Ganz ungewohnte Situation für die Steeples

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Ein Moment zum Festhalten: Das Team Ehingen Ursprung kurz nach seinem ersten Auswärtssieg dieser Saison in Hamburg. Das Bild zei
Ein Moment zum Festhalten: Das Team Ehingen Ursprung kurz nach seinem ersten Auswärtssieg dieser Saison in Hamburg. Das Bild zeigt (v. l.) Physiotherapeut Jan Brambach, Teammanager Nico Drmota, Bradley Hayes, Bo Meister, Kevin Yebo, Moritz Noeres, Achma (Foto: Team Ehingen Urspring)
Schwäbische Zeitung

Lange hat es gedauert bis zum ersten Auswärtssieg der Zweitliga-Basketballer des Teams Ehingen Urspring in der Saison 2017/18. Im zwölften Anlauf endete die Niederlagenserie in fremden Hallen. Mit dem 78:73 nach Verlängerung bei den Hamburg Towers verbuchten die Steeples zudem erstmals in dieser Spielzeit zwei Erfolge in Serie und erhöhten angesichts der Niederlagen von Baunach und der Ulmer Orange Academy ihre Chancen auf den Verbleib in der ProA.

Es war eine neue Situation für die Steeples in dieser Saison: Nie zuvor hatten sie zwei Spiele hintereinander für sich entschieden und waren auswärts stets leer ausgegangen. Das ist vorbei und damit „kommen wir sehr gut klar“, sagte Trainer Domenik Reinboth schmunzelnd. „Es können gern auch drei, vier, fünf Siege in Serie werden.“ Auszuschließen ist das nicht, Ehingen Urspring tritt nun zweimal in Folge in er heimischen JVG-Halle an, in der die Mannschaft mit fünf Siegen in zehn Spielen eine ausgeglichene Bilanz hat. Und die nächsten Gäste, Paderborn (Tabellenplatz: 12) und Hagen (7), sind nicht übermächtig.

„Unser Physiotherapeut Jan Brambach hat gesagt, dass wir uns den ersten Auswärtssieg für das Spiel mit der längsten Fahrt aufgehoben haben, damit wir ihn auch genießen können“, sagte Reinboth. Die Steeples saßen bis zum frühen Montagmorgen im Bus, ehe sie zurück waren in Ehingen. Von Partystimmung auf der Reise war aber nicht die Rede. „Die Spieler waren auch sehr müde. Ein Spiel in Overtime kostet mehr Kräfte.“ Gerade die vielen angeschlagenen Spieler im Team mussten so noch länger auf die Zähne beißen als geplant.

Dabei wäre die Extraschicht nicht nötig gewesen. Die Gäste dominierten im ersten Viertel, führten 20:7. Auch zur Halbzeit lagen sie vorn (33:27). „Das war eine andere Situation als sonst. Oft sind wir einem Rückstand hinterhergerannt, diesmal haben wir vorgelegt. Das gab uns Energie für die Würfe und Freiwürfe in den wichtigen Phasen“, so Reinboth.

Doch zunächst drehten die Towers die Partie, 50:47 führte Hamburg nach nach dem dritten Viertel. Die Steeples schlugen zurück, lagen vier Minuten vor dem Ende mit 62:57 vorn. Dabei blieb es bis 80 Sekunden vor Schluss und alles deutete auf einen Sieg von Ehingen Urspring nach regulärer Spielzeit hin – ehe die Towers mit fünf Punkten in Folge doch noch die Verlängerung erzwangen. „Wir hätten das Spiel definitiv früher für uns entscheiden können“, sagte Reinboth. „Aber das wir es trotz der liegen gelassenen Chancen geschafft haben, zeigt umso mehr die gute Teamleistung.“ Denn die Entscheidung zugunsten der Gäste war nur aufgeschoben: In der Verlängerung gaben die Steeples sofort die Richtung vor und hielten den Gegner auf Distanz.

Auch dass mit Bradley Hayes (im vierten Viertel) und Kevin Yebo (anfangs der Verlängerung) die beiden Big Men wegen ihres fünften Fouls aus dem Spiel waren, warf die Steeples nicht aus der Bahn. Noch im Dezember gegen Chemnitz musste Ehingen Urspring in der Schlussphase ebenfalls ohne Hayes und Yebo und den diesmal wie damals fehlenden Jonathan Malu auskommen und war chancenlos. Diesmal lief es anders: Angeführt von Achmadschah Zazai, der gerade in kritischen Phasen Verantwortung übernahm und wie schon bei seinem Debüt im grünen Trikot eine Woche zuvor gegen die Orange Academy 17 Punkte beisteuerte, ließen die Steeples nicht locker. Sie wollten den Sieg nicht mehr aus der Hand geben.

Als Kevin Strangmeyer gut eine Minute vor Ende zwei von drei Freiwürfen zum 77:71 verwandelte, war der Erfolg fast in trockenen Tüchern. Der erst 17-jährige Strangmeyer hatte dem Druck standgehalten, was besonders seinen Trainer freute: „Kevin hat gegen gestandene Bundesliga-Spieler ein ganz starkes Spiel gemacht – seine Punkte in der Schlussphase waren wichtig für uns. Das muss ein so junger Spieler, der bisher NBBL und in Gießen mal in der ProB gespielt hat, vor mehr als 3000 Zuschauern erst einmal schaffen: sich an die Linie stellen und zwei reinmachen.“

Ein „Riesenspiel“ bescheinigte Reinboth dem auch erst 21 Jahre alten Kevin Yebo, der 20 Punkte erzielte und wie eine Woche zuvor gegen die Orange Academy (22 Punkte) Topscorer seines Teams war. Yebo arbeitet daran, seinen Saison-Punkteschnitt zu steigern – bei elf pro Spiel ist er nun angekommen, Tendenz steigend. Für spektakuläre Aktionen am Korb ist Yebo schon länger bekannt, in Hamburg tat er sich als Distanzwerfer hervor, verwandelte drei Dreier. „Wir haben viel mit ihm daran gearbeitet und das trägt Früchte“, so Reinboth.

Bei 13 Punkten pro Spiel liegt Seger Bonifant, doch sein Schnitt war schon höher. Zuletzt gegen Kirchheim (6 Punkte), Crailsheim (2) und Ulm (4) blieb der US-Amerikaner, ein guter Werfer aus der Distanz, deutlich unter seinen Möglichkeiten und dies setzte sich zunächst gegen Hamburg fort. In der ersten Halbzeit blieb Bonifant ohne Punkte. „Er hatte einen kleinen shooting slump gehabt, wie die Amerikaner sagen“, so Reinboth über den Leistungsknick seines Spielers in den vergangenen Wochen. In der Pause in Hamburg versuchte er den 24-Jährigen aufzubauen. Mit Erfolg: Als es darauf ankam, im vierten Viertel und in der Verlängerung, war Bonifant zur Stelle und steuerte unter anderem zwei Dreier zum Steeples-Sieg bei.

Sollte Seger Bonifant wieder dauerhaft an seine Leistungen und Werte der Vorrunde anknüpfen, wäre das für Ehingen Urspring nur von Vorteil. Es würde die Chancen im Abstiegskampf weiter erhöhen.

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