Gerüchte über Ehinger Flüchtlinge: Hier die Fakten

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Auch wenn die Gerüchteküche brodelt: Es werden keine Flüchtlinge in der ehemaligen Schlecker-Zentrale untergebracht.
(Foto: SZ- arc)
Tobias Götz

Die vielen Spekulationen und Gerüchte rund um das Thema Flüchtlinge machen auch vor Ehingen nicht Halt. Vor allem die sozialen Netzwerke, wie beispielsweise Facebook, heizen die Gerüchte an. Doch meist ist an den Aussagen nichts dran. Fakt ist hingegen, dass der Landkreis nun davon absieht, 140 Flüchtlinge am Ehinger Sternplatz unterzubringen.

„Habe gehört, dass in die ehemalige Schlecker-Zentrale 800 Flüchtlinge kommen sollen.“ Dieser Eintrag auf Facebook reicht aus, dass binnen weniger Minuten mehr als 40 Menschen aus Ehingen und der Region über das Thema diskutieren und ihre Beobachtungen und Vermutungen auf Facebook zu exakt diesem Thema teilen. Auch hier ist das Spektrum der Kommentare sehr unterschiedlich. Manche würden es begrüßen, manche sehen diese Aussage eher mit ängstlichen Gefühlen – ein Querschnitt der Bevölkerung eben.

Dass die Businesspark Ehingen Donau GmbH, zu deren Geschäftsführern auch Bettina Gihr von der Stadt Ehingen gehört, keine Flüchtlinge in der ehemaligen Schlecker-Zentrale unterbringen wird, macht Gihr indes nochmals deutlich. „Es gibt für den Businesspark ein klares Nutzungskonzept. Wir werden dort keine Flüchtlinge unterbringen, die Gerüchte sind Quatsch“,betont Gihr. Zudem handelt es sich an der Talstraße um ein sogenanntes Sondergebiet. „Die aktuelle Rechtssprechung verbietet in einem Sondergebiet die Unterbringung von Flüchtlingen“, erklärt Gihr und sagt: „Wir hätten abgesehen davon auch keinen Grund, Flüchtlinge in der ehemaligen Konzernzentrale Schleckers unterzubringen. Denn unser Konzept, sprich die Vermietung der Räumlichkeiten an Firmen und Dienstleister, läuft gut.“

Dass überhaupt solche Gerüchte aufkommen, erklärt sich Gihr so: „Wir haben aktuell zwei Mieter im Businesspark, die täglich Sprachkurse für Asylbewerber und Flüchtlinge anbieten. Der Internationale Bund zieht momentan in den Businesspark ein, die staatlich anerkannte Sprachschule CBZ München ist bereits vor Ort“, sagt Gihr. Deswegen sei es laut Gihr auch selbstverständlich, dass Asylbewerber und Flüchtlinge täglich im Businesspark ein- und ausgehen.

Allgemein bleibe die Ehinger Stadtverwaltung derzeit „verschont“ von weiteren Gerüchten. „Bisher bleiben die Anfragen nach wilden Gerüchten aus“, macht Gihr deutlich.

„Die nächsten Flüchtlinge in Ehingen werden in der Gemeinschaftsunterkunft am Narrenstadel untergebracht“, erklärt Josef Barabeisch, Sozialdezernent des Alb-Donau-Kreises. Wie berichtet, ist der Bau der neuen Unterkunft in Verzug. „Wir planen, im Frühjahr die 128 Menschen dort einziehen zu lassen“, sagt Barabeisch.

Die ursprünglich vom Landkreis geplante Unterbringung von rund 140 Flüchtlingen und Asylbewerbern in den leerstehenden Räumen am Ehinger Sternplatz ist indes gescheitert. „Die Haltung der Eigentümergemeinschaft hat uns dazu bewogen, von einer dortigen Unterbringung abzusehen“, sagt Barabeisch, der weiterhin pro Woche rund 100 Flüchtlinge im Landkreis unterbringen muss. „Neu ist, dass wir nun pro Woche fünf bis acht minderjährige Flüchtlinge ohne Erziehungsberichtigte unterbringen müssen. Das bedeutet, dass wir hier viel Fachpersonal benötigen, das es schlichtweg nicht gibt. Die verschiedenen Jugendhilfeorganisationen unterstützen uns allerdings dabei“, so Barabeisch, der momentan im Kreis 83 Minderjährige betreuen muss. „All diese Minderjährigen brauchen auch einen Vormund“, schildert Barabeisch das weitere Problem. In Sachen Gewalt gebe es in seinem Betreuungsbereich indes „keine nennenswerten“ Vorkommnisse.

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