Kinder bauen antiken Getränkeautomaten

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Kreativ waren die Kinder beim Sommerprogramm.
Kreativ waren die Kinder beim Sommerprogramm. (Foto: SZ- dtp)

Sich selbst öffnende Türen, Batterien und Getränkeautomaten sind keine Erfindungen der Neuzeit. Buchautorin Silke Vry hat erforscht, dass es solche Dinge bereits vor 2000 Jahren in der Antike gab. Am Donnerstag war sie in der Ehinger Konvikt-Schule zu Gast, um mit Kindern eine solche Erfindung nachzubauen. Die Veranstaltung war Teil des Sommerprogramms für Kinder der Ehinger Stadtbücherei.

Je drei Plastikflaschen und einen Schuh- oder Weinkarton haben die 17 Kinder am Donnerstag zum Mitmach-Programm mitgebracht und waren gespannt auf die Reise in die Vergangenheit. Silke Vry führte den Kindern vor, was sie selbst innerhalb von dreieinhalb Stunden basteln sollten: einen Getränkeautomaten, der Leitungswasser in köstlichen Apfelsaft verwandelt. „Solche Geräte standen tatsächlich vor 2000 Jahren vor den Tempeln“, erklärte Vry. Doch statt aus Pappkarton und Plastikflaschen waren sie aus Stein und Kupfer.

„Kam ein Pilger vorbei, wurde sein mitgebrachtes Wasser mittels des Geräts in Wein verwandelt“, erklärte Vry und führte es an ihrem Exemplar vor: Sie kippte oben in einen Trichter Wasser in den Karton und aus einem Röhrchen weiter unten am Karton kam roter Saft heraus. „Der Wein wurde dem Gott geopfert, der den Tempel besaß“, erklärte die Autorin, die nach ihrem Abitur Kunstgeschichte, Archäologie und Volkskunde studiert hatte und in Jordanien, Syrien und Libanon mithalf, alte Städte, Gebäude und Statuen ans Licht zu holen. Seit mehreren Jahren schreibt sie Bücher über Kunst und Archäologie speziell für Kinder und Jugendliche.

Menschen glaubten an Wunder

Mit den Kindern in der Ehinger Konvikt-Schule besprach sie auch die physikalischen Prinzipien hinter dem Getränkeautomaten: In dem Karton stecken zwei Plastikflaschen, die über ein Rohr miteinander verbunden sind. Kippt man über einen Trichter, der aus der dritten Flasche gebaut wird, in die eine Flasche im Karton Wasser, drängt Luft in die zweite, die mit Saft gefüllt ist. Über einen Strohhalm entweicht der Saft nach draußen. „Über den Druck funktioniert das“, wusste eines der Kinder sofort. Doch wer das in der Antike nicht wusste, glaubte tatsächlich an ein Wunder, sagte Vry.

Dann gingen die Kinder ans Werk und gestalteten als erstes den Karton. Vry hatte dazu Fotokopien mitgebracht, auf der zum Beispiel ein Medusenkopf zu sehen war. „Der Karton soll Glauben machen, dass darin alles möglich wird“, sagte die Autorin. Am Ende hatten alle Kinder ein Gerät gebaut, mit dem sie ihre Bekannten nun zum Staunen bringen können.

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