Pfarrerinnen feiern 50 Jahre Frauenordination

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50 Jahre Frauenordination feierten Anneliese Suur (von links), Silvia Schmelzer, Susanne Richter, Margot Lenz, Susanne Vetter, R
50 Jahre Frauenordination feierten Anneliese Suur (von links), Silvia Schmelzer, Susanne Richter, Margot Lenz, Susanne Vetter, Rahel Kießecker und Eva Knobloch. (Foto: SZ- kö)

In Ehingen sind die beiden evangelischen Pfarrerinnen Margot Lenz und Susanne Richter seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit im kirchlichen Leben. Doch das war nicht immer so. Erst seit einem halben Jahrhundert ist es evangelischen Theologinnen, auch wenn sie verheiratet sind, erlaubt, selbstständig eine Gemeinde zu leiten.

Das haben die beiden Ehinger Pfarrerinnen zusammen mit ihren Kolleginnen Anneliese Suur aus Blaustein, Rahel Kießecker aus Asch-Suppingen, Eva Knobloch aus Ulm, Silvia Schmelzer aus Blaubeuren und der Altenheim-Seelsorgerin aus Ulm und Schelklingen, Susanne Vetter, in einem festlichen Abendmahlgottesdienst gefeiert. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst passend zum Anlass von der Kantorei unter der Leitung von Christoph Mehner mit der Messe Es-Dur von Josef Rheinsberger.

Gesetz von 1958

Das Gleichstellungsgesetz für Frauen der Bundesrepublik von 1958 stellte die Weichen für die Neufassung der Bestimmungen für die Theologinnen 1968. Schon lange vorher hatten Frauen in Kriegszeiten der Not gehorchend pastorale Dienste in der evangelischen Kirche übernommen, mussten aber nach ihrer Heirat aus dem Kirchendienst ausscheiden. Heute sind rund 40 Prozent aller Pfarrstellen mit Frauen besetzt, die auch bis in höchste Kirchenämter aufsteigen.

In einem feierlichen Zug zogen die Pfarrerinnen in die Kirche ein, die Gemeinde sang „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön“. Doch plötzlich trug eine Frau in einem Putzkittel eine Leiter und einen Eimer in die Kirche – was sollte das bedeuten. Es war Susanne Vetter, die als Clownin in die Altenheime in Ulm und Schelklingen kommt und so versucht, das Wort Gottes an die Bewohner heranzutragen. Sorgfältig staubte sie die Kanzel ab, an einer Leine befestigte sie Wäschestücke, bis die Kirchenbesucher an denen das Motto des Tages entziffern konnten „Die Frau schteige in der Gemeinde“, eine Abwandlung des Pauluswortes „die Frau schweige in der Gemeinde“. Die Pfarrerinnen beschrieben in kurzen Worten ihren Weg ins Pfarrhaus. „Was hat uns aufbrechen lassen?“ hatten sie sich gefragt. „Im Studium waren wir noch die Hälfte, am Anfang sind wir noch aufgefallen“, erzählte die eine. In einem Jahrgang waren es zu viele, nach dem Examen gab es ein Auswahlverfahren, sie war stolz, es geschafft zu haben, sagte eine andere. Susanne Richter hat sich den Beruf erringen müssen, die Eltern waren anfangs nicht begeistert von ihrer Wahl. Willkommen geheißen fühlte sich Rahel Kießecker, Mann oder Frau hat bei ihr schon keine Rolle mehr gespielt. Margot Lenz ist von einer jungen Pfarrverweserin ermutigt worden, sich in den Dienst der Kirche zu stellen. Für sie stellte sich die Frage, ob in Frankreich oder Deutschland. „Strahlen brechen viele aus einem Licht. Unser Licht heißt Christus“, sang die Gemeinde mit den Pfarrerinnen. Nach dem Gottesdienst hatten die Gottesdienstbesucher die Gelegenheit, sich mit den Pfarrerinnen im Jugendheim zu unterhalten.

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