Pfarrerin berichtet von Glaubensleben in Marokko

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Pfarrerin Yasna Crüsemann berichtete von ihren Erfahrungen mit marokkanischen Christen.
Pfarrerin Yasna Crüsemann berichtete von ihren Erfahrungen mit marokkanischen Christen. (Foto: SZ- kurt efingr)

Am ökumenisch-theologischen Institut Al Mowafaqa in der marokkanischen Hauptstadt Rabat hat Pfarrerin Yasna Crüsemann 2019 einen fünfmonatigen Fortbildungs-Kurs „Dialog der Kulturen und Religionen“ absolviert. Davon und von ihren Erfahrungen mit Christen im Land berichtete sie am Sonntag im Rahmen der Reihe „Christsein bewegt“.

Gegründet 2012 auf Initiative der katholischen und evangelischen Kirchen in Marokko ist die Einrichtung ein Ort der Bildung, der Besinnung und der Förderung des interkulturellen und interreligiösen Dialogs. Die Vorstellung von einer Kirche, die sich von der befreienden und versöhnenden Kraft der biblischen Botschaft ausrichten lässt, veranlasste Yasna Crüsemann nach ihrem Dienst als Prälaturpfarrerin beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung in Ulm, sich auf notleidende Menschen auf dem Weg zu einem besseren Leben einzulassen. Solchen begegnete sie weniger im theologischen Institut, sondern vor allem in einem Projekt für Flüchtlinge aus Schwarzafrika in der ostmarokkanischen Großstadt Oujda. Vor drei Jahren hat Père Antoine, der neue Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde von Oujda, die Kirche St.Louis für die Flüchtlinge geöffnet und die Kooperation mit der Initiative des promovierten Juristen Azarias Lumbela und der evangelischen Kirche von Marokko begonnen. Nicht mehr die schnelle lebensgefährliche Weiterreise über das Mittelmeer nach Europa steht im Vordergrund der Flüchtlinge. Stattdessen finden sie Ruhe und Beratung, um über ihren weiteren Lebensweg nachzudenken. In Zusammenarbeit mit einer Schule und örtlichen Betrieben machen viele eine Ausbildung als Elektriker, Mechaniker oder Bäcker/ Konditor. Durch ehrenamtliche Helfer - Studenten und zur Zeit einen Lehrer aus Frankreich – werden bei einigen die Französischkenntnisse verbessert und bei Bedarf zur Unterstützung der Ausbildung Mathematik unterrichtet. Die Ersten beenden gerade ihre Ausbildung. Die örtliche Polizei freut sich über jeden Flüchtling, der hier betreut wird. Wer hier lebt, bettelt nicht, stiehlt nicht, wird nicht von der Mafia als Drogenhändler oder -schmuggler angeworben. Ein Problem sieht Yasna Crüsemann in der Konkurrenz mit marokkanischen Jugendlichen. Von denen sind 20 Prozent arbeitslos.

Im Zentrum von Oujda stehen die katholische Kirche St. Louis und die Moschee Fatima Om Al Banin friedlich nebeneinander. Die evangelische Gemeinde hat kein eigenes Gebäude in Oujda und nutzt die katholische Kirche für ihren Sonntagsgottesdienst. Um 10 Uhr ist Messe Catholique, um 12 Uhr Culte Protestant angesagt. Christen machen in Marokko etwa 0,09 Prozent der rund 35 Millionen Einwohner aus und sind entweder Europäer oder afrikanische Migranten. Staatsreligion ist der Islam. Die überwiegende Mehrheit der nahezu 30 000 Getauften gehört der römisch-katholischen Kirche an, rund 3000 sind evangelisch-reformiert.

„In der Wüste sterben doppelt so viele Menschen wie im Meer“, hat die Pfarrerin erfahren. „In Oujda wird Kirche gelebt“ hat sie festgestellt und fordert europäische Kirchen zu einer klaren Haltung auf.

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