Nach 22 Jahren Arbeit: Buch über Rißtissens Ortsgeschichte erscheint

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Petra Junker, Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann und Stadtarchivar Ludwig Ohngemach (stehend v.l.n.r.), vorne sitzt Be
Petra Junker, Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann und Stadtarchivar Ludwig Ohngemach (stehend v.l.n.r.), vorne sitzt Berthold Rathgeb. (Foto: SZ- hog)

Die Vorstellung des 336 Seiten umfassenden Buchs „Ortsgeschichte Rißtissen“ von Berthold Rathgeb fand Corona geschuldet im kleinen Kreis im großen Sitzungssaal des Ehinger Rathauses statt. Die Öffentlichkeit darf sich auf ein Buch freuen, das auf 22 Jahre Entstehungszeit blickt und viele differenzierte Einblicke in die Geschichte des 17. Teilorts der Großen Kreisstadt gewährt.

Auslöser war eine Ortschaftsratssitzung

1975 wurde Rißtissen als 17. und bis heute jüngste Teilgemeinde in die Große Kreisstadt Ehingen eingemeindet. Die Geschichte Rißtissens reicht jedoch zurück bis in die Vor- und Frühgeschichte. Der pensionierte Studiendirektor Berthold Rathgeb hat vollendet, was in einer Ortschaftsratssitzung in Rißtissen seinen Anfang genommen hat. Am 22. Juni 1998 hat der Ortschaftsrat die Erstellung eines Heimatbuches in Auftrag gegeben. Der frühere Ortsvorsteher Ernst Hofmann und der ehemalige Rektor der örtlichen Grundschule, Franz Wilhelm, wurden mit dieser Aufgabe betraut.

Einwohner steuern Erinnerungen bei

Ernst Hofmann hat die Fakten gesammelt. Franz Wilhelm hat alte Schriften und Urkunden gesichtet und ausgewertet. Studiendirektor Berthold Rathgeb konnte 2003 für die Mitarbeit an dieser Chronik gewonnen werden, unterstützt von seinem Bruder Heinz Rathgeb. „Durch den Tod von Ernst Hofmann im Jahr 2006 und die schwere Erkrankung von Franz Wilhelm vier Jahre später, wurden die Arbeiten an unserer Ortsgeschichte fortan hauptsächlich von den Brüdern Rathgeb fortgeführt und zum Abschluss gebracht“, schreibt Ortsvorsteher Markus Stirmlinger in seinem Grußwort. Er vergisst dabei nicht an die Rißtisser zu erinnern, die aus ihren Dokumenten und Erinnerungen wichtige Details beigesteuert haben.

Oberbürgermeister Alexander Baumann freute sich, dass nach all den Jahren der Kleinstarbeit nun ein prächtiges Buch in großem Format vorliegt, das auch in technischer Hinsicht keine Vergleiche zu scheuen braucht. Er dankte Ludwig Ohngemach vom Stadtarchiv und lobte Petra Junker, die das Layout und die Gestaltung erbracht hat. Berthold Rathgeb betonte diesen Punkt und sagte „aus Grau im Archiv wurde Sonne, Licht und Freude im fertigen Buch“. Udo Vogt, Vorstand Schwabenverlag AG/Thobecke freute sich, dass die Stadt das Werk so gut vorbereitet hat. „Die jetzt vorliegende Erste Auflage umfasst 440 Exemplare“, verrät er. Oberbürgermeister Baumann ergänzte: „Das Buch ist deutlich mehr wert als der sehr verträgliche Verkaufspreis von 28 Euro. Damit ist wieder ein Stück Geschichte gesichert, in Buchform. Ich denke, es ist ein positiver Meilenstein für die Ortschaft Rißtissen.“

Wie schon in seinem Vorwort ging Baumann bei der Buchvorstellung kurz auf die Inhalte ein, ohne zu viel zu verraten: „Mit der ab 45 n. Chr. angelegten römischen Ansiedlung und einer ersten urkundlichen Nennung in der ersten Hälfte des neunten Jahrhunderts gehört Rißtissen zu den ältesten und bedeutendsten frühen Wohnplätzen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Ehingen.“

Erstklassige Bilder

Und tatsächlich erweisen sich die teils farbigen, teils schwarzweißen Bilder und Ablichtungen von Urkunden als optisch erstklassig. Nach der Topographie und Geologie geht das Buch auf erste Siedlungsspuren aus der Vor- und Frühgeschichte ein. Funde, sehr gut im Buch abgebildet, belegen Siedlungsspuren in und um Rißtissen bis zurück in die Jungsteinzeit, das heißt ins fünfte Jahrtausend v. Chr., gefolgt von Bronzezeit, Eisenzeit, Römerzeit. Das Buch geht auf wichtige Ereignisse in der Geschichte ein, wie die katholische Taufe von Frankenkönig Chlodwig nach seinem Sieg über die Alemannen durch Bischof Remigius von Reims um das Jahr 500, den Bauernkrieg 1525, den Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648, Hunger und Pest, Regentschaft von König Friedrich von Württemberg oder „Napoleon krempelt Europa um“. Vorzüglich gelingt es Rathgeb, die Verbindung der historischen Ereignisse mit der Geschichte Rißtissens zu verknüpfen. Gleiches gilt für die Auswirkungen der beiden Weltkriege auf den Ort und die Goldenen Fünfziger Jahre. Auch die Schenken von Stauffenberg werden beleuchtet, Rißtissen und die Südbahn, die Pfarrgeschichte, Kapellen und Bildstöcke oder Rißtisser Wirtschaften. Zudem erwartet den Leser eine Galerie Rißtisser Persönlichkeiten und eine Liste von Haus- und Hofbesitzer sowie Einblicke in Amtsprotokolle unter der Überschrift „Der Schultheiß als Richter und Schlichter“. Am Ende des Buches gibt eine Zeittafel von 50 n. Chr. bis ins Jahr 2009 einen Kurzüberblick über die Ereignisse. Oberbürgermeister Baumann sagt zu Recht, „jeder ist gut beraten, reinzuschauen, zu reflektieren, was ist aus was entstanden“.

Das Buch enthält neben der Ortsgeschichte viele Impulse zum Weiterschmökern. Herausgeber ist die Stadt Ehingen. Ab sofort kann es erworben werden in der Buchhandlung Osiander in Ehingen und auf dem Rathaus in Rißtissen.

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