Hitze: Landwirte verlieren teilweise die Hälfte der Ernte

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Trockene Böden, die gar nicht mehr bearbeitet werden können, bleiben nach der Ernte zurück.
Trockene Böden, die gar nicht mehr bearbeitet werden können, bleiben nach der Ernte zurück. (Foto: dpa)

Die Hitze und Trockenheit in diesen Tagen macht den Landwirten schwer zu schaffen. Nicht nur, dass sie wie andere auch, unter der sengenden Sonne ihre Arbeit verrichten: Der Ertrag ihrer Arbeit hängt von den Wetterbedingungen ab. „In der Dimension und so flächendeckend habe ich das noch nie erlebt“, sagt Hanns Roggenkamp, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen über die extreme Wetterlage und ihre Auswirkung. Sorgen macht sich der Landwirt aus Ermelau zurzeit besonders um die Futterversorgung für die Tiere.

„Das Gras ist stellenweise braun und verdorrt“, sagt Roggenkamp. Daher gehe er davon aus, dass ein kompletter Schnitt an grünen Pflanzen verloren sei. Vier bis fünf davon gebe es im Jahr. Durch die derzeitige Lage sei die Grundfutterversorgung für den Winter bedroht. „Nur die Pflanzen, die tiefer wurzeln und aus tieferen Schichten Wasser ziehen, zum Beispiel Luzerne, können sich halten.“

Und auch beim Mais sehe es nicht viel besser aus. Teilweise seien die Pflanzen weiß und verdorrt, Kolben würden sich gar nicht mehr bilden. „Da fehlt dann natürlich die Stärke im Winter“, sagt Roggenkamp. Sehen könne man die trockenen Maispflanzen zum Beispiel auf Feldern zwischen Kirchen und Schlechtenfeld, aber auch zwischen Allmendingen und Schelklingen. „Das Wasser fehlt“, erklärt der Landwirt. Eigentlich sei der Mais eine phänomenale Pflanze, die ihre Blätter bei Trockenheit einrolle und in der Nacht verbreitere, um den Tau einzufangen. „Der Mais kommt eigentlich mit extrem wenig Niederschlag zurecht.“ Der Tau könne fehlenden Niederschlag kompensieren – doch derzeit gebe es auch keinen Nachttau.

Hoffnung auf Regen

Fehle das Futter im Winter, müssten die Landwirte reagieren, indem sie etwa die Anzahl der Tiere reduzieren. „Die Tiere werden dann etwas früher geschlachtet oder man verkauft sie – egal wie.“ Wenn es bald regne, bestehe aber noch Hoffnung: „Dann kann man das alte Gras abräumen und neue Futterpflanzen hochziehen.“

Waldbrandgefahr: Luftbeobachter starten vom Flugplatz Illertissen
30 Grad und mehr – Die Hitzewelle in Europa hat teilweise zu schweren Waldbränden geführt. Auch bei uns in der Region besteht wegen der Hitze aktuell akute Waldbrandgefahr. Deshalb hat die Regierung von Schwaben sogenannte Beobachtungsflüge über die gefährdeten Gebiete angeordnet. Und einer dieser Flüge, ist gestern vom Flugplatz in Illertissen gestartet. Wir waren mit der Kamera an Bord.

Eine finanzielle Unterstützung durch den Staat befürwortet Roggenkamp, auch wenn er davon ausgehe, dass eine Milliarde Euro nicht einmal ausreichen werden. „Ich vermute auch, dass es darauf hinauslaufen wird, dass jeder Landwirt nachweisen muss, um wie viel kleiner sein Ertrag im Vergleich zu den Vorjahren ist und dass man 30 Prozent unter dem Schnitt der Vorjahre liegen muss.“ Eine alternatives Modell dazu wäre eine steuerliche Ersparnis der Betriebe in Zeiten, in denen es gut läuft.

Im Gegensatz zur Region um Mannheim, Brandenburg oder den Gegenden weiter im Norden sei man hier im Alb-Donau-Kreis mit der Ernte bisher aber noch mit einem blauen Auge davongekommen, sagt Roggenkamp. „Im Vergleich haben wir in der Region noch eine relativ gute Ernte.“ Nur punktuell seien die Flächen in der Region betroffen. Wegen des steinigen Bodens auf der Schwäbischen Alb gebe es natürlich auch extreme Ernteverluste. „Teilweise fehlen 40 bis 50 Prozent des Ertrags.“

Früchte fallen von Bäumen

Am Dienstag habe er sein letztes Getreide gedroschen, sagt der Allmendinger Landwirt – auch das eine Besonderheit: „Noch nie habe ich die Getreideernte im Juli beendet.“ Das Getreide sei qualitativ sehr gut. Teilweise würden in der Region aber noch Getreide und Raps stehen. „Die Bodenbearbeitung nach der Ernte ist nicht mehr möglich, weil der Boden teilweise so hart ist“, sagt Roggenkamp. Die Obstbäume würden schön voll hängen, doch würden die Früchte zum Teil schon fallen, weil der Baum sie nicht mehr versorgen könne.

Allgemein regt der Landwirt an: „Die Leute müssen wieder bewusster mit Lebensmitteln umgehen. Sie sollten sparsamer mit Trinkwasser umgehen und darauf achten, dass nicht so viel Essen in der Mülltonne landet.“ Bei einem globalen Ereignis komme man ganz schnell an die Grenzen, sagt Roggenkamp und erinnert an den Vulkanausbruch in Indonesien vor 200 Jahren, als die Aschewolke die Sonne verdeckt hat und im Juli noch Schnee auf der Schwäbischen Alb lag – ein Elendsjahr. „Vielen ist nicht bewusst, wie gering die Nahrungsmittelreserven sind, die wir haben.“

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