Lars Walther: „Die Grundlagen für Erfolge sind da“

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„30 Sekunden dauerte es und ich wusste, dass ich das machen wollte“: Trainer Lars Walther (Mitte, hier noch beim FC Porto) wechs
„30 Sekunden dauerte es und ich wusste, dass ich das machen wollte“: Trainer Lars Walther (Mitte, hier noch beim FC Porto) wechselte zur Saison 2018/19 zurück in seine Heimat Dänemark. Mit seinem neuen Klub Ribe-Esbjerg HH ist er am Wochenende beim Sparkassen-Cup in Ehingen. (Foto: Imago)
Schwäbische Zeitung

Tickets für den Cup

Der Kartenvorverkauf für den Sparkassen-Cup ist geschlossen. Tickets sind noch an der Tageskasse in der Längenfeldhalle erhältlich. Eine Tageskarte für Samstag, 11. August, kostet 25 Euro (ermäßigt zehn Euro) und für Sonntag, 12. August, 20 Euro (zehn Euro). Ein Wochenendticket für beide Tage kostet 40 Euro (15 Euro). Am Samstag werden vier Spiele ausgetragen (Nantes und Göppingen treffen jeweils auf Stuttgart und Ribe-Esbjerg), am Sonntag geht es in den Spielen TVB Stuttgart – Ribe-Esbjerg HH und HBC Nantes – Frisch Auf Göppingen dann um den Turniersieg. Alle Informationen zum internationalen Handballturnier gibt es auf der Internetseite www.sparkasse-ulm-cup.com.

Lars Walther ist ein gern gesehener Gast beim internationalen Handball-Turnier in Ehingen. Der 52-jährige Däne kommt auch gern zum Sparkassen-Cup, als Trainer war er bereits mit Wisla Plock (Polen), Baia Mare (Rumänien) und den Kadetten Schaffhausen (Schweiz) in der Längenfeldhalle. Bei der Neuauflage am 11./12. August ist Walther mit dem dänischen Erstligisten Ribe-Esbjerg HH zu Gast, einem ambitionierten Verein aus Jütland. Walther unterschrieb einen Dreijahresvertrag bei Ribe-Esbjerg; aus vielen neuen Spielern soll er eine Mannschaft formen und schrittweise an der Spitze der dänischen Liga führen. SZ-Redakteur Andreas Wagner sprach mit Lars Walther über Handball in Dänemark, seine neue Aufgabe bei Ribe-Esbjerg und den Reiz des Ehinger Turniers.

Sie sind zum wiederholten Mal mit einer Mannschaft beim Sparkassen-Cup. Was schätzen Sie am Ehinger Turnier?

Es ist ein super Turnier. Wir freuen uns, dass wir teilnehmen können. Die Leute sind sehr nett, sehr gastfreundlich, und wir wohnen auch wieder im Hotel Dietz in Allmendingen. Sportlich gesehen sind wir aber noch etwas hinterher, weil wir erst am 21. Juli und damit später als die Bundesligisten mit der Vorbereitung angefangen haben. Man darf deshalb nicht zu viel erwarten. Dennoch wollen wir uns gut präsentieren und den Zuschauern etwas bieten.

Wie ist es für Sie persönlich, nach so vielen Jahren wieder in Dänemark zu arbeiten?

Das ist super, auch für meine Frau. Nach 14 Jahren als Trainer im Ausland ist es schön, wieder zu Hause zu sein. Außerdem bin ich bei einem guten Verein gelandet, der ehrgeizige Ziele verfolgt.

Mussten Sie lange überlegen, als das Angebot von Ribe-Esbjerg kam?

Nein. Ich wollte wieder in Dänemark arbeiten und hatte auch mit anderen Vereinen gesprochen. Dann kam Ribe-Esbjerg mit seinem Projekt – 30 Sekunden dauerte es und ich wusste, dass ich das machen wollte. In diesem Verein arbeiten alle sehr viel, auch das Team hinter der Mannschaft. Ich will dabei sein, um etwas zu bewegen.

Was charakterisiert den Verein?

