Geduld im Leiden: Ehingens Stadtpfarrer spricht über Hiobs Botschaften

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Pfarrer Harald Gehrig bei seiner Lesung.
Pfarrer Harald Gehrig bei seiner Lesung. (Foto: Hog)
Friedrich Hog

Die Kirchengemeinde St. Martinus und das katholische Dekanat Ehingen-Ulm haben zu einem Vortrag ins Gemeindehaus eingeladen, bei dem Pfarrer Harald Gehrig über Hiob und die Geduld im Leiden gesprochen hat. Eine Woche zuvor hatte Pastoralreferentin Ulrike Krezdorn bereits Hiobs Biographie erläutert, Hiob, eine fiktive Person aus den letzten fünf Jahrhunderten vor Christus. Hiobs Motto lautete „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, gelobt sei der Name des Herrn.“ Der Vortrag fragte „warum gibt es Leid“ und zeigte, dass im Leiden selbst Hiob ungeduldig wurde.

Frommer Hiob

Gott hat dem Satan erlaubt, das Gottvertrauen des stets geduldigen und frommen Hiob auf eine äußerste Probe zu stellen. Hiob erlitt fortan harte Schicksalsschläge, er verlor durch Krieg und Naturkatastrophen seine Viehherden, seine Knechte und schließlich seine Söhne und Töchter.

Dann wurde er schwer krank. Hatte er zunächst noch Gott gelobt, spricht er als Aussätziger auch von den negativen Dingen, die ihn erreicht haben, und hinterfragt die Tatsache seiner Geburt, ja äußert Todessehnsüchte. Gelingt ihm die Bewährung im unbedingten Gottvertrauen?

Das Unglück holte seine edle Haltung ein, Hiob kapituliert, sein Glaube an einen guten Gott gerät in Gefahr. Ihn trifft an seinem Leiden keine Schuld. Insbesondere die Geduld des Leidenden wird auf eine harte Probe gestellt, bis am Ende des Buches „Hiob“ Gott die Schöpfung zu Hiob sprechen lässt.

Tief berührt wird Hiob nach einem Wechselbad der Gefühle wieder gesund und findet zu neuem Vertrauen. Pfarrer Gehrig fasste zusammen: „Er, der sich für gerecht hält, kann nicht verstehen, dass er so geprüft wird.“

Wenn guten Menschen Böses widerfährt, geraten Festungen ins Wanken. Gehrig trug hierzu Zitate von Hiob vor, der sich als Zielscheibe sieht, selbst die Natur gegenüber dem Menschen als bessergestellt einstuft und fragt: „Bin ich Dir zur Last geworden?“ Die Frage richtet Hiob an Gott, den Urgrund allen Seins.

Hinweis auf Kunst

Ferner trug Gehrig unter Hinweis auf Kunst, Literatur und Musik, die vom Leid durchzogen sind, die Sichtweise vor von Autoren wie Kirchenvater Augustinus (4. Jhd.), Thomas von Aquin (13. Jhd.), Gottfried Wilhelm Leibniz (17. Jhd.) oder Immanuel Kant (18. Jhd.).

Er verschwieg nicht Zäsuren wie Auschwitz oder Hiroshima, die unvorstellbares Leid gebracht haben, und die spätestens hier offenbar werdende Freiheit des Menschen, sich gegen seinen Schöpfer zu wenden.

Viel Raum erhielt der Wiener Arzt Viktor Emil Frankl (1905-1997), der trotz Leidens Sinn gefunden hat „Trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“. Frankl kommt zum Ergebnis „das Leiden an sich hat keinen Sinn, aber es gibt einen Sinn im Leiden. Niemand kann einem das Leiden abnehmen, jeder muss sein Leben selbst meistern“.

Unwege zum Heil

Warum die Umwege zum Heil? Wenn der Mensch eine leidvolle Situation gemeistert hat, verfügt er über Ressourcen, die ihn befähigen, neue Leiden besser zu meistern.

Gehrig interpretiert Frankl so: „Hiob litt unter Gottes Schweigen, er fand Genugtuung, als Gott sich zeigte.“ Er schloss seinen Vortrag mit dem Traum eines Mannes, der gemeinsam mit Gott durch den Sand läuft, und feststellt, dass in den schwierigsten Momenten nicht zwei, sondern nur eine Spur sichtbar ist. Gott kommentiert das so „da habe ich Dich getragen“.

Am Dienstag, 5. November, um 20 Uhr spricht Dekanatsreferent Wolfgang Steffel an gleicher Stelle über den Jesuiten Alfred Delp, der von den Nazis wegen seines Glaubens hingerichtet wurde, „Wie Gott im Schönen und im Elend Begegnung feiert“.

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