Forschung zum Klimawandel: Studenten starten Wetterballon

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Ein Wetterballon
Schon früh am Morgen bereitete sich das Studententeam auf seine Aktion vor. (Foto: SZ- hog)
Friedrich Hog

Ein Team von zwölf Studenten der Verfahrenstechnik um Professor Dragos Saracsan von der Hochschule Offenburg hat am frühen Freitagmorgen auf dem Flugplatz bei Schlechtenfeld einen Wetterballon gestartet.

Die dem Ballon in einer Experimentenbox im Format eines Cajon angehängten Geräte sollen bis zu einer Höhe von über 30 Kilometern Luftproben entnehmen. Die hieraus gewonnenen Daten können Erkenntnisse zur Schadstoffbelastung und dem Klimawandel liefern.

Dass als Startplatz für den Wetterballon das Fluggelände Ehingen-Schlechtenfeld ausgewählt worden ist, hat ganz unterschiedliche Gründe. Offenburg selbst liegt an der Grenze zu Frankreich.

Mittels des Ballons sollen Werte aus der Stratosphäre ermittelt werden.
Mittels des Ballons sollen Werte aus der Stratosphäre ermittelt werden. (Foto: Hog)

Die für eventuelle Schäden durch die Landung des Ballons abgeschlossene Haftpflichtversicherung deckt lediglich Schäden innerhalb der Bundesrepublik ab. Daher musste ein Startplatz ausgewählt werden, von dem aus die 2,9 Kilogramm schwere Box mit den Messgeräten mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit in Deutschland herunterkommt.

Außerdem durfte sich in der Nähe des Startplatzes kein großer Flugplatz befinden, um mit dem Flugverkehr nicht zu kollidieren.

Alles, was in die Luft geht, interessiert uns Flieger.

Tobias Lechner, stellvertretender Vorsitzende der Sportflieger 

Ferner wurde die Bodenseeregion ausgeschlossen, um eine Landung auf dem See zu vermeiden. Schließlich sollte keine Autobahn in der Nähe des Startplatzes sein, um die Wahrscheinlichkeit einer Landung auf der Straße zu minimieren.

Fluggelände ist idealer Platz für die Aktion

Damit erwies sich im Wege der Risikoabwägung das Ehinger Gelände insgesamt als der ideale Platz zum Start des Wetterballons. Der stellvertretende Vorsitzende der Sportflieger Tobias Lechner war persönlich zur Freigabe des Flugs erschienen, der zuvor vom Regierungspräsidium Stuttgart genehmigt worden war.

„Alles, was in die Luft geht, interessiert uns Flieger“, begründete Lechner sein Engagement zur Uhrzeit der „bürgerlichen Dämmerung“.

Für die Studenten ist die Forschungsarbeit ein Teil der Projektarbeit „Laborpraxis“, welche sich über zwei Semester erstreckt. Mitte März hatte bereits die Planung des Experiments begonnen.

Die Studenten gründeten hierzu vier Teams: Logistik, Öffentlichkeitsarbeit, Experiment und Administration. Einmal pro Woche trafen sich seither die Teams, um ihre Arbeit Hand in Hand zu koordinieren.

Wenn alles klappt, sollte der beim Start mit einem Durchmesser von weniger als zwei Metern recht kleine Ballon aus hellem Latex innerhalb von idealerweise drei bis vier Stunden eine Höhe von 30 bis 40 Kilometern und eine Ausdehnung von 15 bis 20 Metern erreichen, ehe er in dieser Extremhöhe platzen würde.

Telefonnummer hinterlassen

Die Studenten äußerten vor dem Start die Hoffnung, die Experimentebox würde sodann mit Hilfe des mitfahrenden Fallschirms sanft auf nicht allzu unwägbarem Gelände landen, eventuell südlich von Reutlingen, rechnet man die aktuellen Luftströmungen laut Deutschem Wetterdienst in großer Höhe ein.

Zur Sicherheit wurde eine Telefonnummer an der Außenseite der Box hinterlassen, um möglichst vielen Eventualitäten vorzubeugen. Bei zehn, 14, 18 und 22 Kilometern Höhe, also bis in die bei 20 Kilometern beginnende Stratosphäre hinein, würden die Geräte Luft ansaugen, die sodann untersucht werden könnte auf ihre Konzentration an CO2 und NOx.

Als NOx werden Flugzeugabgase bezeichnet, die auf die Ozonschicht abbauenden Einfluss haben. Zwei bis drei Wochen würde die Auswertung der Proben dauern. Den Film der mitgeführten Videokamera könnte man sofort sichten.

Langsam füllten die Studenten den Ballon mit Helium, das leichter ist als Sauerstoff, um dem Ballon Auftrieb zu verleihen. Um 6.25 Uhr ging die Sonne auf, gestartet wurde um 7 Uhr, dem Zeitpunkt der optimalen Thermik.

Hierzu wurden unter Zuhilfenahme von zwei Stabilisatoren an dünnen Seilen zunächst der Fallschirm und unten im Abstand von zehn Metern die Experimentebox an den Ballon befestigt.

„Wiedersehen macht Freude“ riefen die Studenten ihrer Experimentebox hinterher, und beobachteten noch lange den langsam steigenden Ballon.

Dieser schwebte zunächst ostwärts in Richtung Ehingen und drohte sich im Wald zu verheddern, was aber nicht der Fall war. Langsam bewegte er sich in südwestlicher Richtung weiter, um über einen GPS-Tracker seinen Standort zu melden. Das Team am Boden verfügte über eine Sonde, die den Standort der Box verfolgt.

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