Palmsonntagsbrauch: Nur ein Ei geht zu Bruch

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Kreative Flugobjekte hatten die Kinder für ihre Eier gebaut.
Kreative Flugobjekte hatten die Kinder für ihre Eier gebaut. (Foto: SZ-Fotos: KÖrner)

Der Konstruktionswettbewerb für Kinder hat am Palmsonntag in der Städtischen Galerie seinen festen Platz. Jedes Kind hat einen Flugkörper gebastelt, in dem ein rohes Ei den Flug aus dem zweiten Stock auf die darunter liegende Wiese möglichst elegant und natürlich heil absolvieren muss. Lenny war der Vorjahressieger und hat seinen Flieger in einer Modellbaugruppe gebastelt. Oskar und Killi haben einfach drauflos gebastelt, erzählten sie. Theo hat einem gelben Sack als Fallschirm genommen und ein kunterbuntes federleichtes Gestell drangehängt, in dem das Ei sicher gelagert ist. Tim hat feste Kartonpappe mit Klebeband verstärkt. Sabrina hat vier Luftballons zusammengebunden und ihnen das Ei ebenfalls gesichert angehängt. Philmon hat seinen Flieger dem aus dem Batman-Film nachempfunden. Ina wollte eigentlich Ostergeschenke basteln, hat dem gelben Sack ein Osterhasengesicht gemalt und einen Osterhasen als Eibehälter angehängt.

Der Wettbewerb geht auf eine historische Begebenheit zurück, erzählte Organisator Volker Sonntag. Demnach haben der Freifrau von Speth die Eier eines armen Weible vom Lande nicht gepasst. Und weil sie wohl einen schlechten Tag hatte, hat sie die Eier aus dem Fenster geschmissen. Doch, oh Wunder, die Eier blieben heil. Die Adelsfrau erkannte, dass da wohl eine höhere Macht im Spiel war, zahlte dem Eierweible den doppelten Preis und wurde von nun an lieb und mild.

Am Sonntag wurde kurz vor dem Start ein Podest ans Fenster im zweiten Stock des Speth’schen Hofs gerückt, jüngere Kinder von den Eltern festgehalten, Andreas Tietzel kommandierte „Oier ra“ und der junge Konstrukteur schickte seinen Flieger auf die Reise. Ganz unterschiedlich waren die Flugbahnen, die stabileren Fluggeräte legten, wenn der Wind günstig war, eine beachtliche Flugbahn hin. Die mit gelben Säcken konstruierten Fallschirme wurden durch den starken Wind leicht abgetrieben. Manche Flieger landeten aber auch im Sturzflug mit der Nase vorn direkt an der Mauer. Eine eifrige Kinderschar rannte hin, um den Flugkörper abzuholen und der Jury zu bringen. Mühsam musste die sich manchmal zum Ei vorarbeiten, Armin Ege schüttelte es, horchte und einmal musste das Ei sogar aufgeschlagen werden, um sicher zu sein, dass es nicht gekocht oder aus Gips war. Ein einziges Ei überlebte den Flug nicht heil.

Bald standen die Sieger Lenny Keller und Hanns Mayer fest, sie durften sich als erste von den vom Lions Club gesponserten Geschenken ihren Preis aussuchen. Den zweiten Platz belegte Philmon Merkle, den dritten Platz Ina Schnitzer.

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