Grüne kämpfen gegen den Flächenverbrauch

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Annette Weinreich (vorne) mit Landtagskandidat Frieder Bohnacker (rechts) und Angela Scheffold (links).
Annette Weinreich (vorne) mit Landtagskandidat Frieder Bohnacker (rechts) und Angela Scheffold (links). (Foto: SZ- seli)
Schwäbische Zeitung

Der fast ungebremste Flächenverbrauch muss gestoppt und Alternativen dazu verfolgt werden. Dies machte die Architektin und Ulmer Stadträtin Annette Weinreich den Zuhörern am Freitagabend während eines Vortrags im Gasthaus Rose in Ehingen deutlich. Zu der Veranstaltung der Partei Bündnis 90/ Die Grünen war auch Landtagskandidat Frieder Bohnacker gekommen.

„Seit Grün-Rot an der Regierung ist, hat sich hier viel getan. Waren es 2011 noch 20 Fußballfelder, die am Tag als Fläche verbraucht wurden, sind wir heute bei acht Fußballfeldern“, informierte Annette Weinreich. „Wir sind aber noch lange nicht am Ziel. Fläche ist nun mal endlich und wenn wir so weiter machen, wird die biologische Vielfalt bedroht und Grund und Boden auf den Dörfern verliert an Wert.“

Die Stadträtin stellte den Zuhörern Alternativen zum Flächenverbrauch vor. „Flächensparen bedeutet nicht, dass sich junge Familien ihren Traum vom Einfamilienhaus nicht erfüllen oder Unternehmen in Deutschland nicht mehr expandieren können“, sagte Annette Weinreich. Die Verdichtung von Bestand sowie die Nutzung von Brachflächen stünden bei solch einer Baupolitik im Fokus. „Im Fachjargon nennt man das Flächenrecycling.“

Die Architektin nannte hier zudem den Begriff des sogenannten Donut-Systems. „Damit sind Dörfer und Gemeinden im Speckgürtel, also einem florierendem Neubaugebiet, gemeint, die zu einer Schlafstadt verkommen, da der Bestand im Stadtkern brach liegt“, erklärte Annette Weinreich. „Gerade der Alb-Donau-Kreis ist mit solchen Problemen betroffen. In vielen Gemeinden stehen Stallgebäude leer.“ Hier hakten einige Zuhörer ein und schilderten Erfahrungen zu dieser Thematik. „Ein Hof, der 30 Jahre unbenutzt war, kann nicht einfach wieder den Betrieb aufnehmen. Eine heutige Landwirtschaft kann Innerorts nicht mehr bestehen. Trotzdem haben die Besitzer hier das Entscheidungsrecht“, äußerte sich ein Zuhörer. Auch der Denkmalschutz trieb die Gäste während der Diskussionsrunde um. „Denkmalgeschützte Gebäude sind unattraktiv. So etwas geht an den Menschen vorbei und die Gemeinde verliert Einwohner“, äußerte sich der Zuhörer. „Da halte ich dagegen. Das Bewusstsein mag dort noch nicht da sein. Es ist aber für viele durchaus attraktiv“, erwiderte Annette Weinreich ein.

Bürger sollen mitreden

Die Flächennutzung, so führte die Architektin weiter aus, sollte nicht durch Bürokratie entschieden werden. „Es braucht eine verantwortungsbewusste Planung und deshalb auch eine Bürgerbeteiligung bei solchen Dingen. Sogenannte Gemeindeentwicklungspläne sehen das vor“, informierte die Architektin. Solche Pläne seien unabhängig von der politischen Lage. „Ein weiterer Ansatz zu diesem Thema stellt die Einführung einer Grundsteuer C dar“, erklärte Annette Weinreich. Dabei handele es sich um einen dritten Hebesatz zusätzlich zu den schon bestehenden beiden. Er würde Kommunen das Recht zusprechen, unbebaute Grundstücke teurer zu besteuern.

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