Noch viel Qualität in der Hinterhand

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 Aus dem Spiel heraus war die Abwehr von Ehingen-Süd in Essingen nicht zu knacken, bei Standardsituationen gerieten die Gäste ab
Aus dem Spiel heraus war die Abwehr von Ehingen-Süd in Essingen nicht zu knacken, bei Standardsituationen gerieten die Gäste aber einige Male in Schwierigkeiten. Das Bild zeigt Essingens Felix Nierichlo vor einem Freistoß, vor ihm in der Mauer die Süd-Spieler Timo Barwan (r.) und Simon Dilger, links im Hintergrund Torhüter Benjamin Gralla. (Foto: SZ- aw)
Schwäbische Zeitung

Über den 1:0-Sieg zum Verbandsliga-Auftakt beim hoch gehandelten TSV Essingen schien der Trainer des SSV Ehingen-Süd fast ein wenig erstaunt zu sein. Während die Essinger in Bestbesetzung angetreten waren, musste Michael Bochtler auf ein halbes Dutzend Spieler verzichten. Andere waren zwar gegen Essingen im Kader, aber erst in den Tagen zuvor aus dem Urlaub heimgekehrt. Außerdem hätten viele seiner Spieler wegen Urlaubs oder Blessuren nicht die komplette Saisonvorbereitung mitgemacht, so Bochtler. Zur Pause in Essingen, es stand noch 0:0, „wussten wir, dass es noch ein hartes Stück Arbeit werden würde“. Um das torlose Unentschieden zu halten, doch am Ende sprang durch den späten Treffer des jungen Fabio Schenk sogar ein Sieg heraus.

Schenk bildete mit Routinier Stefan Hess die Innenverteidigung, außen verteidigten Marvin Schmid (links) und Timo Kästle, der in der Regel eher links zu finden ist und diesmal auf der rechten Seite ran musste. Es war eine ungewohnt besetzte Abwehrkette, aber das war dem Fehlen von Fabian Sameisla, Max Vöhringer, Jan-Luca Daur und Jan Deiss geschuldet. Dass nicht alles perfekt war und die Hintermannschaft gegen die Essinger mit ihren vielen groß gewachsenen Spielern bei hohen Bällen wiederholt in Schwierigkeiten kam, war nicht verwunderlich. „Spielerisch aber hat uns Essingen nicht in Verlegenheit gebracht, wir sind kaum einmal ausgespielt worden“, stellte Bochtler zufrieden fest. So blieb Süd trotz einiger verlorener Kopfballduelle („Die hohen Bälle haben wir nicht gut verteidigt“) und brenzliger Situationen im Strafraum ohne Gegentreffer.

„Es war ein toller Auftakt, aber die Runde ist noch lang“, sagte Trainer Bochtler, der trotz des ersten Verbandsliga-Erfolgs überhaupt gegen Essingen (in den vergangenen beiden Jahren setzte es auf der Ostalb zwei 1:4-Niederlagen, die Heimspiele endeten 1:1 und 1:2) nicht in Euphorie verfiel. Angesichts dessen, dass der Kader nicht komplett war, war es aber ein vielversprechender Auftakt. „Wenn man sieht, was uns in diesem Spiel an Qualität gefehlt hat“, so Bochtler, der aufzählte: Neben Deiss, Sameisla, Daur und Vöhringer waren auch Kevin Ruiz und Semir Telalovic nicht dabei. Das Spiel in Essingen gut zu überstehen, so hatte das Ziel gelautet – es wurde bestens erfüllt.

Nach dem Zweitrundenspiel im WFV-Pokal am Mittwoch (17.45 Uhr) beim Landesligisten FV Bad Schussenried wartet auf den SSV Ehingen-Süd am Samstag die erste Hausaufgabe der Saison gegen den 1. FC Heiningen. Die Heininger mussten wie Ehingen-Süd zum Aufakt gegen einen als Meisterschaftsanwärter gehandelten Gegner ran, unterlagen aber zu Hause dem FSV Hollenbach mit 1:3. Es war eine bittere Niederlage für die Heininger, die Hollenbachs Halbzeitführung nach knapp einer Stunde ausglichen und in der Schlussphase in Unterzahl ins Hintertreffen gerieten. Max Hölzli sah, weil er nach Auffassung des Schiedsrichters bei einem Freistoß des FSV Hollenbach nicht weit genug vom noch ruhenden Ball entfernt war, seine zweite Gelbe Karte und musste in der 73. Minute vom Platz. Die Gäste nutzten die Überzahl durch Treffer in der 80. und 88. Minute zum Sieg. „Sicher war unser Sieg etwas glücklich, aber er war nicht unverdient“, sagte FSV-Trainer Martin Kleinschrodt.

Einen missglückten Auftakt mit einem Platzverweis hatte auch die TSG Hofherrnweiler-Unterrombach, die ihr erstes Verbandsliga-Spiel der Vereinsgeschichte in Wangen 0:2 verlor. TSG-Keeper Manuel Landgraf fiel in der Schlussphase auf, als er nach dem zweiten Gegentreffer den Ball auf die jubelnden Wangener Spieler schoss – die Rote Karte war die Folge. „Das war keine Absicht, ich kenne meinen Manu“, nahm Trainer Benjamin Bilger seinen Torhüter in Schutz. „Jedoch gebe ich dem Schiedsrichter recht, es war eine Rote Karte.“

Für den FC Wangen hat die Runde besser als im Vorjahr beginnen, als die Allgäuer nicht nur das erste Spiel (beim SSV Ehingen-Süd) verloren hatten, sondern danach eine Niederlage an die andere reihten. Gegen Heiningen stimmte aus Sicht von Trainer Adrian Philipp das Ergebnis, mit dem Spiel seiner Mannschaft war er aber nur zum Teil zufrieden. „In der ersten Halbzeit war es in allen Belangen zu wenig“, so Philipp, der nach dem Führungstreffer von Enes Demircan in der 51. Minute zunehmend lockerer wurde. „Danach haben wir es relativ entspannt runtergespielt.“ Bis zum 2:0 dauerte es aber eine Weile, in der 83. Minute verwandelte Fabian Eninger einen Foulelfmeter zum 2:0.

Mit einem Sieg feierte Aufsteiger TSV Berg seinen Einstand nach zweijähriger Verbandsliga-Abwesenheit. Gegen das einmal mehr als Geheimfavorit eingestufte, aber erneut personell umgekrempelte Team von Calcio Leinfelden-Echterdingen setzte sich Berg mit 2:1 durch. Der vom Oberligisten Ravensburg zum TSV gewechselte Maschkour Gbadamassi erzielte kurz vor der Pause das 1:1 und in Minute 78 auch das 2:1. „Wichtig ist, dass die Mannschaft sich viele Chancen erarbeitet hat und ein starkes Spiel gezeigt hat“, war Bergs Trainer Oliver Ofentausek zufrieden.

Weniger gut war die Laune beim neuen Sportlicher Leiter von Calcio, dem Ex-Profi Angelo Vaccaro (unter anderem VfB Stuttgart, SpVgg Unterhaching, FC Augsburg). Er bemängelte Unkonzentriertheiten vor den Gegentoren, wies aber auch darauf hin, dass nicht das stärkste Aufgebot zur Verfügung stand. „Uns haben zehn Spieler gefehlt. Die einen waren im Urlaub, zwei haben geheiratet“, so Vaccaro, der dafür Verständnis zeigte. Aber er sagte auch: „Ich hätte an einem anderen Termin geheiratet. Fußball ging bei mir immer vor.“ (aw)

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