.

Zunächst Porto im Visier

In der vergangenen Saison trainierte Lars Walther noch den portugiesischen Erstligisten FC Porto, den Wax zunächst im Visier hatte. Auch Porto war noch nie in Ehingen; es ist ein Verein mit einem klingenden Namen in Europa, wenngleich in erster Linie bekannt durch die Fußballer. „Mal den FC Porto zu holen, das fanden wir reizvoll“, sagt der Sportliche Leiter des EVFH. Als klar war, dass sich die Wege der Portugiesen und ihres dänischen Trainers trennen würden und sich abzeichnete, was hinter dem Projekt Ribe-Esbjerg steckt, orientierten sich die Cup-Organisatoren neu. Der Verein sei in der dänischen Liga bisher Mittelmaß, „aber das Projekt steht am Anfang und der Verein dürfte in den nächsten Jahren ganz oben zu finden sein“, sagt Wax. In Dänemark, aber womöglich auch in Europa. Dank der Investoren, die Geld in den Verein stecken, sich aber im Hintergrund halten.

Um voranzukommen, krempelte Ribe-Esbjerg den Kader kräftig um. Nicht weniger als neun Profis verließen nach der vergangenen Saison den Verein, zehn neue wurden engagiert – wobei weitere Veränderungen nicht auszuschließen sind. „So weit ich weiß, ist der Kader nicht komplett und man bastelt weiter an der Mannschaft“, sagt Andreas Wax.

Von den neun Zugängen spielten vier zuletzt in Deutschland: der Däne Kasper Kvist (HSG Wetzlar), der Isländer Runar Karason (TSV Hannover-Burgdorf), der Norweger Simen Schønningsen (HBW Balingen-Weilstetten) und Jacob Heinl, der in Flensburg aufwuchs, schon als Achtjähriger in der Jugend der SG Flensburg-Handewitt gespielt und 2007 sein Debüt im Bundesliga-Team gegeben hatte. „Die SG zu verlassen, fällt mir natürlich alles andere als leicht“, sagte der Kreisläufer zum Abschluss seiner Flensburger Zeit, die mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft gekrönt war. Aber im Alter von 31 Jahren wolle er als Spieler noch mindestens einen anderen Verein kennenlernen. „Ich fühle mich fit und freue mich auf die neue sportliche Herausforderung in einem neuen Umfeld“, so der 28-malige deutsche Nationalspieler, der mit Flensburg-Handewitt neben der deutschen Meisterschaft auch den DHB-Pokal (2015), den Europapokal der Pokalsieger (2012) und die Champions League (2014) gewann.

Aus den vielen neuen Spielern soll Lars Walther eine Einheit formen. Der Vorsitzende von Ribe-Esbjerg, Sune Agerschou, verriet, warum man sich für Walther entschied, der letztmals von 2002 bis 2004 in seiner Heimat Trainer war (in Roskilde) und danach in Europa weit herumkam. „Lars ist es gewohnt, in Vereinen mit einem großen Spielerwechsel und großen Ambitionen zu arbeiten. Er hat das an vielen Orten gut gemacht“, sagte Agerschou, früherer Champions-League-Sieger mit Magdeburg, dem Internetportal Handballworld.com. Der Verein hatte einige Kandidaten im Blick, „aber nach dem ersten Treffen mit Lars Walther hatten wir keine Zweifel: Er ist der Mann“.

Was sich im Südwesten Jütlands entwickelt bei dem Klub, der 1973 gegründet wurde und erst seit 2008 auf Profihandball setzt, fasziniert nicht nur den Trainer Lars Walther, der deshalb in sein Heimatland zurückkehrte. Auch in Ehingen freut man sich auf den Auftritt des dänischen Erstligisten. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass ein Verein dabei ist, dessen Bekanntheitsgrad national und vor allem international überschaubar ist. Andreas Wax erinnert an Kopenhagen, an die Füchse Berlin, die kurz nach dem Aufstieg in die Bundesliga in Ehingen antraten und inzwischen zu den besten Teams nicht nur in Deutschland zählen. Und nicht zuletzt den HBC Nantes, der vor wenigen Jahren ebenfalls noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt war und vor wenigen Monaten im Champions-League-Finale stand.

Vielleicht steht auch Ribe-Esbjerg Herre Håndbold am Anfang einer Entwicklung, die den Verein eines Tages in die europäische Spitze führt.

Alle Informationen zum Sparkassen-Cup am Wochenende 11./12. August in der Ehinger Längenfeldhalle gibt es im Internet auf www.sparkasse-ulm-cup.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen