Irische Tänzer lassen die Absätze klackern

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Die Tänzer steppten immer wieder in anderen Formationen und rissen so das Ehinger Publikum mit.
Die Tänzer steppten immer wieder in anderen Formationen und rissen so das Ehinger Publikum mit. (Foto: SZ- Körner)
Barbara Körner

Die Iren sind ein sehr frommes und fröhliches Volk, tief in ihrer Religion, Mystik und Liebe zur Heimat verwurzelt, das wird in den Tänzen und der Musik der „Danceperados“ zum Ausdruck gebracht. Aus allen Teilen der Welt zieht es die Iren zu Weihnachten auf ihre grüne Insel. So begrüßte Sängerin Geraldine MacGowan ihre Musiker als heimgekehrte Söhne und Töchter, die auf typisch irischen Instrumenten wie dem Bodhrán, einer Rahmentrommel, einer keltischen Harfe, einem irischen Akkordeon und einer Fiedel sowie einer Gitarre schon für sich am Sonntag in der Ehinger Lindenhalle eine mitreißende Show ablieferten.

Doch dann ließen dazu die sechs Tänzerinnen und drei Tänzer ihre Absätze klacken und gaben damit einen ganz eigenen Rhythmus vor. In immer wieder anderen Formationen steppten sie, bis die Eisen an den Schuhen scheinbar zu glühen begannen. Volkstänze, wie sie die früher von Dorf zu Dorf ziehenden Master of Dance lehrten, lebten wieder auf, durchmischt wurden sie von Bräuchen aus der Keltenzeit, die tief im irischen Volksglauben verwurzelt waren. Landschaftsaufnahmen vom winterlichen Irland, auf eine kleine Leinwand geworfen, sollten die Besucher zusätzlich in die richtige Stimmung für den irischen „Ghost of Christmas“ bringen.

Zum Klatschen, Stampfen, Juhu-Schreien forderten die Musiker das Publikum auf, „terrible“ wurde der erste Versuch beurteilt, doch die Zuschauer konnten es auch besser und gingen begeistert mit. Tolle Soli von Deirdre Ó Mechair auf der Harfe und auf der Fiedel begeisterten immer wieder, ebenso die Trommelsoli von Conor Martin.

Für alle Iren, die Weihnachten nicht nach Hause können, sang Gitarrist Ian Smith „Weihnachten in Irland ruft mich nach Hause“. Dort wird, so erzählte Geraldine MacGowan, immer eine Flasche Whisky auf dem Küchenschrank in Reserve für Heimkehrer gelagert. So schloss sich der Kreis zwischen Weihnachten und Whisky.

Die Tänzerinnen zeigten mit weichen Tanzschuhen, dass sie über eine klassische Tanzausbildung verfügten. Ähnlich wie in der alemannischen Fasnacht ziehen sich die jungen Burschen wilde Strohkostüme am letzten Abend im Jahr über und erschrecken so ihre Mitbürger. Die Tänzer der Danceperados taten das nach der Pause und stürmten als „Wren-Boys“ abenteuerlich in Stroh gehüllt wilde Schreie ausstoßend durch die Lindenhalle. In alter Zeit wurde auch noch ein toter Zaunkönig mitgeführt und mit dem alten Jahr beerdigt.

Atemberaubend, nahezu artistisch und eine ungeheure Kondition erfordernd eine Tanzeinlage von zwei der Tänzer nur begleitet von Trommler Conor Martin. Immer im Wechsel mit reinen Instrumental- und Gesangnummern kamen die Tänzer in ständig neuen Kostümen und Formationen mit ihren Interpretationen irischer Volkstänze auf die Bühne. Die zwei Stunden mit irischer Musik, Liedern und Tanz vergingen für die Zuschauer in der ausverkauften Lindenhalle viel zu schnell.

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