Polizist klärt Eltern über Gefahren im Internet auf

Lesedauer: 5 Min
Oberkommissar Marc Layer und Schulleiter Max Weber.
Oberkommissar Marc Layer und Schulleiter Max Weber. (Foto: somm)
Elisabeth Sommer
Freie Mitarbeiterin

„Gehen Sie nach dem Vortrag nicht nach Hause und reißen Sie ihrem Kind das Smartphone aus den Händen.“ Mit dieser Warnung eröffnete Oberkommissar Marc Layer vom Polizeipräsidium Ulm den Elterninformationsabend an der Längenfeldschule. Es ging um Gefahren im Internet und Mobbing via Internet. Auch Mutproben laufen heutzutage über das Internet ab, indem Videos mit ekelhaftem Inhalt versendet werden und der Absender beim Mitschüler die Reaktion auskosten möchte.

Oberkommissar Layer hat an der Längenfeldschule die Siebtklässler im Unterricht besucht und über Risiken, Rechte und Pflichten informiert. Die Schüler erfuhren, dass sie ein Recht an ihrem eigenen Bild haben und eine Veröffentlichung jederzeit verbieten können. Eltern dürfen bis zur Volljährigkeit die Veröffentlichung von Fotos untersagen, deren negative Tragweite Kinder nicht abschätzen können. Das schließt einfache Fotos, wie Selfies, aus. Die Schüler wissen jetzt auch, dass die Veröffentlichung von urheberrechtlich geschützten Fotos auf Internetplattformen einen Verstoß darstellt. Der Referent ging mit Eltern den Unterrichtsstoff durch, „damit Sie auf Gespräche vorbereitet sind“.

Problem: Hinrichtungsvideos

Es ging neben dem Urheberrecht um Gewaltdarstellungen, Pornografie, Psycho- und sogenannte Ballerspiele. Während der Referent, der als Jugendlicher auch Schießspiele mochte und zu dessen Berufskleidung eine Waffe gehört, Ballerspiele nicht grundsätzlich verteufelte, außer sie gehen mit schweren Grenzübertritten in der Gewaltdarstellung, auch Vergewaltigungen, einher, sagte er zu sogenannten Spielen, die Besitz von der Psyche des Spielers ergreifen und ihn bis zum Selbstmord treiben wollen, „die Welt ist krank“. In diese Kategorie fällt auch die Verbreitung von Hinrichtungsvideos, die am Höhepunkt der Terrorgruppe Islamischer Staat massiv Verbreitung fanden, erinnerte Layer.

Die Eltern sollten auf die Altersdaten achten und, besser noch, Spiele mit alle ihren Möglichkeiten selbst durchspielen, um mögliche versteckte Spielvarianten aufzuspüren. „Ihr Kind darf das, was sie erlauben“, mahnte der Oberkommissar. Die größte Gefahr im Internet macht anteilmäßig die Pornografie aus, die Kindern und Jugendlichen ein falsches Bild von Liebe und Frauen im Allgemeinen vermittelt.

Keine Screenshots bei Kinderpornografie

Der Oberkommissar empfiehlt ein Jugendschutzprogramm zu installieren, wobei dieses Geld kostet. Die Ehinger Schüler und ihre Eltern wissen jetzt, dass es eine Straftat darstellt, Nacktfotos an Kinder und Jugendliche und von ihnen zu verschicken. Schon das unerlaubte Fotografieren in „geschützten Räumen“ stellt eine Straftat dar, zum Beispiel in der Umkleide oder auf der Schultoilette. Zur Anzeige von Straftaten müssen Minderjährige ihre Eltern mitbringen, lernten die Siebtklässler. Eltern sollten Straftaten und auch den Verdacht auf Straftaten anzeigen und Screenshots anfertigen, außer es geht um Kinderpornografie. Dann stellt der Screenshot selbst eine Straftat dar. Stattdessen sollen Daten nach dem berühmten Was, Wann, Wo notiert und damit zur Polizei gegangen werden.

Bloße Verstöße, zum Beispiel Werbung für Erwachsene an Orten, die auch Kinder besuchen, können bei www.jugendschutz.net gemeldet werden. Oberkommissar Marc Layer erinnerte ganz zum Schluss des thematisch aufreibenden Vortrags an die Vorteile des Internets: die Vernetzungsmöglichkeit, die Informationsbeschaffung zur Meinungsbildung und so weiter.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen