KSC Ehingen: Sehnsucht nach alter Stärke

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Mit der Rückkehr von Bernard Stvoric als Trainer zum KSC Ehingen (die SZ berichtete) verbindet der Fußball-B-Ligist die Hoffnung auf die Rückkehr zu besseren Zeiten. Die Vereinsverantwortlichen und der neue Coach kündigten einige Veränderungen an, schon in der Winterpause und erst recht zur kommenden Saison 2019/20. Der vorletzte Tabellenplatz, den der Kroatische Sportclub derzeit belegt, stellt bei dem Ehinger Verein niemanden zufrieden.

„Wir wollen an frühere Jahre anknüpfen“, sagt Bernard Stvoric. An Zeiten, die ein Jahrzehnt und länger zurückliegen und in denen der KSC Ehingen eine Spitzenmannschaft der Kreisliga A war und sogar in der Bezirksliga kickte. Stvoric spielte damals für das Team, das ins Bezirksoberhaus aufstieg. Doch die Mannschaft blieb nicht lange zusammen, auch Stvoric verließ den Verein, spielte andernorts und wurde Trainer. Der KSC stieg derweil 2004 in die Kreisliga A ab, spielte in der A-Liga noch einige Jahre eine gute Rolle, ehe man 2010 als abgeschlagenes Tabellenschlusslicht in die Kreisliga B runter musste.

In der ersten Saison in der untersten Liga mischte der Verein noch vorne mit, aber bald reihte sich der KSC auf den hinteren Plätzen ein, um sich dann für ein Jahr sogar vom Spielbetrieb zu verabschieden. Zur Saison 2014/15 kehrten die Ehinger Kroaten zurück, wurden Letzte, ehe sich in den vergangenen beiden Jahren mit Rang zehn (von 15 Teams) und neun (von 14) in der B1 ein leichter Aufwärtstrend abzeichnete. In der laufenden Saison 2018/19 besteht die Kreisliga B1 nur noch aus zwölf Mannschaften, der KSC ist Vorletzter mit nur sieben Punkten aus 13 Spielen. Eine frustrierende Bilanz für die Vereinsverantwortlichen, die Spieler sowie die Trainer, denn es gab in der Vorrunde bereits einen Wechsel: Mit Donav Jordan war der Verein in die Runde gestartet, doch die Zusammenarbeit endete früh, Davor Duvnjak übernahm. Nun übernimmt Bernard Stvoric.

Lange Trainer im Bezirk Riß

Der KSC habe mehrmals bei ihm angeklopft, sagt Stvoric, der den Verein in den 1990er-Jahren mitbegründet hatte. „Man hat mich schon früher gefragt, aber ich war in einem anderen Bezirk tätig.“ Stvoric war viele Jahre im Bezirk Riß tätig, trainierte Juniorinnen und Frauen in Alberweiler, wo seine Töchter spielen, und zuletzt den Männer-Bezirksligisten SV Reinstetten, bei dem er im Oktober zurücktrat. Damit war er frei für seinen Heimatverein und zögerte nicht mit der Zusage. „Ich bin dem Verein einiges schuldig“, sagt Stvoric, der auch um die Probleme des KSC in der jüngeren Vergangenheit weiß. „Der Verein hat schwere Zeiten durchgemacht.“ Oder, wie der Vorsitzende Danijel Majic es formuliert: In den vergangenen Jahren „hat nicht wirklich viel funktioniert“.

Beim KSC freut man sich über die Rückkehr von Stvoric. „Wir sind froh, so jemanden zu bekommen“, sagt Majic. „Mit seiner Erfahrung ist er für uns Gold wert.“ Majic und der stellvertretende Vorsitzende Jure Vojkovic sehen in Stvoric einen Mann, der „den KSC zu alter Stärke zurückführen kann“. Die laufende Runde wolle man „möglichst gut“ zu Ende bringen, so Majic. „Nächste Saison wollen wir uns stabilisieren und vorne mitspielen.“ Im Sommer 2019 soll die Mannschaft verstärkt und verjüngt werden, wobei Stvoric Zugänge schon in der Winterpause der laufenden Spielzeit andeutet. „Wir wollen jetzt mit den Veränderungen beginnen und uns schon ein bisschen verstärken“, sagt er. „Auch damit das Umfeld sieht: Es tut sich was.“

Der KSC Ehingen will die B-Liga eines Tages hinter sich lassen, in die Kreisliga A zurückkehren und da eine gute Rolle spielen. „Wir haben unsere Ziele definiert und wollen sie in den nächsten fünf Jahren realisieren. Aber nicht auf Biegen und Brechen“, sagt Danijel Majic. Um zu wachsen, soll Stvoric beim KSC nicht nur sportlich Impulse setzen, sondern auch mithelfen, die Strukturen im Verein zu verbessern. „Er weiß, was im Fußball zur Professionalität dazugehört.“

Fans zurückgewinnen

Majic, Vojkovic und Stvoric wollen auch wieder mehr Landsleute für den Verein begeistern. „Das Potenzial ist groß“, sagt der Vorsitzende des Vereins. Dies wurde ihnen erst im vergangenen Jahr wieder vor Augen geführt worden, als Danijel Majic, Jure Vojkovic und Igor Pancic zum WM-Endspiel zwischen Kroatien und Frankreich ein Public Viewing auf dem Ehinger Marktplatz organisiert hatten. Tausende kamen. Im KSC hofft man, den einen oder andere der vielen in Ehingen und Umgebung lebenden Kroaten dazu zu bewegen, sich Kreisliga-Spiele anzuschauen oder sich im Verein zu engagieren. „Wir brauchen unsere Fans zurück, wir wollen das Vertrauen unserer Landsleute zurückgewinnen, dass sie wieder zum Sportplatz kommen und uns unterstützen“, so Stvoric. „Das wollen wir ihnen mit guten Leistungen danken.“

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