Es ist ein sehr gesunder Verein mit unheimlich vielen lokalen Partnern. In der Region gibt es viele Unternehmen, Esbjerg hat einen großen Hafen, einen der größten in Europa. Die Stadt will aber auch bekannter werden durch den Sport; es gibt Erstliga-Handballer und Fußballer, die in die höchste Liga aufgestiegen sind. Die Leute sind sehr ehrgeizig, arbeiten viel. Die Grundlagen für Erfolge sind da.

Die französische Liga erlebt einen Aufschwung, die Vereine dort haben viele Spitzenspieler zurückgeholt, die in jüngeren Jahren mangels international nicht konkurrenzfähiger Vereine ins Ausland gewechselt waren. Ist in Dänemark eine ähnliche Entwicklung zu erwarten?

Ja, das glaube ich schon. Viele Vereine machen unheimlich viel. Es fließt auch mehr Geld als früher in den dänischen Handball. Die dänische Liga hat Qualität, die ersten acht, neun Mannschaften sind sehr gut und auch die Vereine auf den Plätzen elf bis 13 sind nicht schlecht. Die Liga ist nicht so stark wie die Bundesliga, aber es geht in die Richtung. Einfache Spiele werden wir nicht haben, aber das ist gut für die Entwicklung.

Ihr Lebenslauf weist seit 2004, nach ihren ersten beiden Trainer-Stationen in Dänemark, neun Vereine in verschiedenen europäischen Ländern aus. Sind Sie gewohnt, regelmäßig umzuziehen?

Vorher als Handball-Profi habe ich auch schon in anderen Ländern gespielt. Insgesamt war ich 23 Jahre im Ausland.

Sie waren in mehr als einem halben Dutzend Ländern. Wo hat es Ihnen am besten gefallen?

Das ist schwierig zu sagen, gefallen hat es mir fast überall. Deutschland ist aber meine zweite Heimat, nach Dänemark. Das liegt daran, weil die Handball-Strukturen in Deutschland ähnlich sind wie in Dänemark. In beiden Ländern arbeitet man längerfristig, die Arbeit als Trainer ist daher einfacher als beispielsweise in Rumänien.

Wobei Rumänien eine Handball-Tradition hat, Nationalmannschaft und Vereine dort waren früher erfolgreich. Sie haben auch in Italien gearbeitet und zuletzt beim FC Porto in Portugal – beides Länder, die im Handball nicht in der vordersten Reihe stehen. Wie waren Ihre Erfahrungen in diesen Ländern?

Dort erwartet man vom ersten Tag an Resultate. Als neuer Trainer braucht man aber etwas länger, um an Spielzügen zu arbeiten. Deshalb muss man Kompromisse eingehen, doch auf längere Sicht sind Kompromisse nicht gut für die Arbeit eines Trainers und die Entwicklung einer Mannschaft.

Erfolgsdruck dürfte es aber auch in Deutschland oder Dänemark geben. Auch hier werden Trainer letztlich an Ergebnissen gemessen.

Natürlich. Es ist nicht so, dass es hier einfacher ist. Man hat ebenfalls Ziele, aber sie sind längerfristig gesteckt. Ribe-Esbjerg war in der vergangenen Saison Zehnter der dänischen Liga, für das kommende Jahr ist das Hauptziel ein Platz unter den Top 6. Danach wollen wir uns schrittweise weiter verbessern, unser Projekt heißt: In drei Jahren wollen wir um die Meisterschaft mitspielen.

Ein Platz unter den ersten sechs in der kommenden Saison erscheint angesichts des Kaders machbar.

Man muss aber sehen, dass wir neun neue Spieler geholt haben. Auch für die verbliebenen Spieler aus der vergangenen Saison ist alles neu.

Der Vereinsvorsitzende von Ribe-Esbjerg, Sune Agerschou, hat gesagt, dass man Sie auch deshalb verpflichtet hat, weil Sie Erfahrung mit einem Umbruch im Kader haben. Hat er recht?

In Polen, bei Wisla Plock, war es ähnlich. Aber es gibt auch Nachteile bei großen Veränderungen. Wir müssen schon am 21. August im dänischen Pokal gegen Holstebro antreten, das hat der Verband so angesetzt, warum auch immer. Da die Runde danach bis 1. Dezember absolviert sein muss, hätte man das Erstrundenspiel gegen Holstebro auch später austragen können. So hat ein Gegner wie Holstebro mit einer kaum veränderten, eingespielten Mannschaft klare Vorteile.

