Piano Paul bringt Pisa, Bach und Pythagoras in Einklang

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Piano Paul hat im Franziskanerkloster begeistert.
Piano Paul hat im Franziskanerkloster begeistert. (Foto: SZ- kö)

„Ehingen hat es mir nicht leicht gemacht“, hat der promovierte Mathematiker und Kabarettist Dietrich Paul genannt „Piano Paul“ seine leicht strapaziöse Anreise mit der Deutschen Bundesbahn sowie seine Suche nach Hotel und Ort seiner Aufführung durchaus humorvoll beschrieben. Ein Schwergewicht in jeder Hinsicht war Piano Paul. Versöhnt hat den Bayern aber der schwäbische Rostbraten und die Bierkulturstadt mit angeblich 42 Sorten Bier. „Da muss ich sofort in Kulmbach anrufen und fragen, ob die nicht vielleicht 43 Sorten haben.“

Die Bildung ist sein eigentliches Thema, besonders die in der Medienlandschaft weit verbreitete Ignoranz aller mathematischen Fakten regte den Kabarettisten auf.

„Mint-Fächer gehören in Deutschland nicht zur Kultur“, räsonierte er, „die Deutschen waren noch nie so blöde wie heute, dabei halten sich 52 Prozent aller Deutschen für gebildet und finden vier Mal so viele ungebildet“. Musik und Mathematik, so Piano Paul, lägen dicht beieinander. „Die Musik gehörte im Mittelalter zu den Naturwissenschaften. Ikonen der Mathematik und Physik wie Albert Einstein und Max Planck waren auch hervorragende Musiker“, erinnerte er. Die beiden hätten auf einem Ozeandampfer auf einer Überfahrt nach Amerika mal ein Konzert gegeben. „Das werden Sie heute auf der Aida nicht mehr erleben, höchstens Helene Fischer oder Roberto Blanco“, ergänzte der Kabarettist.

Jugendliche seien mit einer Sonate überfordert, weil sie in Mathematik nicht aufgepasst haben, fand er und spielte eine Mozartfassung von „hoch soll er leben“ auf dem Klavier. „Mit Bach geht das auch, wir nehmen den Bachtransformator, Anzahl der Stimmen 1:8, stecken oben „Happy Birthday“ rein, unten kommt ein Geburtstagschoral im Stile Bachs raus.“ „Aber Bach ist im Kabarett eine Stimmungsbremse, wenn ein dicker alter Mann da Bach spielt, ist das genauso spießig, wie wenn Pussy Riot in einer Kathedrale Punk bringt“, sagte Piano Paul.

Marcel Reich-Ranickis Kanon der Literatur mit der Luther-Bibel, den Buddenbrooks, der Blechtrommel und den Gedichten von Brecht könne auch für die Musik funktionieren, fand Piano Paul. Er nannte Bach, Beethoven und Bohlen dafür in einem Atemzug.

„Bei Piano Paul amüsiert man sich eben auf Niveau“ hat mal ein Kritiker gefunden.

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