Musik und Tanz beleben die Lindenhalle

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Kurt Efinger

Mit einer abwechslungsreichen Bühnenshow haben das Orchester und das Ballett des Sorbischen Nationalensembles aus Bautzen am Samstag beim Neujahrskonzert in der Lindenhalle beeindruckt. Eine Klasse für sich waren Tänzer und Gesangssolisten, die im ausverkauften Haus die Bühne belebten.

Anders als bei den vergangenen Neujahrskonzerten saß das Orchester dieses Mal im Hintergrund. Davor präsentierten sich Solisten mit Tanz und Gesang. Mit der Ouvertüre zur Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss stimmte das Orchester in das folgende Programm ein. Zu Georges Bizets „Havanera“ aus dem ersten Akt der Oper „Carmen“ kündigte die charmante Moderatorin Kristina Nerád die 1980 in Berneck im schweizerischen Kanton St. Gallen geborene Mezzosopranistin Ava Rahel Indermaur an. In beide Richtungen auf der Vorbühne wandernd entfaltete die Sängerin ihr großes Stimmpotenzial bei „L'amour est un oiseau rebelle“ und erntete dafür wie auch für die strahlende „Seguidilla“ begeisterten Applaus. Dasselbe widerfuhr dazwischen dem jungen russischen Tenor Constantin Philippoff nach der herzerwärmenden Wiedergabe von „Zwei Märchenaugen“ aus „Die Zirkusprinzessin" vom Emmerich Kálmán.

In seine ostsächsische Heimat entführte das Orchester die Zuhörer mit dem sorbischen Trinklied „Palenc, palenc, tón dyrbi pity być!“. Auf Deutsch lautet der Text „Der Schnaps, der Schnaps, der muss getrunken werden!“. Die Lausitz ist die Heimat der Sorben (obersorbisch Serbja, niedersorbisch Serby), einer westslawischen Volksgruppe, die ihre folkloristischen Traditionen mit Begeisterung pflegt und mit dem „Serbski ludowy ansambl“ die große Musikkultur präsentiert. Für deren professionelle Darbietung steht ein sehr gut besetztes Orchester und an dessen Spitze mit Friedemann Schulz ein in allen Stilrichtungen erfahrener Kapellmeister. Mit zu der von der Stiftung für das sorbische Volk getragenen und in Bautzen/Budyšin beheimateten Kultureinrichtung gehören Chor und Ballett. Im Sorbenland sind alle Ortsschilder zweisprachig.

Mit dem Abendlied „ Mej Ty Dobru Nóc,“ und der Ptacokwasna Polka“ genoss das Publikum weitere Kostproben der heiteren sorbischen Volkskultur, bevor Orchester und Gesangssolisten sich mit dem Duett „Dieser Anstand, so manierlich“ aus der „Fledermaus“ wieder auf Wiener Terrain begaben. Der Ohrwurm „Walzer Nr.2“ aus der Suite für Varieté-Orchester von Dmitri Schostakowitsch war eine besondere Delikatesse.eh. Nach dem Uhrenduett aus der Fledermaus und dem musikalischen Scherz „Perpetuum mobile“ von Johann Strauss sowie Aram Chatschaturians „Mazurka“ und „Säbeltanz“ war Pause angesagt.

„Oh!“ entfuhr es großen Teilen des Publikums unwillkürlich, als danach die Moderatorin in einem betörend schönen grünen Glitzerkleid an die Rampe trat und die weiteren Programmnummern ansagte. „J’ai deux amant“ brachte Ava Rahel Indermaur klangprächtig zu Gehör. Ganz in Weiß erfreuten zwei Tänzer bei Harold Arlens „ „Over the Rainbow“. Constantin Philippoff machte sich bestens bei „„In der Straße wohnst du“ und Eduard Künnekes „Ich bin nur ein armer Wandergesell“. .Als dritter Sänger kam Dirigent Friedemannn Schulz bei „Im Feuersturm der Reben“ groß heraus. Den Stimmungshöhepunkt erreichte das Konzert mit einem Medley aus Operetten von Franz Lehár. Nach der Tritsch-Tratsch-Polka als erster Zu-gabe bekam das begeisterte Publikum mit dem Duett „Libiamo“ aus Verdis „La Traviata“ eine zweite. Der Radetzky-Marsch bildete das definitive Ende eines Neujahrskonzerts, das durch seine Vielfalt der Präsentationsformen bestach und einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.

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