Hausarrest für Hühner wird verlängert

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Auch die Hühner von Hobbyzüchter Julian Reichle aus Ehingen müssen derzeit im Stall bleiben.
Auch die Hühner von Hobbyzüchter Julian Reichle aus Ehingen müssen derzeit im Stall bleiben. (Foto: Archiv- meni)

Geflügel muss im Alb-Donau-Kreis noch bis mindestens 15. März im Stall bleiben. Seit dem heutigen Donnerstag gilt die Allgemeinverfügung des Landratsamtes für die 1505 Geflügelhalter im Kreis, auch wenn in der Region noch kein einziger Fall von Vogelgrippe nachgewiesen werden konnte. Den Haltern macht die Stallpflicht zunehmend zu schaffen. Sie müssen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere schaffen. Manche Besitzer von Wassergeflügel haben ihre Tiere schon längst geschlachtet.

Etwa 350 Hühner in zwei Ställen auf dem Hof von Hugo Raiber in Griesingen haben seit Monaten nicht mehr richtig im Freien gescharrt. 200 der Tiere haben eine Art Wintergarten, der Rest muss drinnen bleiben. „Die vergangenen 14 Tage hat das nichts ausgemacht, weil die Hühner schneeblind sind“, sagt Bio-Landwirt Hugo Raiber. Und er hofft, dass die vergangenen Monate des Hausarrests noch etwas Gutes haben: „Der Habicht hat meine Hühner jetzt hoffentlich vergessen.“ Doch jetzt, wenn der Frühling langsam kommt und junges Gras sprießt, fürchtet er, dass die Hühner ungeduldig werden. Mehr Einstreu und Futterrüben zum Picken bietet Raiber seinen Tieren aktuell „als Ablenkung“ an. „Doch den Auslauf kann das nicht ersetzen.“ Immerhin: Noch sind die Tiere nicht aufeinander losgegangen. Hugo Raiber hat aber festgestellt, dass er momentan mehr Muschelkalk braucht als gewöhnlich. „Vielleicht weil den Tieren die Steine draußen fehlen.“ 150 Hühner aus einem der Ställe wird Raiber bald schlachten. „Die neuen Hühner müssen sich sowieso an den Stall gewöhnen“, versucht der Landwirt eine weitere positive Seite zu sehen.

Ähnliche Situation in Erbach und Oberstadion

Auch Raibers Kollegen in Oberstadion und Erbach haben mit der Einstallpflicht mehr und mehr zu kämpfen. „Wenn es wärmer wird, drücken die Hühner genauso ins Freie wie wir Menschen auch“, sagt Diane Jäger aus Oberstadion, die hofft, dass die Einstallpflicht nicht nochmals verlängert wird. Dem schließt sich Landwirt Konstantin Magg an. „Die Kunden haben Verständnis dafür, dass die Hühner im Stall sind und die Eier trotzdem Freilandeier heißen. Aber wenn das so weiter geht, wäre das blöd.“

25 Wildtiere aus dem Landkreis sind im Diagnostikzentrum in Aulendorf seit dem Ausbruch der Vogelgrippe untersucht worden. „Infiziert war keines mit dem Virus“, bestätigt Pressesprecher Bernd Weltin.

Biolandwirte und Landwirte, deren Hühner normalerweise im Freien sind, hat die Stallpflicht anfangs vor Fragen gestellt: Dürfen die Eier weiterhin als Freilandeier oder Bioeier deklariert werden, obwohl die Hühner seit Wochen keinen Freigang hatten? Den Unterschied merken auch Konsumenten, schreibt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn die zahlen für Freiland- und Bioeier mehr Geld als für Eier von Hühnern in Bodenhaltung. Das Regierungspräsidium in Tübingen teilt auf Nachfrage mit: „Bio-Eier dürfen daher in Baden-Württemberg trotz der risikoorientierten regionalen Stallpflicht für Geflügel, die bis zunächst 15. März gilt, weiterhin als Bio-Eier verkauft werden.“ Auch wenn die Hühner nicht mehr so viel Zeit im Freien verbringen, wie gefordert.

Auswirkungen hat die Stallpflicht auch auf Hobbyzüchter. Julian Reichle aus Ehingen hält 17 Zwerghühner in einem „relativ großen Stall“. Mehrmals am Tag bietet er seinen Hühnern nun Korn und Salat an, damit sie was zum Picken haben. Zudem mistet er nun zwei Mal pro Woche aus. „Die Rasse ist ziemlich ruhig“, sagt Reichle. Auch deswegen seien die Tiere wohl noch nicht aufeinander losgegangen. Weggefallen ist für die Hobbyzüchter in den vergangenen Monaten allerdings der Wettbewerb untereinander. Nur auf der Kreisschau Anfang November in Laupheim konnten einige ihre Tiere noch präsentieren.

Enten alle geschlachtet

Hart getroffen hat die Stallpflicht Manfred Schmucker aus Allmendingen, der Enten gehalten hat. „Ich habe meine Tiere in die Gefriere eingestallt“, legt er Galgenhumor an den Tag. „Wassergeflügel im Stall, ohne täglich frisches Wasser: Das tue ich meinen Tieren nicht an“, begründet er seinen radikalen Schritt. „Das ist ein schönes Hobby, aber nicht, wenn ständig eine Einstallpflicht kommt“, ergänzt Schmucker, der plant, wieder Enten anzuschaffen, wenn die Sperre aufgehoben ist. „Das ist eigentlich eine Sauerei, was man den Tieren da antut.“

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