Gebürtiger Ehinger liest aus seinem neuesten Buch

Lesedauer: 3 Min
Karl-Heinz Ott las in Ehingen und beantwortete Fragen.
Karl-Heinz Ott las in Ehingen und beantwortete Fragen. (Foto: SZ-: Sommer)
Elisabeth Sommer
Freie Mitarbeiterin

„Mit Karl-Heinz Ott zu verzweifeln, ist besser, als ohne ihn glücklich zu sein.“ So steht es auf dem Umschlag seines neuesten Buches. Und es stimmt. Allerdings muss es nicht die eigene Niedergeschlagenheit sein, sondern besser die Verzweiflung einer anderen, am besten fiktiven Person, die der Autor so schrecklich-schön durchdacht niedergeschrieben hat. Eine Stunde lang hat Karl-Heinz Ott vor mehr als 40 Zuhörern nun im Ernst- und Anne-Rumler-Saal im Ehinger Franziskanerkloster aus seinem neusten Büchlein gelesen, das es im Buchhandel gibt.

Der gebürtige Ehinger Autor ist ein Könner beim Ausdenken von Überlegungen, die sich die Menschen so machen können. Ott lässt seine handelnden Personen sich schwerwiegende psychologische und philosophische Fragen zu allen möglichen Lebenslagen stellen und nachvollziehbare innere Antworten finden. Im aktuellen Roman „Und jeden Morgen das Meer“ arbeitet er auch Erinnerungen aus seiner unangenehmen Internatszeit ein und macht diese zu Erinnerungen seiner Protagonistin. Bei der Hauptperson des Romans handelt es sich um die ehemalige Chefin eines Feinschmeckerlokals, die zuerst ihren Mann verloren hat und dann ihr Haus. Der Schwager hat es übernommen – ohne sie. Der Ehemann und Küchenchef litt unter einem Stern und dessen Verlust. Nach seinem Tod wird der Protagonistin das Leben am Bodensee zu eng und zu öffentlich, deshalb flüchtet sie in die walisische Einsamkeit und hängt zwischen Ruhe, Reiz des Ungewohnten, der Trostlosigkeit und dem Blick auf das Meer düstersten Gedanken nach.

Der Ehinger Buchladen war zur Lesung am Freitag mit einem Verkaufstisch vertreten und der Autor signierte auch. In der Fragerunde hatte der Schriftsteller eingeräumt, dass er durchaus echte Menschen als Vorbild nimmt. Er nehme Anleihen am Leben von Menschen, die er treffe und verarbeite seine Feststellungen ohne direkten Wiedererkennung. „Meine Fantasie reicht nicht aus, mir alle Charaktere auszudenken“, gestand der Schriftsteller.

Ein Zuhörer stellte ihn mit der Frage zu dem früher in einem Roman abgegebenen Negativurteil über die Region Ehingen auf die Probe. Das habe mit dem Autoren nichts zu tun, nur mit dem Romancharakter, betonte Ott. „Schon klar“, konterte der Fragesteller.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen