Existenzängste wegen eines fehlenden Traktorführerscheins

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Leiter Lokalredaktion Ehingen

Der CDU-Landtagsabgeordnete Manuel Hagel hat am Freitag den Vollerwerbslandwirt Markus Neubrand in Unterwilzingen besucht. Mit dabei war Kreisbauernchef Ernst Buck, denn den Landwirt aus dem Ehinger Teilort plagt ein großes Problem. Um die 90 Hektar weiterhin bewirtschaften zu können, ist es nötig, dass sein Sohn Fabian den sogenannten T-Führerschein bekommt.

Eigentlich ist die Welt von Markus Neubrand und seiner Familie in Ordnung. Der Landwirt bewirtschaftet 90 Hektar Land, hat 140 Kühe in seinem Stall und baut auf seinen landwirtschaftlichen Flächen Produkte wie Wintergerste, Sommergerste, Winterweizen, Sommerweizen, Dinkel und Emer an. Mais und Raps werden für den Eigenbedarf angebaut, seine Milchkühe geben pro Jahr rund 9300 Liter Milch (Stalldurchschnitt pro Kuh), mit dem aktuellen Milchpreis von 36 Cent könne der Landwirt zudem leben.

Sein größtes Problem ist ein bürokratischer Umstand

Sein größtes Problem sind also nicht irgendwelche EU-Gesetze, sondern ein bürokratischer Umstand, der sich im Landratsamt lösen lässt. Denn sein Sohn Fabian wird im Oktober 15 Jahre und würde gerne den sogenannten T-Führerschein für Traktoren machen. Um diesen bereits mit 15 statt mit 16 Jahren machen zu können, braucht es eine Genehmigung des Landratsamtes, weil dies „im Ermessungsspielraum der Behörde liege“, wie Manuel Hagel deutlich macht. Markus Neubrand hat dies beim Landratsamt beantragt und eine Absage bekommen.

Landwirt Markus Neubrand, sein Sohn Fabian, Kreisbauernchef Ernst Buck und der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel (v.l.) im Stall.
Landwirt Markus Neubrand, sein Sohn Fabian, Kreisbauernchef Ernst Buck und der Landtagsabgeordnete Manuel Hagel (v.l.) im Stall. (Foto: SZ- götz)

Bisher hat Neubrands Tochter, 18 Jahre, viele Fahrten gemacht, der 14-jährige Sohn ist zwar mit den Traktoren auf den Feldern unterwegs, muss aber von Feld zu Feld gefahren werden, da dies öffentliche Straßen sind. „Ich schaffe diese Arbeit alleine nicht mehr. Meine Tochter ist nun beim Studieren und kann nicht mehr fahren, ich brauche die Unterstützung meines Sohnes“, erklärt Neubrand beim Rundgang über seinen Hof. Zudem möchte Sohn Fabian ebenfalls Vollerwerbslandwirt werden und den elterlichen Betrieb eines Tages übernehmen. Den Vorschlag der Behörde, sich einen Erntehelfer aus dem Ausland zu holen, könne Neubrand nicht umsetzen. „Ich kann mir keinen Angestellten leisten“, sagt der Landwirt und betont: „Die jetzige Größe meines Betriebes ist das Minimum für einen Vollerwerbslandwirt. Und ich bin froh, dass der Opa mit seinen 76 Jahren uns hilft, wo er nur kann.“

Hagel will sich darum kümmern

Dem Problem annehmen möchte sich nun Manuel Hagel, der von Ernst Buck berichtet bekommen hat, dass es im Bereich des Bauernverbandes Ulm/Ehingen rund 15 solcher Führerschein-Fälle gibt. „Es gibt so viele 15-Jährige, die müssen eigentlich mit ihrem Führerschein auf dem Betrieb helfen. Und es gibt andere Landkreise, die das erlauben“, sagt Ernst Buck und Markus Neubrand macht zudem deutlich: „Ich weiß nicht, wie ich es ohne die Hilfe meines Sohnes machen soll. Ich habe keinen Plan B. Denn ohne den Sohn muss ich reduzieren und dann rechnet sich alles nicht mehr.“

Dass es nicht soweit kommt, dafür will sich Manuel Hagel stark machen. „Ich treffe mich am Montag mit Landrat Heiner Scheffold und werde ihm das Problem schildern. Es kann nicht sein, dass Ihre Frau Ihren Sohn von Feld zu Feld fahren muss. Der Ermessensspielraum sollte hier vom Landratsamt positiv ausgelegt werden“, erklärte Hagel.

Landwirtschaft: So groß sind die Betriebe

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