Fünf Drum-Stars schlagen in Ehingen gewaltig zu

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Eine fantastische „Haumusik“ prügelten die Drum-Stars in der Lindenhalle aus einem umfangreichen Instrumentarium heraus.
Eine fantastische „Haumusik“ prügelten die Drum-Stars in der Lindenhalle aus einem umfangreichen Instrumentarium heraus. (Foto: SZ- kurt efinger)
Kurt Efinger

Mit einer Percussionsshow der Extraklasse haben die fünf Drum-Stars am Donnerstag in der voll besetzten Lindenhalle das Publikum vom Hocker gerissen. Licht und Klang vereinten sich zum sinnebetörenden Erlebnis nachhaltiger Wirkung.

„Finster war’s, und nicht einmal der Mond schien helle“, könnte man in Abwandlung eines vielfach irrtümlicherweise Christian Morgenstern zugeschriebenen Gedichts den Beginn beschreiben, als zwei neonlichtgerahmte geisterhafte Trommler von den Saaleingängen her zu einer Art akustischer Machtergreifung schritten und drei weitere auf der Bühne das Hörspiel fortsetzten. Allmählich lichtete sich das Dunkel und gab den Blick frei auf ein enormes Sammelsurium an mehr oder weniger kuriosen Gegenständen, die man bei einem Konzert gewöhnlich vergeblich sucht. Die Kapuzen wurden zurückgeschlagen, die schwarzen Jacken ausgezogen, und ganz in Weiß präsentierten sich fünf muskulöse junge Männer, um zu demonstrieren, zu was studierte Schlagwerker fähig sind. Eines Besseren belehrt wurde, wer zuvor Zweifel daran gehegt hatte, ob mit Trommelmusik ein Abend zu füllen sei. Er wurde es problemlos, denn nicht nur handelsübliche Trommeln kamen zum Einsatz, sondern alles Mögliche, was bei entsprechender Behandlung hörbare Schlageffekte von sich gibt. Darunter waren zwei Haushaltsleitern ebenso wie ein darauf gelegtes Tapezierbrett. Selbst eiserne Wasserleitungen brachte das schlagfertige Quintett mit Plastikklangrohren zum Tönen. Melodische Verläufe ergab das Spiel auf einem Handpan in der Art des von der Firma Panart Hangbau in Bern entwickelten und auf dem Steel Pan basierenden Klangerzeugers. So viel zu der mit „Päng“ auf Schläge reagierenden Pfanne. Selbst Ping Pong mit einem imaginären Ball kam ins turbulente Spiel, nachdem sich einer der Akteure einen Tischtennisschläger aus dem Hintern gezaubert hatte. Der Partner zog den seinen aus dem Hemd. Banale Abfallkübel wurden zur Stradivari des Drumsets. Immer heißer kam die schlagende Boygroup zugange und am Ende glaubte man nur noch „Sexbomb sexbomb you're a sexbomb“ aus dem rasanten und betörenden Cluster herauszuhören.

„Am liebsten Haumusik“ dürfte so mancher Junge mit einem berühmt gewordenen Satzobjekt von Karl Valentin nach dem Besuch einer Vorstellung der fünf Drum-Stars die Frage nach der von ihm bevorzugten Art der Ton- und Klangerzeugung beantworten. In Ehingen war es der elfjährige Janis Stork aus Erbach, dem die Ehre widerfuhr, auf die Bühne geholt zu werden und nach einem überzeugenden Beweis seiner Fähigkeit von Könnern vom Fach außergewöhnliches Talent bescheinigt zu bekommen. „Der trommelt, seit er fünf Jahre alt ist“, erklärte seine Mama die fortgeschrittene Schlagtechnik ihres Knaben. Nach der Show schenkten ihm die großen Kollegen zwei stark gebrauchte rote Schlägel. „Die wird er in Ehren halten“, ergriff noch einmal die Mutter das Wort. „Schlagzeuger“, antwortete Janis auf die Frage nach seinem Berufsziel. Etwas über der Höchstgrenze der für Eisenbahnschnellabbremsungen zulässigen Abriebwerte dürfte die Bühnennebelfeinstaubbelastung im Saal gelegen haben. Die Beleuchtung bewegte sich unterhalb geläufiger Energieeinsparquoten.

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