Hannes bügelt des Bürgermeisters Hose

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So bügelt Amtsbote Hannes dem Bürgermeister die Hose, wenn Not am Mann ist.
So bügelt Amtsbote Hannes dem Bürgermeister die Hose, wenn Not am Mann ist. (Foto: SZ- kurt efinger)
Kurt Efinger

Den berühmte Satz: „Ich höre mich nicht ‚Nein‘ sagen“ hat man nicht vernommen beim diesmaligen Auftritt von Hannes und seinem Bürgermeister in der Lindenhalle. Zweimal hintereinander wie immer auf Tournee zogen sie auch in Ehingen diese Woche ihre Show ab.

„En scheena guedda Obed“ wünschte dem erwartungsvoll und lachbereit im ausverkauften Saal sitzenden Publikum erst einmal das Quartett von Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle. Manfred „Manne“ Arold, Michael „Flex“ Flechsler, Marcel „Selle“ Hafner und Benny „Banano“ Jäger setzten die von Peter Kreuder gestohlene Muppetshowmelodie an den Beginn ihrer heiterkeitserregenden Zwischenaktmusiken und ließen sich nach jedem Sketch der Hauptakteure des Abends weitere witzige Gags einfallen. „Mier send a ganz oifacha Kabbäll“, vernahm man nach der ersten Nummer.

„S’Dengga kommd midd em Drengga“, deutete darin Hannes den Drang nach Versorgung mit seiner geistigen Grundnahrung zwar an, wurde aber von dem nicht mehr ganz so freigebigen Bürgermeister nicht damit versorgt, weil dessen Frau die Flasche angeblich mit auf einen Kurztrip genommen hatte. Später dann, als die Flasche wieder da war, versorgte sich Hannes selbst und schenkte dem Bürgermeister auch ein Gläschen ein. Doch dieses bekam der Vordenker der Gemeinde nicht zu fassen, weil er hoch oben auf seinem neuen und von Hannes hydraulisch auf die höchstmögliche Erhabenheit gepumpten Bürostuhl thronte. Der Unterschied zwischen seiner Wenigkeit und der Obrigkeit müsse auch in der Demokratie sichtbar sein, begründete Hannes die Erhöhung des Amtsleiters zum Dorfoberhaupt. Dessen Absenkung auf Schreibtischniveau kommentierte der volkshochschulgelehrte Amtsbote mit Goethe, der schon manchen aufgestiegenen Adler als Suppenhuhn habe landen sehen. Daraufhin erst gelangte der auf den Boden der Tatsachen heruntergeholte Chef zu seiner dünnflüssigen Denkanregung.

Irgendwo so zwischendrin spielte sich auf dem Rathaus Dramatisches ab, als der Bürgermeister feststellte, dass sein in Abwesenheit seiner Frau nicht gebügelter Anzug einer Glättung bedurfte. Mit dem von Hannes herbeigeschafften Bügeleisen bearbeitete er seine zusammengewurstelte Jacke vergeblich. „Kalt bügelt es sich härter“, stellte Hannes fest, verband das Haushaltsgerät zwecks Erhitzung mit der Stromversorgung und bestrich damit den unteren Teil der Kulturuniform des Bürgermeisters. Da die Aktion am lebenden Subjekt erfolgte, hatte sie den schmerzerfüllten Wutausbruch zur Folge: „Du Seggl hosch mein Arsch vrbrendd.“

„Des isch a Sauerei“, beurteilte der Bürgermeister moralgemäß das Zusammentreffen von seiner Frau mit dem Pfarrer, dem Lehrer, dem Ochsenwirt und seinem Amtsboten in der Sauna der Nachbargemeinde. Wie der Hannes mit physikalischer Logik das Absinken eines Ochsenwirtsfurzes zu erklären weiß, zeugt von hoher Bildung. Möge sie noch viele Jahre nachwirken.

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