Pommfritz als schmackhafte Beilage

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Als Frontmann brachte Stefan Reisacher das volle Festzelt mit urigem Gesang und deftigen Sprüchen in Stimmung.
Als Frontmann brachte Stefan Reisacher das volle Festzelt mit urigem Gesang und deftigen Sprüchen in Stimmung. (Foto: SZ- kurt efinger)
Kurt Efinger

Wenn der Ulrichsfestsonntag zu Ende geht, ist im voll besetzten Zelt traditionell die oberschwäbische Band Pommfritz aus Ochsenhausen angesagt. So war es auch vor zwei Tagen bei optimaler Temperatur ein Vergnügen, sich von der durchweg heiteren Stimmung des Spaßquintetts anstecken zu lassen.

Der Definition von frittierten und ursprünglich in Belgien verbreiteten länglichen Stäbchen aus Kartoffeln entsprechen die fünf sprachlich leicht „eingeschmodderten“ Pommfritz nicht gerade. In reichlich Schmalz ausgebacken stellen sie indes eine äußerst schmackhafte Beigabe zum süffigen Bier der Bergbrauerei dar. Beides lässt sich – auf einen größeren Zeitraum verteilt – anscheinend auch in namhaften Mengen ohne Verdauungsbeschwerden konsumieren.

„I kenndd koddsa vor Fraid, i kenndd heina vor Gligg“, lautete wie schon die Jahre zuvor ein Songtext, zu dessen ungeniertem Mitsingen Stefan Reisacher das dem derben Schwäbisch keineswegs abholde Publikum animierte. Die Freude war ganz allerseits bis in die hinterste Ecke des Festzelts, als sich das Gegenteil von Essen lustbetont – aber nur verbal – aus vollem Hals ergoss. „Freude, schöner Götterfunken“, hatte Friedrich Schiller dieses hehre Gefühl in dezenter Untertreibung und „feuertrunken“ einst formuliert.

„Do hoissd’s ällaweil, de Jonge soufed nix“, kommentierte der um keinen frivolen Spruch verlegene Frontmann angesichts der finalen Durstlöschung von Gästen, die er schon beim Frühschoppen mit dem Musikverein Kirchbierlingen nicht zu Unrecht aktiv wähnte. „O Marie, dich vergess’ ich nie, nur ein Kuss, dann war Schluss“, tönte es in verständlichem Hochdeutsch aus schwäbischem Mund in Erinnerung an eine französische Dame jüngeren Alters. „Sie war 16 und gar nicht ohne“, ging es in die Details mit einem hier anstandshalber nicht vollständig wiedergebbaren Reim.

„Wo sind die Hände?“, lautete eine mehrfach wiederholte Frage mit der unverhohlenen Aufforderung, die oberen Extremitäten zur Stimmungserhöhnung in die Luft zu recken. Einem solchen Zwischenappell folgte ein Protestsong. So etwas können die Pommfritz bei aller Lebensfreude auch. Schließlich entstanden sie vor 36 Jahren in einer Zeit, als so etwas modern war. „Berlin, Berlin, wir fahren nie em Leaba noch Berlin“, reagierten sie auf die Tatsache, dass einige Berliner „eis Schwoba“ nicht leiden können. „Berliner Weiße“ reimte sich unbeschreibbar anrüchig und fäkalisch zu Ende.

Der kleinen Besetzung des Musikvereins Dächingen bescheinigte Reisacher, im Zelt schon vor dem Pommfritz-Auftritt eine „supergeile Stimmung“ hervorgebracht zu haben. Das bestrittt niemand.

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