Helfen bringt Freude: Ein Ausbildungszentrum mitten im Busch

Das Berufsbildungszentrum.
Das Berufsbildungszentrum. (Foto: Fotos: Wegive)
Redakteurin

Gemeinsam mit den Menschen vor Ort plant der Verein Wegive ein Berufsausbildungszentrum in Ghana. In den vergangenen Jahren sind dafür viele Vorbereitungen getroffen worden – unter anderem musste ganz profan die Wasserversorgung vor Ort gesichert werden – nun soll der tatsächliche Bau der Schule beginnen.

Kein Sponsorenlauf, kein Afrikatag, keine Veranstaltungen: Alle Gelegenheiten, bei denen sich der Verein Wegive normalerweise präsentiert, sind dieses Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Für den Verein wird das zum Problem, nicht nur wegen der entgangenen Spendeneinnahmen, sagt der Vorsitzende Karl Glöckler aus Ehingen. „Es ist schwierig, im Bewusstsein der Bevölkerung zu bleiben.“

Masken erlösen mehrere tausend Euro

Über den Verkauf von Masken, die viele fleißige Hände genäht haben, hat der Verein mehrere tausend Euro eingenommen. Doch die fließen nicht ins Berufsausbildungszentrum, wie Glöckler erklärt, sondern unter anderem in Masken, Seifen und Desinfektionsmittel, die in den Schulen in New Yakasi dringend benötigt werden. „Das hat die Kosten, die durch Corona angefallen sind, etwas abgefedert“, ergänzt der Vorsitzende. Und nur durch diese Spenden und die damit getroffenen Vorkehrungen konnten die Abschlussklassen trotz Pandemie ihre Prüfungen schreiben. „Der Alltag dort ist eingeschränkt, obwohl es keinen richtigen Lockdown gibt“, sagt Glöckler. So läuft beispielsweise aktuell der Betrieb von Schulen und Kindergärten nicht wie gewohnt.

Die Freude ist groß.
Die Freude ist groß. (Foto: wegive)

Doch trotz der Pandemie und den Problemen, die diese mit sich bringt, will der Verein sein eigentliches Projekt weiter vorantreiben. Die Wasserversorgung mitten im Busch ist nun sichergestellt, der 60 Meter tiefe Brunnen liefert dauerhaft Trinkwasser. Eine Photovoltaikanlage liefert den Strom für die Wasserpumpe und auch ein Technikhaus, in dem Stromspeicher, Wasserleitungen und sanitäre Anlagen untergebracht sind, ist fertig. Alleine dafür hat der Verein etwa 22 000 Euro nach Afrika überwiesen.

Unterrichtsgebäude für Berufsschulklassen

Nun soll ein Unterrichtsgebäude entstehen, das künftig drei Berufsschulklassen beherbergt. Etwa 64 000 Euro haben die Mitglieder von Wegive dafür veranschlagt, ein Teil davon liegt auf den Konten des Vereins schon bereit.

Perspektivisch können in dem Gebäude Elektriker, Maurer, Zimmerer und Mechaniker ausgebildet werden. Geht alles gut sogar schon ab Herbst 2021. „Aber wir brauchen noch weitere Spenden, um den endgültigen Startschuss geben zu können“, sagt Glöckler.

Ein Problem ist aber, dass aktuell niemand aus Deutschland vor Ort ist, um zu koordinieren und in den Schulen mit zu arbeiten. Normalerweise sind meist junge Frauen über den Weltfriedensdienst in New Yakasi und halten die Verbindung in die Region und vor allem zum Verein.

Anliegen der Menschen vor Ort

Glöckler ist trotzdem voller Hoffnung, dass mit dem Bau des Berufszentrums alles gut geht. „Denn das war ein Anliegen der Menschen vor Ort.“ Der dortige Pfarrer Josef Otoo, der enge Verbindungen zur Kirchengemeinde in Blaustein hält, kam einst auf den Verein zu und hat um Unterstützung gebeten, erinnert sich Karl Glöckler an die Anfänge.

Die Schule sollen, wenn sie kommendes Jahr fertig wird, Frauen und Männer besuchen können. Von allen Schulabgängern vor Ort (etwa 350 jedes Jahr) wechseln aktuell, so Glöckler, 30 Prozent nach dem Abschluss der Junior Highschool auf eine weiterführende Schule. Der Rest verdingt sich ungelernt in der heimischen Landwirtschaft oder als Tagelöhner.

Besuch der Schule ist nicht kostenlos

Der Besuch der Berufsschule wird aber nicht kostenfrei möglich sein, das sei in Ghana auch nicht Sitte. Trotzdem ist dem Verein wichtig, dass jeder die Möglichkeit hat, die Schule zu besuchen. „An der finanziellen Seite soll es nicht scheitern“, versichert Karl Glöckler. Eventuell können die Schüler eine Art Kredit aufnehmen und diesen dann mit Eintritt in die Berufstätigkeit nach und nach zurückzahlen. Beispiele für solche Modelle gibt es laut Glöckler einige.

Mit dem Berufsausbildungszentrum soll das Engagement in New Yakasi nicht beendet sein. Ideen gibt es genug: Mensa, Sportplatz, Übernachtungsheim, weitere Klassenräume. Doch vorher wollen sich die Vereinsmitglieder vor Ort selbst ein Bild machen. Das war eigentlich schon für dieses Jahr geplant, konnte dann aber nicht stattfinden. „Das wäre wichtig gewesen, um Gespräche zu führen“, betont Glöckler, der aber froh ist, dass er 2017 schon mal vor Ort war und viele Leute kennt.

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