Peter Blickle kennt Maria Beigs Werk wie kein anderer

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Peter Blickle war in Ehingen zu Gast.
Peter Blickle war in Ehingen zu Gast. (Foto: SZ- Körner)

Die nächste Veranstaltung im Rahmen des Literatursommers im Franziskaner: „Kriminacht“ am 13.Juli um 19 Uhr.

Mit einer Lesung aus „Hochzeitslose“ und literaturwissenschaftlichen Informationen über die Autorin Maria Beig von Peter Blickle hatte sich die VHS Ehingen beim Literatursommer Baden-Württemberg beworben und war auch angenommen worden. Maria Beig, die erst kurz vor ihrem 60. Geburtstag mit dem Schreiben begonnen hatte, wurde von Martin Walser als Mittelpunkt der oberschwäbischen Marienheiligen der Literatur bezeichnet. Walser meinte außerdem Maria Menz und Maria Müller-Glögler.

So intensiv wie Peter Blickle haben sich wohl wenige mit den Werken der inzwischen hochbetagt am Bodensee lebenden Autorin befasst. Der Professor für Germanistik und „Gender Studies“ in Michigan hat seine Doktorarbeit über sie geschrieben, ist selbst Autor.

Schon nach wenigen Zeilen aus „Hochzeitslose“ waren die Zuhörer gefangen in der bäuerlichen Welt im Oberschwaben vor dem Ersten Weltkrieg. Der fünfjährige Sohn Ludwig war zu einem kinderlosen Bauernehepaar auf einen Einödhof gegeben worden, sollte dort an Kindesstatt aufgezogen werden und den Hof erben. Doch das Heimweh trieb ihn nachhause, er klammerte sich an seine Schwester Babette, die spontan erklärte „ich gehe mit dir“. Die Eltern waren froh über einen Esser weniger und die Mitgift wurde so auch gespart. „Ein Universum einer anderen Welt tut sich vor uns auf. Der Hof, das Sach’ zählt, eine brutale Welt, die unseren heutigen Idealen von Familienfreundlichkeit fern ist. Maria Beig lässt uns mit einem weggegebenen Fünfjährigen mitfühlen. Glück, Liebe, Heimat bedeutet nicht für Menschen immer und überall das Gleiche“, erklärte Blickle. Babette bleibt bei ihrem Bruder und das ein Leben lang, alles wurde für ihn durch Babette gut. Als die Liebe zu Babette in Gestalt eines reichen Bauern kam, musste sie verzichten, sie hatte keine Mitgift. Den nächsten, den Postboten wusste der Bauer brutal zu verhindern. Sogar der junge Pfarrer war von Babette eingenommen, half ihr bei der Feldarbeit, wo er konnte. „Das passt und gehört sich nicht“, bruddelte die Bauersfrau. Der Pfarrer wird einberufen, die Bauersfrau und Babette geraten immer öfter und heftiger aneinander. Ludwig kommt aus dem Krieg zurück, heiratet, hat aber keine Kinder. „Es ging ihnen nicht schlecht auf dem Einödhof. Wir lernen, wie es war, wie es gewesen sein könnte, wie es in unseren Müttern und Großmüttern aussah“, erklärte Blickle.

Acht Romane, 52 Erzählungen, eine Autobiografie hat Maria Beig geschrieben, alle nach ihrer Pensionierung nach ihrer Tätigkeit als Lehrerin für Handarbeit und Hauswirtschaft. Sie ist für ihre Werke mit dem Alemannischen Literaturpreis, der Verdienstmedaille Baden-Württemberg, dem Literaturpreis der Stadt Stuttgart und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet worden.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen des Literatursommers im Franziskaner: „Kriminacht“ am 13.Juli um 19 Uhr.

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