Gastronomen finden kein Personal

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Max und Karin Kienzle betreiben die Villa Max.
Max und Karin Kienzle betreiben die Villa Max. (Foto: SZ- dtp)

Verzweifelt suchen Ehinger Gastronomen nach Personal, doch gibt es keine Bewerber. So schlimm wie derzeit sei die Situation noch nie gewesen, sagt Max Kienzle von der Villa Max. Wegen der offenen Stellen hätte er schon überlegt, ob die Villa Max gezwungenermaßen einen Ruhetag einführen soll. Das Restaurant Amadeus hat seine Öffnungszeiten wegen Personalmangels bereits gekürzt. Das Amadeus bietet seit einem Vierteljahr keinen Mittagstisch mehr unter der Woche an.

Alle Stellen zu besetzen, das funktioniere derzeit gar nicht, sagt Karin Kienzle, die zusammen mit ihrem Sohn in Ehingen die Bistro-Bar Villa Max betreibt. Eine fest angestellte Mitarbeiterin und vier Aushilfskräfte hätten sie, sechs bräuchten sie eigentlich. Dass es zwei offene Stellen gibt, sei spürbar. „Das bedeutet: immer noch mehr Eigenleistung“, erklärt Karin Kienzle. „Und keinen freien Tag mehr.“

Verkürzung ist geschäftsschädigend

Die Villa Max hat sieben Tage in der Woche geöffnet, immer ab 17 Uhr. Die Öffnungszeiten erstrecken sich bis 1.30 Uhr am Freitag und Samstag. Aus der Not heraus hätten sie jetzt sogar mit dem Gedanken gespielt, einen Ruhetag einzuführen – sonntags oder montags. „Wir kamen aber zu dem Schluss: Das können wir nicht machen, weil die Nachfrage von den Gästen einfach da ist.“ Der Zulauf sei groß und die Lösung wäre geschäftsschädigend gewesen, sagt Karin Kienzle. „Eine solche Lösung wäre auch für die Gastronomie insgesamt nicht gut“, erklärt sie. „Es würde zu kompliziert für die Gäste werden, weil sie nicht mehr wissen, wann wer aufhat.“

Das Ehinger Restaurant Amadeus hat sich bereits vor einem Vierteljahr dazu entschieden, die Öffnungszeiten anzupassen, weil das Personal in der Küche fehlt. „Wir hatten früher ab 10 Uhr durchgängig offen“, sagt Wirtin Monica Barensteiner.

Fachkräfte fehlen

Nun gibt es keinen Mittagstisch mehr. Das Restaurant öffnet unter der Woche erst um 16.30 Uhr. „Wir haben seitdem sogar zwei weitere Mitarbeiter gefunden“, sagt Barensteiner. „Aber es reicht noch nicht aus.“ Noch immer sei man auf der Suche nach drei Festangestellten. „Ich weiß nicht, woran es liegt, dass wir niemanden finden“, erklärt die Wirtin. Sie hoffe, dass das Amadeus bald wieder einen Mittagstisch anbieten kann.

Dass die Gastronomie zu wenig Leute finde, liege nicht an der Bezahlung, sagt Karin Kienzle. Die Bistro-Betreiberin sieht die Ursache vielmehr in der Mentalität der Menschen. „Junge Menschen wollen Freizeit, viel weggehen, keine Party verpassen. Keiner will mehr ein Opfer für einen Nebenjob bringen.“ Und klar: In der Gastronomie müsse man auch abends und am Wochenende arbeiten.

So schlimm war es noch nie

In Ehingen sei das Problem, dass es keine Studenten gebe und Schüler mit 18 die Stadt verlassen, sagt Max Kienzle. „Der Rest denkt nicht daran, in der Gastronomie zu arbeiten.“ So schlimm wie derzeit sei die Situation in Ehingen noch nie gewesen. Die zwei Stellen seien schon seit zwei Jahren unbesetzt. Man habe schon alle Wege zu werben ausprobiert, doch nichts habe zum Erfolg geführt. „Es bewirbt sich nicht mal mehr jemand.“

Man müsste die positiven Seiten des Jobs mehr ins Bewusstsein rücken, die Arbeit besser präsentieren, schon in der Schule, sagt Karin Kienzle. „Wir haben mit Menschen zu tun, jeden Tag, sehen immer andere Gesichter. Es ist schön, wenn man seine Gäste verwöhnen darf.“ Kein Tag sei wie der andere, sagt Max Kienzle. „Es ist immer eine Überraschung.“

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