Genmais hat keine Chance

Lesedauer: 5 Min
Ob der genveränderte Mais bald auch in Deutschland angebaut wird, steht derzeit noch in den Sternen. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Die umstrittene Genmaissorte 1507 steht kurz davor, in den Mitgliedsländern der Europäischen Union zugelassen zu werden. Bei der Abstimmung der EU-Staaten am vergangenen Dienstag gab es unter anderem aufgrund der deutschen Enthaltung in dieser Frage keine ausreichende Mehrheit gegen eine Anbauerlaubnis. Die Entscheidung liegt nun bei der EU-Kommission, die voraussichtlich eine Anbauerlaubnis erteilen wird.

In der Region wird das Thema vielerorts mit großem Interesse verfolgt – und mit Skepsis. Aufgrund der derzeit noch unsicheren Rechtslage wollten sich die Experten vom Landratsamt gegenüber der SZ zu diesem Thema noch nicht äußern. Derzeit gibt es sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene Gespräche darüber, wie man den Anbau der Genmaissorte in Deutschland oder Baden-Württemberg doch noch verhindern könnte, sollte sie in der EU tatsächlich zugelassen werden. Das bestätigte ein Sprecher des baden-württembergischen Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz (siehe Infokasten).

Hans Götz, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, ist sich indes sicher: Sollte die Genmaissorte in Baden-Württemberg zugelassen werden, würde ihn keiner seiner Kollegen aus dem Alb-Donau-Kreis anbauen. „Meiner Einschätzung nach kommt da von uns allen ein ganz klares Nein“, so Götz. Der Grund: Im Alb-Donau-Kreis seien die Bauern „klein strukturiert“, die Felder seien also verhältnismäßig klein. Wer aber Genmais anbaut, muss bestimmte Abstandsregeln zu anderen Feldern und Anpflanzungen einhalten. Diese Vorgaben hier in der Region zu erfüllen, sei jedoch kaum möglich, sagt Götz. „Ich glaube nicht, dass sich das irgendjemand antut, das wäre fast Selbstmord.“ Hinzu komme: Keiner der Bauern befürworte die Gentechnik. „Wenn der Verbraucher die gentechnikveränderten Produkte nicht will, und das scheint ja so zu sein, dann sind wir die letzten, die diese anbauen werden“, sagt der Landwirt.

Der Mais produziert ein Insektengift

Der US-Hersteller Dupont Pioneer hat die Genmaissorte 1507 mit zwei artfremden Genen angereichert. Vereinfacht ausgedrückt, produziert der Mais so ein Insektengift, das bestimmte Schädlinge tötet, allen voran den Maiszünsler. Das zweite artfremde Gen macht die Pflanze resistent gegenüber dem Unkrautvernichtungsmittel Glufosinat. In Ehingen und Umgebung sei der Maiszünsler jedoch nicht stark verbreitet, sagt Götz. „Die Schädlinge, die bei uns auftauchen, kriegen wir mit den herkömmlichen Methoden in den Griff.“

Angela Scheffold, grüne Kreisrätin und Mitglied im Vorstand des BUND Ehingen, ist empört über die derzeitigen Entwicklungen. Der BUND Ehingen ist Mitglied im Bündnis für eine gentechnikfreie Region um Ulm, das Thema liegt ihr daher sehr am Herzen. Scheffold kritisiert, dass die Befürworter des Genmais die möglichen Konsequenzen verharmlosen. „Im Moment kann man Auswirkungen auf den Menschen noch nicht ausschließen, denn es fehlt uns ja jegliche Langzeiterfahrung“, sagt sie.

Eine große Gefahr sieht die Grüne auch für die Biobauern. Sei der Bestand eines Feldes durch angrenzenden Genmais einmal verunreinigt, sei dies kaum mehr rückgängig zu machen.

„Wir wissen auch noch nicht, wie das in der Pflanze enthaltene Gift auf andere Tiere und den Boden wirkt. Mais wird auch gern von Wildschweinen gegessen – und so gelangt das Gift dann auch in unsere Nahrungskette“, so Scheffold. Aus diesen Gründen werde der BUND sich weiterhin dafür einsetzen, dass auch künftig kein Genmais in der Region angebaut werde.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen