Immer weniger Bestattungen im Sarg

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Vom Baum geborgen: Urnenstelen auf dem Ehinger Friedhof.
Vom Baum geborgen: Urnenstelen auf dem Ehinger Friedhof. (Foto: SZ- Prandl)

Wie kein anderer Monat ist der November für Viele die Zeit zur Besinnung, Trauer und zum Gedenken an die Toten. Düstere Tage und neblige Landschaften bilden den passenden Rahmen, um in sich zu gehen. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. Verändert hat sich allerdings die Friedhofskultur in der jüngsten Vergangenheit. Die Zahl der Bestattungen im Sarg geht immer mehr zurück. Hingegen steigt die Nachfrage nach Möglichkeiten einer Bestattung, die wenig Pflege benötigt.

Mit Harke und Schaufel knien Menschen hier und dort an Gräbern auf dem Ehinger Friedhof, eine Tüte Blumenerde griffbereit. Sie pflegen die Gräber ihrer Angehörigen. Gräber mit Blumen, Sträuchern, Kreuzen und verzierten Grabsteinen reihen sich aneinander. Bei einigen leuchtet ein Licht. Den Gräbern ist anzusehen, wie viel Arbeit in ihre Pflege gesteckt wurde. Doch erklärt die Ehinger Stadtverwaltung, dass immer mehr nach Bestattungsmöglichkeiten gefragt wird, die weniger Pflege benötigen. „Deshalb bietet die Kommune stadtgepflegte Gräber an“, erklärt Stadtpressesprecherin Bettina Gihr.

Ganz unterschiedliche Grabformen

Auf dem Ehinger Friedhof gibt es mittlerweile ganz unterschiedliche Grabformen: Erdbestattungen, Rasen- und Urnengräber, Reihengräber mit Sarg oder Urne, ein anonymes Urnensammelgrab, Urnengräber mit Grabpflege und individuell zu erwerbendem Grabstein, aber auch ein Urnenreihengrab im Gemeinschaftsgrabfeld inklusive Stein mit Beschriftung und Grabpflege. Desweiteren gibt es ein Urnenreihengrab im Baumbereich mit Grabpflege und Stele mit Beschriftung. Auch gibt es bereits ein Muslimengrabfeld für Bürger der Stadt Ehingen und deren Teilorte. Konkrete Überlegungen zu einem Friedwald gibt es, so die Stadtpressesprecherin, derzeit allerdings nicht. Dabei können Urnenbestattungen im Wald stattfinden, die Natur würde quasi die Grabpflege übernehmen.

In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert. „Im Verhältnis wird zu rund 70 Prozent eine Urnenbestattung gewünscht und 30 Prozent wollen eine Sargbestattung“, erklärt Stadtpressesprecherin Bettina Gihr. „Der uns am häufigsten genannte Grund ist, dass der Pflegeaufwand bei einem kleineren Grab geringer ist.“ Das gilt natürlich auch für das Rasengrab, auf das, wie der Name sagt, nach der Bestattung Rasen gesät wird. Auch bei einer Urnenstele hält sich der Pflegeaufwand in Grenzen. In eine Stele können eine oder mehrere Urnen beigesetzt werden. Sie besteht meist aus einem Stein oder aus Beton.

Längere Ruhezeit in Dächingen

Die Ruhezeit für eine Urne beträgt 20 Jahre bei allen städtischen Friedhöfen, bei einer Sargbestattung ebenfalls 20 Jahre. Im Ehinger Teilort Dächingen ist das allerdings anders: Wegen der besonderen Bodenbeschaffenheit verbunden mit einer längeren Verwesungszeit beträgt die Ruhezeit bei Sargbestattungen auf dem Friedhof hier 30 Jahre.

Nennenswerte Veränderungen stehen auf dem Ehinger Friedhof laut Stadtverwaltung, Stand jetzt, erst einmal keine an.

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