Marktschreier buhlen um die Kunden

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Bei Alex am Käsestand gab es den Käse eimerweise für 15 Euro zu haben.
Bei Alex am Käsestand gab es den Käse eimerweise für 15 Euro zu haben. (Foto: SZ- kö)
Schwäbische Zeitung
Barbara Körner

Ein Riesengeschrei auf dem Ehinger Marktplatz und dazu das Gelächter der belustigten Kunden zeigten – die Marktschreier sind nach drei Jahren Pause wieder da. „Herbei, herbei, die Jungs sind wieder da, aus Hamburg Altona, große Auswahl, kleine Preise, das ist unsere Lebensweise“, lockte Nudel-Ralli die Kundschaft an. Die ließ sich das nicht zwei Mal sagen und hörte den Marktschreiern begeistert zu.

„Zu meiner Linken Schweinemörder, man nennt ihn auch Knochen-Kalle oder Wurst-Jan, zu meiner Rechten Deutschlands hässlichster Käseverkäufer, der passt doch in jedes Fahndungsfoto“, stellte Nudel-Ralli seine Kollegen mit dem gewohnt derben Umgangston zwischen den Marktschreiern Oberbürgermeister Alexander Baumann und Ludwig Griener sowie der Mannschaft vom Ordnungsamt vor. Mitten in seiner schwungvollen Rede beim Luftholen fragte er dann Baumann „oder möchten Sie auch noch etwas sagen?“ Der OB begrüßte das Marktschreier-Team mit einem original norddeutschen „moin, moin“ und schon nach ein paar freundlichen Worten wurde ihm der Mund mit einem sauren Hering gestopft.

Nudel-Ralli ist ein Urgestein der Marktschreier und seit den 90er Jahren dabei. Auf den Fischmarkt in Hamburg will er nicht mehr, „das ist ja nur sonntags, da hätte ich viel zu viel Freizeit und würde mit Dummheiten anfangen“, lachte er.

Nebenan am Wurststand packte Wurst-Jan unermüdlich Tüten für seine Kunden, geräucherter Schinken, eine Leberwurst, eine Mettwurst und eine Teewurst sowie fingerdünne Salami, vom Verkäufer auch „Salamiwürmer“ genannt, kamen hinein und wurden für 15 Euro verkauft, sie gingen weg wie die warmen Semmeln.

Dasselbe am Käsestand. Bei Alex gab es den Käse Eimerweise ebenfalls um 15 Euro. Natürlich waren alle Waren aus hygienischen Gründen abgepackt, die Wurst wurde im Darm verkauft. Heftiges Gefrotzel wie zwischen Nudeln und Wurst auch zwischen dem Käser und Süßwarenhändler Sascha nebenan, es hörte sich an wie bei einem eingespielten Team. Heiserkeit ist für ihn trotz der Schreierei kein Problem, sagte Sascha, er würde eben zwischendurch viel Wasser trinken.

Aale wie früher bündelweise, gibt es schon seit Jahren nicht mehr bei den Marktschreiern, die Aale sind viel zu teuer geworden. Der frühere Aalhändler Fisch-Falk ist jetzt mit einem Fischimbiss dabei. Der Renner bei ihm sind gebackener Fisch mit Kartoffelsalat nach guter norddeutscher Art mit viel Mayonnaise angemacht. Aber auch Lachs- oder Heringsbrötchen wurden viel verkauft. Blumen-Jan kommt wie seine Blumen aus Holland, „einzeln oder en gros, die Leute können bei mir kaufen, wie sie wollen“, erklärt der Blumenhändler, günstig sind die Pflanzen auf jeden Fall.

Und überall waren die Männer vom Ordnungsamt mit einem wachen Auge dabei, bemängelten ein Kabel beim Bierausschank. Bei genauer Untersuchung konnten sie aber feststellen, es hatte gar keine Funktion, wurde nur einfach unter den Stand geschoben.

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