Experte nimmt die Illusion der digitalen Sicherheit

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Wolfgang Homann hat über digitale Sicherheit gesprochen.
Wolfgang Homann hat über digitale Sicherheit gesprochen. (Foto: SZ- götz)
Schwäbische Zeitung
Leiter Lokalredaktion Ehingen

In unregelmäßigen Abständen gastiert die Vortragsreihe des Netzwerks Schwabens in Ehingen. Am Dienstagabend hat Wolfgang Homann, Head of Managed Security Services der „bbcom secure“ aus Konstanz einen Vortrag zum Thema „Digitales Überleben“ gehalten. Der Experte hat dabei eines klar gemacht: „Es geht in Sachen digitaler Sicherheit nicht mehr um das Verhindern von Angriffen, sondern nur darum, diese schnell zu erkennen.“

Als einen „peinlichen Moment“ bezeichnet der Experte den jüngsten Datenangriff russischer Hacker auf das deutsche Regierungsnetzwerk. „Dieser erfolgreiche Angriff auf das eigentlich sicherste Netzwerk Deutschlands muss für uns alle ein Alarmsignal sein. Denn die Professionalität dieses Angriffs ist hochgradig gefährlich“, betont Homann, der die digitalen Angreifer in drei Gruppen einteilt. Zum einen seien da die Hacktivisten, die ideologisch oder politisch orientiert ihre Angriffe fahren. „Diese Menschen werden in ihrem Vorgehen immer komplexer und besser. Sie werden aber meist durch gute Firewalls zumindest gebremst“, sagt Homann. Die zweite Gruppe ordnet der Experte in den Bereich der organisierten Kriminalität ein. „Hier geht es ums Geld, um Datendiebstahl und Erpressung“, so Homann. Seine dritte Gruppe sei aber die mit Abstand gefährlichste. „Hier geht es um Geheimdienste und Behörden. Industriespionage und Sabotage zum Wohle des eigenen Landes. Dahinter stecken enorme Ressourcen“, sagt Homann. Allein in China seien laut Homann zwischen 130 000 und 500 000 Menschen im Auftrag des Staates nur damit beschäftigt, digitale Spionage in Kerneuropa zu betreiben. „Das Ziel ist es, Daten und Wissen auszuspionieren und wir sind das Ziel“, so der Experte, der dies mit deutlichen Zahlen untermauert. „Bei 68 Prozent der Firmen aus der Automobilbranche wurden bereits Daten abgefischt, bei Chemie und Pharma sind es 66 Prozent und bei den Medienkonzernen 58 Prozent. Allein der Schaden, der in Deutschland pro Jahr durch Datenklau wie Konstruktionspläne oder andere sensible Daten entstehe, liege bei rund 51 Milliarden Euro. „Und das ist erst der Anfang. Aktuell stehen wir vor der größten digitalen Angriffswelle auf Baden-Württemberg, die wir je hatten. Denn unsere Autoindustrie macht einen Umsatz von 405 Milliarden Euro – das ist für digitale Angreifer spannend.“

Es, so der Experte, müsse jedem klar sein, dass „kein System sicher ist“. „Das gilt für Smartphones, für den Computer daheim und natürlich für alle Firmennetzwerke“, sagt Homann. Sogenannte IMSI-Catcher könnten beispielsweise das Mobiltelefon eines jeden übernehmen, auf das Mikrofon, die Kamera und alle Daten zugreifen. „Im Prinzip ist jedes Netzwerk unterlaufen. Im Mittelpunkt der Sicherheit steht das frühe Erkennen mit einem IT-Risiko-Management“, so Homann.

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