Ernte: Landwirte kommen „mit blauem Auge“ davon

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Ein Mähdrescher bei Obermarchtal ist in einem Wintergerstenfeld unterwegs. Die Ernte in der Region ist so gut wie abgeschlossen.
Ein Mähdrescher bei Obermarchtal ist in einem Wintergerstenfeld unterwegs. Die Ernte in der Region ist so gut wie abgeschlossen. (Foto: SZ- Warnack)

„Die Landwirte hier in der Region sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Ernst Buck, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen. Der Verband hat seinen Erntebericht für dieses Jahr vorgelegt, die Ernte im Alb-Donau-Kreis ist bereits so gut wie abgeschlossen. Laut Kreisbauernverband haben die Landwirte im Kreis trotz aller Wetterkapriolen eine gute Ernte eingefahren. Doch sieht die Situation auf jedem Hof, auf jedem Feld anders aus.

„In Rißtissen haben wir am Mittwoch schon mit der Silomais-Ernte begonnen“, sagt zum Beispiel Kreisgeschäftsführer Andreas Braig. Weil es dort eine Kiesunterlage gebe, seien die Pflanzen besonders stark von der Trockenheit betroffen. „Der Mais verdorrt regelrecht“, erklärt er.

Dass die Maisernte jetzt schon beginne, sei erstaunlich früh, erklärt Ernst Buck. An einigen Standorten hätten einfach die Wasserreserven gefehlt, daher rechne man bei der Maisernte teilweise mit erheblichen Einbußen. Auf sehr trockenen Standorten hätten sich keine Kolben gebildet. Sei die Versorgung der Frucht zu gering, gehe am Kolben zudem die Körnerbildung von oben her zurück. Doch noch gebe es Hoffnung, es müsse nur regnen. „Wir müssen schauen, was rauskommt.“

Die Entwicklung des Weizens sei durch die Trockenheit im Frühjahr beeinträchtigt worden. „Doch zum Glück kam etwas Regen zum richtigen Zeitpunkt der Kornfüllung“, sagt Buck. Daher könnte der Großteil der Landwirte mit der Qualität zufrieden sein.

Keine Abnehmer für Urgetreide

„Auch bei der Wintergerste müssen wir nicht jammern“, sagt Buck. Der Ertrag sei „vielleicht leicht unterdurchschnittlich“. Zwiewuchs, das heißt die verspätete Neubildung von Halmen an den Pflanzen wegen der Wetterkapriolen, hätten die Sommergerste- und Haferernte etwas beeinträchtigt. Von einer durchschnittlichen Ernte spricht Buck in Bezug auf Dinkel. Keine guten Erträge gebe es beim Raps, sie seien „leicht unterdurchschnittlich“.

Die alten Sorten Emmer und Einkorn würden in der Region an Anbaufläche hinzugewinnen. „Der Markt ist die letzten fünf, sechs Jahre gewachsen, es gab einen Hype“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Hanns Roggenkamp. Doch nun gebe es keine Verträge mehr mit Mühlen für das Erntejahr 2019, weil die Lager voll seien. Deshalb würden die Landwirte wahrscheinlich den Anbau stoppen. „Es wird keiner anbauen, wenn es keine Sicherheit gibt, dass es auch abgenommen wird.“

Mit erheblichen Ertragseinbußen rechnen die Landwirte in der Region beim Grünland. Die Wiesen seien verdorrt, weshalb man davon ausgehe, dass der dritte und vierte Schnitt so gut wie ausfällt. Auch hier hänge noch alles davon ab, wie viel Regen in nächster Zeit fällt. Beim Holz hätten wegen des Borkenkäfers viele Bäume gefällt werden müssen.

Insgesamt hat die Ernte in diesem Jahr sehr früh begonnen – in großen Teilen des Alb-Donau-Kreises bereits ab dem 15. Juni, fast vier Wochen früher als üblich. Durch die trockene Witterung kam sie sehr schnell voran. „Die anhaltende Trockenheit bringt aber auch Mensch, Tier und Maschine an ihre Grenzen“, erklärt Ernst Buck. Mittlerweile sei die Ernte im Kreis so gut wie abgeschlossen. In durchschnittlichen Jahren würden die Erntearbeiten eigentlich bis Anfang September andauern.

Schlechteste Ernte seit 1994

„Wir sind eine der glücklichen Regionen“, resümiert Buck, denn im nördlichen Teil Deutschlands sei die Ernte wirklich katastrophal, dort würden Kühe zum Teil schon abgeschlachtet, die Kälberpreise seien im freien Fall, Betriebe stünden mit dem Rücken zur Wand. „Erstmals seit 1994 sind wir deutschlandweit gesehen in der Situation, dass wir nicht mehr das Getreide produzieren, das wir selbst verbrauchen“, sagt Buck. Auch die Nachfrage nach Stroh und Heu ziehe an, weshalb Landwirte mit normaler Ernte profitieren würden. Doch bräuchten die meisten Landwirte ohnehin ihre Erträge für die Futterversorgung des eigenen Betriebs, schränkt Hanns Roggenkamp ein. Auch der Weizenpreis gehe steil nach oben.

Bei den staatlichen Hilfen wünscht sich Ernst Buck eine unbürokratische Vorgehensweise. Wegen niedriger Milch- und Schweinepreise hätten Betriebe in den vergangenen Jahren nicht die Möglichkeit gehabt, Reserven zu bilden, erklärt Hanns Roggenkamp.

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