Experten beraten Firmenbesitzer zu Nachfolgeregelungen

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Im Detail erklärten die Experten den Interessierten, wie die Nachfolge am besten geregelt wird.
Im Detail erklärten die Experten den Interessierten, wie die Nachfolge am besten geregelt wird. (Foto: SZ- khb)
Karl-Heinz Burghart

Rund 40 Interessierte sind am Mittwochabend in den Ehinger Businesspark gekommen, um sich über Nachfolgeregelungen in Unternehmen zu informieren. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Unternehmensnachfolge im ländlichen Raum“ des baden-württembergischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau hatte die Industrie- und Handelskammer Ulm eingeladen.

Unter dem Motto „Lebenswerk erhalten: Herausforderung Nachfolge“ erklärte Stefan Jakob von der IHK Ulm den Teilnehmern zunächst, dass Betriebe von der Kammer durch ein sogenanntes „Moderatorenkonzept“ bei der Nachfolgeregelung unterstützt werden. „Wir raten frühzeitig über die Nachfolge im Betrieb nachzudenken, dabei aber diskret vorzugehen, um Mitarbeiter oder Geschäftspartner nicht zu beunruhigen“, so Jakob.

Pro Jahr berät die IHK rund 300 Unternehmen, die an Erben oder Käufer übergeben werden sollen. Des Weiteren konzentrierte sich der Infoabend am Mittwoch auf die Unternehmensnachfolge durch Familienmitglieder. Dabei sprach Heinz Fischer, Chef der Firma „Die Nachfolgelotsen“ aus Karlsruhe, über emotionale Aspekte, während sich Wolfram Batzner, Fachanwalt für Erbrecht aus Saulheim, mit Fragen des Erbrechts befasste. Unter den rund 3,7 Millionen Unternehmen in Deutschland seien rund 3,5 Millionen familiengeführte Firmen, von denen die meisten Klein- und Mittelbetriebe seien, erklärte Heinz Fischer. „Und im Moment stehen in Baden-Württemberg rund 90 000 Unternehmen zur Übergabe an“, so Fischer. Der Übergang der Firma von den Eltern an die Kinder sei immer mit Stress für die Familie verbunden, betonte der Fachmann und nannte ein paar „emotionale Stolperfallen“. „Die meisten Übergaben scheitern, weil der Senior nicht loslassen kann und sich weiter einmischt“, sagte Fischer. Zum Streit zwischen den Generationen komme es meist bei der Bewertung des Betriebs. „Während der Senior sein Lebenswerk im Rückspiegel betrachtet, schaut der Nachfolger durch die Frontscheibe nach vorne und erkennt beispielsweise einen Investitionsstau oder Abhängigkeiten von langjährigen Kunden“, erklärte Fischer. „Auch Machtgerangel unter mehreren Nachfolgern führt oft zum Scheitern der Übernahme.“ Frühzeitige Moderation der Gespräche und Mediation im Streitfall, empfahl der Fachmann.

Auch Rechtsanwalt Wolfram Batzner riet, „die Nachfolge frühzeitig zu regeln“. Sei kein Testament vorhanden, trete die meist teure gesetzliche Erbfolge ein. Beim Verfassen des Testaments, so der Anwalt, sei es wichtig, „Auslegungen des Testaments“ zu vermeiden. Oft versuche der Laie zu formulieren, wozu viel Erfahrung und Wissen nötig sei, sagte Batzner. Dabei gelte es, die steuerlichen Folgen des Erbfalles genauso zu kennen, wie seine rechtlichen Konsequenzen und beispielsweise zu überprüfen, ob, etwa durch Grundstücke im Ausland, auch ausländisches Steuerrecht gelte. Nicht umsonst, so der Rechtsanwalt, sage der Volksmund „Seid Ihr Euch noch gut oder habt Ihr schon geerbt?“. Von Fachleuten sei ein Vermögensstreit aber vorhersehbar und damit ein Streit ums Erbe vermeidbar.

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