Das Problem einer noch nicht eingespielten Mannschaft wird Sie auch in die Punkterunde begleiten.

Ja. Ein bisschen Sorge habe ich schon vor den ersten Spielen in der Meisterschaft. Es gibt auch noch ein paar Verletzungsprobleme aus der vergangenen Saison. Grundsätzlich bin ich aber zuversichtlich, von Tag zu Tag wird es besser. Wir haben die ersten zwei Wochen knallhart trainiert.

Welchen Eindruck haben sie von Ihrer neuen Mannschaft?

Wir haben sehr gute Leute, die gern an sich arbeiten, die sich verbessern wollen. Die auch sehr kommunikativ sind. Alles in allem ist es sehr gut für mich als Trainer, man muss den Spielern nicht in den Hintern treten.

Ihre Mannschaft setzt sich aus Spielern aus verschiedenen skandinavischen Ländern zusammen. Wie verstehen sich Dänen, Schweden, Norweger und Isländer – sprachlich und charakterlich?

Wir Skandinavier verstehen uns sehr gut, auch sprachlich. Das ist kein Problem, auch nicht mit Isländern. Sie haben Dänisch in der Schule, da geht das blitzschnell. Auch Jacob Heinl versteht schon viel – noch versteht er viel besser Dänisch, als er spricht. Aber das kommt noch.

Heinl ist bei der SG Flensburg-Handewitt nicht weit von der deutsch-dänischen Grenze groß geworden. Wie haben Sie es geschafft, ein Urgestein des aktuellen deutschen Meisters nach fast 20 Jahren bei der SG nach Ribe-Esbjerg zu locken?

Jacob ist ein Geschenk für uns. Ein guter Typ, den ich als jungen Spieler zu meiner Zeit als Trainer in Flensburg kennengelernt habe. Inzwischen hat er viel Erfahrung und hilft uns in der Abwehr, aber auch im Angriff.

Was Erfahrung angeht, haben in Kasper Nielsen und Rasmus Lind zwei ganz routinierte Spieler Ribe-Esbjerg verlassen.

Ja, aber wir haben immer noch genug erfahrene Spieler im Kader. Fünf, sechs sind um die 30, der Rest sind jüngere Spieler.

Ist die Kaderplanung für die neue Saison abgeschlossen?

Wir schauen noch nach einem linken Rückraumspieler. Gesucht wird ein Ersatz für Jacob Holm, den wir an die Füchse Berlin verloren haben. Wir haben ein paar Optionen, vielleicht ist in Ehingen ja schon ein neuer Mann dabei.

Was erwarten Sie von Ihrer Mannschaft beim Sparkassen-Cup?

Wir wollen möglichst alle Spiele gewinnen, aber das wird schwierig, weil wir in der Saisonvorbereitung gegenüber den deutschen Mannschaften hintendran sind und wir außerdem gegen Nantes spielen, das im Champions-League-Finale stand. Wir werden kämpfen, um gute Resultate zu erzielen. Wir wollen das Gefühl haben, alles versucht zu haben und wenn wir dann noch ein oder zwei Spiele gewinnen, sind wir zufrieden.

Welche Art von Handball wollen Sie von Ihrer Mannschaft sehen?

Schnell, schnell, schnell, so soll unser Spiel sein. Viel über Tempogegenstöße. Das ist typisch skandinavisch.

Tickets für den Cup

Der Kartenvorverkauf für den Sparkassen-Cup ist geschlossen. Tickets sind noch an der Tageskasse in der Längenfeldhalle erhältlich. Eine Tageskarte für Samstag, 11. August, kostet 25 Euro (ermäßigt zehn Euro) und für Sonntag, 12. August, 20 Euro (zehn Euro). Ein Wochenendticket für beide Tage kostet 40 Euro (15 Euro). Am Samstag werden vier Spiele ausgetragen (Nantes und Göppingen treffen jeweils auf Stuttgart und Ribe-Esbjerg), am Sonntag geht es in den Spielen TVB Stuttgart – Ribe-Esbjerg HH und HBC Nantes – Frisch Auf Göppingen dann um den Turniersieg. Alle Informationen zum internationalen Handballturnier gibt es auf der Internetseite www.sparkasse-ulm-cup.com.

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